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Die Helden waren nicht allein

1945 haben die Neuruppiner ihre Stadt vor der Zerstörung bewahrt Die Helden waren nicht allein

Heute, 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, wollen einige Neuruppiner an die Helden von damals erinnern. Nach der Befreiung vom Faschismus wandten einige Menschen mehr Zerstörung ab, als so mancher glaubt. Das bestätigt sogar ein offizielles Schriftstück der Stadtverwaltung.

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Karl-Heinz Pohle und seine Frau Christa besitzen ein offizielles Schriftstück ihres Großvaters. Der soll ein Held gewesen sein.

Neuruppin. Ob der Großvater ein Held war? Karl-Heinz Pohle und seine Frau Christa nennen ihn so nicht. Doch ein offizielles Schriftstück, ausgestellt von der Stadtverwaltung Neuruppin am 21. Juni 1945, bestätigt seinen heldenhaften Einsatz.

70 Jahre lang ruhte das Dokument sicher verwahrt in einem Schrank. Als sie vor einigen Tagen in der MAZ vom Ende des Krieges in Neuruppin und der friedlichen Übergabe der Stadt am 1. Mai 1945 las, hat sich Christa Pohle an den Brief erinnert. „Manchmal ist es doch gut, wenn man alte Sachen aufbewahrt“, sagt sie. In einer Mappe zusammen mit anderen Schriftstücken liegt das Dokument, das dem Neuruppiner Willy Schikora bescheinigt, gemeinsam mit anderen Bürgern die Stadt Neuruppin vor der Zerstörung durch die Rote Armee bewahrt zu haben. In dem Papier versichert Willy Schikora, dass er mitgeholfen hat, die Türen der Neuruppiner Klosterkirche aufzubrechen, damit dort an den Türmen weiße Fahnen als Zeichen der friedlichen Übergabe gehisst werden können.

Dieses Schriftstück bestätigt offiziell den Heldenmut in Neuruppin.

Quelle: Privat

Gedenktafel soll an die Retter der Stadt erinnern

Am 1. Mai war das. Am Abend zuvor waren die sowjetischen Truppen bis zum gegenüberliegenden Ufer des Ruppiner Sees vorgerückt. Mit Lautsprechern forderte der Kommandeur die Neuruppiner am Abend auf, die Stadt bis zum anderen Morgen zu übergeben. Sollten sie das nicht tun, würde Neuruppin von Kanonen in Schutt und Asche gelegt werden.

Die Zerstörung konnte abgewendet werden. Jetzt, 70 Jahre nach der Befreiung vom Faschismus, wollen einige Neuruppiner an die Helden von damals erinnern.

Wolfgang Freese hat die Idee aufgebracht, eine Gedenktafel an der Uferpromenade anzubringen. Mit Hilfe anderer Neuruppiner hat er die Namen einiger Männer und einer Frau ausfindig gemacht, die damals handelten. Der damalige Pfarrer Reinhold Bittkau gehört dazu. Hans Solf gehört dazu, Rudi Knolleisen und Elfriede Kuhle, später Mahlig. Sie waren am Morgen des 1. Mai in einem Boot mit einer weißen Fahne als Zeichen der Kapitulation über den See gerudert. Zeitgleich hatten Pfarrer Reinhold Bittkau, Hermann Jerx, Erich Dieckhoff und Herbert Vick weiße Fahnen am Turm der Klosterkirche gehisst.

Die Namen dieser „mutigen Menschen“ sind jedenfalls bisher bekannt und sie werden auch im Entwurfstext für die Gedenktafel genannt. Doch die sieben waren offenbar nicht allein. Auch andere halfen, den Angriff zu verhindern.

Fakten, aber auch Unstimmigkeiten

Willy Schikora zum Beispiel. Als die Rote Armee ein Zeichen für die Aufgabe der Stadt verlangte, „habe ich schnellstens mit dafür gesorgt, dass die Fahne gehisst wurde“, sagte Schikora gut einen Monat später aus. „Da der Schlüssel zur Kirchentüre nicht schnell genug zu finden war, wurde die Tür in meinem Beisein eingeschlagen.“ Hermann Dominick und Hermann Vogler bestätigten das mit ihrer Unterschrift.

Schikora wohnte damals in der Klosterstraße nur wenige Häuser von der Klosterkirche entfernt. Dort, wo Christa und Karl-Heinz Pohle noch heute wohnen. Wozu der Großvater die schriftliche Bestätigung brauchte, wissen die beiden nicht. „Vielleicht für seine Arbeit“, vermutet Christa Pohle. Willy Schikora war Polizist.

Einzig verwunderlich: Soweit Wolfgang Freese ergründen konnte, galt das Ultimatum der Sowjetarmee bis zum Morgen des 1. Mai um 8 Uhr. In der Bestätigung für Willy Schikora ist aber von 18 Uhr am 1. Mai die Rede.

Das heute genau nachzuvollziehen, dürfte schwer sein. 70 Jahre nach Kriegsende lebt kaum noch jemand, der sich an die Tage erinnern kann. Das hat Wolfgang Freese schon herausgefunden. Aufzeichnungen gibt es kaum.

Fakt scheint dagegen, dass weit mehr Neuruppiner die Stadt retten wollten, als bisher bekannt war. Auch der Bäckermeister Willy Prager gehörte dazu. Er hisste ebenfalls ein weißes Tuch, um den angedrohten Angriff abzuwenden. Er hängte es aus einem der oberen Fenster der späteren Schule des Friedens, der heutigen Montessorischule an der jetzigen Friedrich-Engels-Straße. Der Heimatforscher Siegfried Schwanz aus Karwe hat das in Erfahrung gebracht.

Sammlung: Die Tafel wird etwa 1000 Euro kosten, etwa 120 Euro sind inzwischen zusammengekommen. Wer das Projekt unterstützen will, kann Spenden auf das Konto des Vereins Esta Ruppin mit der IBAN DE80 3506 0190 1567 0670 30 bei der KD-Bank überweisen. Wichtig ist, den Verwendungszweck „Gedenktafel“ anzugeben.

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