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Die Königin in der Schinkelkirche Glienicke

Orgelweihe in Glienicke Die Königin in der Schinkelkirche Glienicke

Die Kunsthistorikerin Ute Kegel weist nach, dass die Kirche in Glienicke tatsächlich vom preußischen Baumeister Karl-Friedrich Schinkel entworfen wurde. In der Fachwelt war sie ihm zuvor nicht eindeutig zugeschrieben worden. Ute Kegel war am Sonntag extra aus Frankreich zur Orgeleinweihung gekommen.

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Kunsthistorikerin Ute Kegel (l.) spricht in Glienicke über die Schinkel-Kirche.

Quelle: Björn Wagener

Glienicke. „Sie klingt wieder, und sie klingt wieder schön“, mit diesen Worten begann Pfarrer Björn Borrmann am Sonntagnachmitag den Gottesdienst anlässlich der Einweihung der restaurierten Orgel in der Schinkel-Kirche in Glienicke. Das Instrument, das der in Papenbruch geborene Orgelbaumeister Friedrich Hermann Lütkemüller 1870 schuf, wurde von Orgelbauer Andreas Arnold aus Plau am See in diesem Jahr restauriert und Mitte Juli wieder vor Ort zusammengesetzt.

Pfarrer Björn Borrmann beim Festgottesdienst

Pfarrer Björn Borrmann beim Festgottesdienst.

Quelle: Björn Wagener

9600 Euro kostete die Aufarbeitung, 8000 Euro davon stellte das Land aus Lottomitteln zur Verfügung (die MAZ berichtete). Damit konnte die Orgel pünktlich zum 200. Geburtstag der Kirche ihr zweites Leben beginnen.

Zu dem besonderen Gottesdienst am Sonntag kamen viele am Projekt Beteiligte oder Sympathisanten des Fördervereins für die Kirche, darunter die Landtagsabgeordnete Ina Muhß (SPD), die sich für die Bereitstellung der Lottomittel eingesetzt hat; die Architekten Bärbel und Gerald Kannenberg aus Wittstock, die die Sanierungsarbeiten an der Kirche seit 2004 begleiten; Holger Kippenhahn, Bürgermeister der Gemeinde Heiligengrabe, Dorothea Stüben, Kulturamtsleiterin der Stadt Wittstock; die Kirchenältesten, mehrere Vertreter aus Wernikow sowie vom Gadower Förderverein für die dortige Kirche, Orgelbauer Andreas Arnold sowie Jaqueline Türk und Marina Hecklau vom Ortsbeirat Zaatzke oder auch Historiker Wolfgang Dost aus Wittstock.

Kantor Uwe Metlitzky spielte die „Königin von Glienicke“, wie das altehrwürdige Instrument am Sonntag auch bezeichnet wurde. „Die Orgel spielt das Lied vom Leben, aber nicht reißerisch. Sie meidet akustische Schlammschlachten und singt uns die göttliche Melodie ins Herz“, sagte er unter anderem und dankte dafür, dass sich so viele Menschen für die Restaurierung der Orgel eingesetzt hatten.

Als ganz besonderen Gast begrüßte Ingrid Blüschke vom Förderverein für die Glienicker Kirche die in Frankreich lebende Kunsthistorikerin Ute Kegel. Sie hat in aufwendiger Recherchearbeit zweifelsfrei nachgewiesen, dass die achteckige Kirche tatsächlich von dem berühmten preußischen Baumeister Karl-Friedrich Schinkel entworfen wurde. „Die Kirche wurde immer mit Schinkel in Verbindung gebracht, der Entwurf ist ihm bislang jedoch nicht eindeutig zugeschrieben worden“, schreibt sie in „Architectura“, einer Zeitschrift für Geschichte und Baukunst. Den Beweis führte sie dabei unter anderem anhand von Vergleichen mit anderen Bauten, die nie als Werk Schinkels in Zweifel gezogen wurden – wie etwa die ebenfalls achteckige Kirche in Bischmisheim (Saarland). An beiden Orten habe es zunächst Pläne gegeben, die jeweils einen üblichen Rechteckbau mit Glockenturm vorsahen. Die damalige Oberbaudeputation hatten jedoch beide abgelehnt und stattdessen Gegenentwürfe zurückgeschickt – eben jene Achteckbauten. Vor Ort sei man von diesen Vorschlägen zwar nicht begeistert gewesen, habe sie aber „notgedrungen akzeptiert“, weil man fürchtete, die Gelder für den Bau der Kirche nicht bewilligt zu bekommen, wenn man auf der ablehnenden Haltung bestehen würde.

Kantor Uwe Metlitzky an der restaurierten Lütkemüller-Orgel

Kantor Uwe Metlitzky an der restaurierten Lütkemüller-Orgel.

Quelle: Björn Wagener

Die Gründe, weshalb Achteckbauten bevorzugt wurden, seien „vielschichtig“, schreibt Ute Kegel. Einerseits häten Achteckbauten eine lange Tradition, andererseits habe gerade die protestantische Kirche in Zentralräumen das Ideal einer Predigtkirche besser verwirklicht gesehen als in einem Längsbau, recherchierte die Kunsthistorikerin, die zudem auch Schriftvergleiche Schinkels aus Bauplänen für die Beweisführung heranzog.

Vor allem aber ist Ute Kegel froh darüber, dass die kleine Kirche in Glienicke 2008 ihre ursprüngliche Turmspitze wieder zurückbekam. „Ach, ist das nicht einfach schön?“, sagt sie, während sie begeistert den Blick nach oben schweifen lässt. Mit der restaurierten Orgel ist das Gotteshaus nun um ein weiteres Detail reicher.

„Wir hoffen, dass die Orgel nun möglichst oft erklingen wird. Absprachen dazu werden demnächst mit Kantor Metlitzky geführt“, kündigte Ingrid Blüschke an, bevor sie die Gäste am Sonntag zur Kaffeetafel lud.

Von Björn Wagener

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