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Die Kyritzer Spielzeug-Werkstatt

In der Gab entsteht therapeutisches Spielzeug für Behinderte Die Kyritzer Spielzeug-Werkstatt

In der Arbeitsgesellschaft Gab in Kyritz stellen Ein-Euro-Jobber therapeutisches Spielezeug für Kinder mit Behinderungen her. Für diesen Job auf Zeit ist längst nicht jeder geeignet. Die kreativen Frauen in der Gab sind stolz auf das, was sie mit eigenen Händen erschaffen und staunen über neu entdeckte Talente.

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Bärbel Müller (l.) und Ines Texter mit von ihnen hergestellten Memory.

Quelle: André Reichel

Kyritz. Die Zweigstelle der Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung(Gab) in Kyritz gegenüber vom Bahnhof ist für viele sozial Benachteiligte und Bedürftige eine unverzichtbare Anlaufstelle. Dort bekommen sie Rat in behördlichen Angelegenheiten und können für wenig Geld Kleidung, Möbel, Lebensmittel und vieles andere mehr bekommen. Was kaum einer weiß: Bei der Gab in Kyritz werden in einer kleinen Werkstatt therapeutische Lernhilfen und Spielzeug für Kinder mit verschiedenen geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen hergestellt.

Morgens um 8 Uhr fängt für eine Hand voll Ein-Euro-Jobberinnen in der Werkstatt der Gab die Arbeit an. Eine halbe Stunde früher sind die meisten von ihnen schon da. Der Tag verspricht wieder heiß zu werden, daher öffnen die Frauen erst einmal alle Fenster. Kühle Morgenluft verteilt sich im Raum. Bald schon vermischt sich diese mit dem Duft von frisch gebrühtem Kaffee. Der Blick aus dem Fenster reicht über das weitläufige Bahnhofsgelände hinweg. Angeregt erzählen die Frauen über all die Dinge, die sie gerade besonders bewegt. Dabei geht es auch um ganz persönliches. „Man kennt sich schließlich und im Laufe der Zeit sind wir zu hier zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammengewachsen“, sagte Ines Texter. Dass dies nicht so dahingesagt ist kann man ohne weiteres glauben. Die Atmosphäre ist entspannt und herzlich. Noch während Ines Texter mit ihren Kolleginnen den ersten Kaffee genießt, besprechen sie auch schon ihre geplanten Vorhaben des Tages.

Dann ist es auch schon 8 Uhr, und wie angekündigt betritt Brigitte Liebetrau den Raum. Die 63-jährige leitet die Gab-Zweigstelle in Wittstock und bereut zugleich auch das Werkstattprojekt in Kyritz, in dem das therapeutische Spielzeug hergestellt wird. Einmal pro Woche kommt Brigitte Liebertrau nach Kyritz. Die Mitarbeiterinnen aus der Werkstatt freuen sich schon auf das Gespräch mit „ihrer Chefin“, wie sie sie mit liebevollem Respekt nennen. Dabei geht es nicht nur um neue Ideen und Zeit für persönliche Anliegen bleibt auch heute noch. Dass der Laden gut läuft, weiß Brigitte Liebetrau genau. „Alle Teilnehmer sind mit Bedacht ausgesucht, denn hierfür ist längst nicht jeder geeignet“, sagte die Projektleiterin. Wer eine künstlerische Ader hat, ist hierbei klar im Vorteil und sein Können ganz besonders gefragt. Kleine Kunstwerke sind es durchaus, die die Frauen aus der Gab-Werkstatt mit eigenen Händen schaffen. Stolz präsentieren sie Brigitte Liebetrau die in den vergangenen Tagen fertiggestellten, mit bunten Motiven liebevoll bemalten Memory-Spiele aus Holz. „Keines sieht aus wie das andere. Das hier ist echte Handarbeit“, berichtet Ines Texter. Die 37-jährige Kyritzerin hat ein Händchen für das besonders Filigrane. Ihre Meinung ist oft gefragt, wenn es um neue Motive geht. Fast zwei Jahre arbeitet Ines Texter schon bei der Gab. In der Zeit konnte sie ihr Talent entwickeln: „Dass ich so gut zeichnen kann, habe ich vorher gar nicht gewusst.“

Wie viel Arbeit in einem Legespiel steckt, ahnte anfangs keine der Frauen. Alles beginnt mit der Motivauswahl. Die kleinen Brettchen müssen zunächst millimetergenau zurecht geschliffen werden, die dann grundiert, mit kindgerechten Motiven bemalt und schließlich lackiert werden. Die verwendeten Farben und Lacke sind alle speziell für Kinderspielzeug geeignet, versichert Brigitte Liebetrau. Es kann bis zu vier Wochen dauern, bis solch ein Spiel fertig ist, erzählen die Frauen. „Am meisten halten uns die Trocknungsphasen beim Bemalen und Lackieren auf“, sagt Ines Texter. Untätig sind die Frauen in der Zwischenzeit nicht. Davon zeugen bunt bemalte Messleisten, die in solchen Zwangspausen entstanden und für einen Kindergarten in der Region gedacht sind. Auch Kinderstühle werden am laufenden Band mit schönen Motiven bemalt. Inessa Schmock arbeitet gerade an einem Stuhl, den eine Kita bestellt hat. Geburtstagskinder werden später darauf an ihrem Ehrentag Platz nehmen. „Das ist aber eine Ausnahme, denn hauptsächlich stellen wir ja therapeutisches Spielzeug her“, sagt die aus Estland stammende Innesa Schmock. Auf die ebenfalls frisch fertig gewordenen Fühlkästen, Stecktürme, Legespiele, Puzzle können sich schon bald auch die Kinder aus der Kyritzer Integrationskita „Hundert Sterne“ freuen, sagen die Frauen. Damit können die Sinne und motorische Fähigkeiten gestärkt, Farben und Formen spielerisch erlernt werden.

Dass ihnen so schnell die Ideen für Neues ausgehen, glauben die kreativen Frauen aus der Gab-Werkstatt nicht. Morgen ist ein weiterer Tag, an dem sie wieder kreativ sein können für einen guten Zweck.

Von André Reichel

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