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Die Hymne ist noch nicht verklungen

Wittstock Die Hymne ist noch nicht verklungen

Da hat eine Stadt schon ihre eigene Hymne und dann wird sie kaum gesungen. Das 2016 wiederentdeckte Wittstock-Lied erklang zuletzt öffentlich vor einem halben Jahr. Warum es noch nicht zum Standardrepertoire des Städtischen Männerchores gehört, hat mehrere Gründe. So gelten die Verse heute als wenig zeitgemäß.

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Der Städtische Männerchor hatte das Lied zum Neujahrsempfang 2016 erstmals wieder vorgetragen.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Dass Wittstock seit 90 Jahren eine eigene Hymne besitzt, stimmte die Stadtväter und den Städtischen Männerchor Anfang 2016 noch euphorisch. Das Lied wurde, wohl seit Jahrzehnten, zum Neujahrsempfang der Dossestadt im Januar 2016 erstmals wieder öffentlich vorgetragen. Zuletzt erklangen die heimatlichen Weisen zur Gewerbeschau im September vergangenen Jahres, wie sich Chorleiter Peter-Michael Kipcke erinnert. Doch dann war das anlässlich des Heimatfestes 1927 vom Wittstocker Gymnasialdirektor Wilhelm Schlechtweg gedichtete Lied erst einmal verklungen.

Uhrmachermeister Detlef Beuß hatte das Lied in den Unterlagen seines Vaters entdeckt

Uhrmachermeister Detlef Beuß hatte das Lied in den Unterlagen seines Vaters entdeckt.

Quelle: Christian Bark

Ende 2015 hatte der Wittstocker Uhrmacher Detlef Beuß die Unterlagen für die Organisation des traditionsreichen Handwerkerballs von seinem Vater übernommen. Darunter auch eine Publikation des hiesigen Handwerksvereins vom 10. November 1929. „Beim Durchblättern entdeckte ich das Wittstock-Lied“, erinnert sich Beuß. Vermutlich sei es damals auf den Handwerkerbällen gesungen worden. Abgedruckt wurde der Liedtext zuletzt 2004 in seiner Publikation über das städtische Gymnasium, wie Historiker Wolfgang Dost informiert – allein die Melodie fehlte. Die befand sich nun aber bei den Unterlagen von Detlef Beuß, das Lied konnte also wieder gesungen werden.

Das Wittstock-Lied von 1927

Das wär’ bei Gott ein schlechter Mann,

der nicht mit Stolz die Heimat ehrt 

und der die Stadt vergessen kann, 

die ihm der Jugend Glück beschert.

Ob einer lobt sein Neuruppin,

sein Potsdam, Prenzlau, sein Berlin,

wir preisen unser Wittstock laut,

das unsre Väter uns erbaut:

Hoch Wittstock mein im Prignitzland,

Hoch Wittstock mein am Dossestrand!

 

Hier zeuget noch fast jeder Stein

von unsrer Väter stolzer Zeit,

hier ruhet aus manch bleich Gebein

von dreißigjährigen Krieges Streit.

Hier steht die Pappel des Banér,

der sich erkämpfte Sieg und Ehr’,

so lange die Geschichte spricht,

sie auch von Wittstock gibt Bericht:

Hoch Wittstock mein im Prignitzland,

hoch Wittstock mein am Dossestrand.

 

Der Amtshof in Verschwiegenheit,

der alte Amtsturm hoch und hehr,

der schattge Wall im Sommerkleid,

die Sankt Marien, der Mauer Wehr,

die reiche Forst im Tannenduft

und über allem Heimatluft.

Nichts Schönres gibt es weit und breit,

was ich könnt lieben Allezeit:

Als Wittstock ein im Prignitzland,

als Wittstock mein am Dossestrand.

Obwohl es sich zunächst bei den Wittstockern großer Beliebtheit erfreute und auch auf dem Handwerkerball 2016 erklungen war, scheint sich die Melodie weniger zu einem Ohrwurm entwickelt zu haben. „Es ist schon irgendwie schmissig und einprägsam“, sagt Peter-Michael Kipcke. Obwohl die Melodie sehr schlicht sei, lasse sich das Lied einstimmig gut singen – vornehmlich bei Auftritten des Chores an der freischen Luft. „Dort haben wir es mit mehrstimmigen Lieder ohnehin schwerer, optimal gehört zu werden“, erklärt der Chorleiter.

Der Dichter des Liedes

Der Dichter des Liedes: Gymnasialdirektor Wilhelm Schlechtweg (Mitte).

Quelle: Christian Bark

Als besonders einprägsam beschreibt Wolfgang Dost den Refrain „Hoch Wittstock mein im Prignitzland, hoch Wittstock mein am Dossestrand“. Allerdings wirken viele Passagen Kipcke zufolge wie Verse aus einer längst vergangenen Zeit. „Jüngere Leute können damit wahrscheinlich weniger etwas anfangen“, vermutet der Chorleiter. Auch Wittstocks Stadtsprecher Jean Dibbert zweifelt im MAZ-Gespräch an der Zeitmäßikeit einiger Verse. „Das Lied war damals hauptsächlich für das Repertoire des Männerchores wiederbelebt worden“, sagt er. Dass es demnächst auf öffentlichen Veranstaltungen wieder erklingen wird, will Jean Dibbert nicht ausschließen.

Beim diesjährigen Handwerkerball am 25. März gibt es das Lied allerdings nicht zu hören, wie Detlef Beuß informierte. „Wir wollen den Gästen jedes Jahr andere Musik bieten“, sagt er. Spätestens zur Landesgartenschau 2019 dürfte die Hymne aber mit Sicherheit wieder eine Rolle spielen, wie Peter-Michael Kipcke vermutet. Und auch seine Sänger haben das Lied noch nicht vergessen. „Vor einigen tagen haben wir es mal wieder bei den Proben gesungen“, informiert der Chorleiter – quasi als Auffrischung für kommende Auftritte.

Von Christian Bark

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