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Die „Lesbischwule Tour“ rollt durch die Region

Kyritz Die „Lesbischwule Tour“ rollt durch die Region

Vom 4. bis zum 8. September führt die „Lesbischwule Tour“ durch den Nordwesten Brandenburgs. Wo laut der Organisatoren letztes Mal noch Zurückhaltung zu spüren war, hat sich heute indes ein volles Programm ergeben. In fast jeder größeren Stadt ist etwas zum Thema vorbereitet.

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2009 war Kyritz eine Station der „Lesbischwulen Tour“. Damals beteiligten sie sich am dortigen Lauf für Frieden uns Toleranz.

Quelle: Archivbild Privat

Kyritz. Nach gut acht Jahren Pause rollt demnächst wieder ein bunter Kleinbus durch den Nordwesten Brandenburgs. Auf dem Wagen steht „Ich liebe mein Geschlecht“ geschrieben. Klar: Es ist die „Lesbischwule Tour“, die über ein Dutzend Mitreisende des Potsdamer Vereins „Andersartig“ und nunmehr auch des Jugendnetzwerkes „Lambda“ sowie anderer Gruppen jedes Jahr in andere Regionen des Landes führt und das Motto verbreitet: „Brandenburg bleibt bunt!“

Lars Bergmann vom Landesverband kann sich an die vergangene Tour durch die Prignitz und Ostprignitz-Ruppin gut erinnern. „Ja, das lief damals ziemlich zäh“, sagt der Tour-Organisator und meint damit, dass es nicht einfach gewesen sei, Veranstaltungsorte zu finden: „Richtig positiv überrascht hat es mich deshalb dieses Mal, wie viele sich offensichtlich auf uns freuen.“ Man sei hinsichtlich der Veranstaltungsorte „regelrecht überrannt“ worden. Gerade erst habe sich auch noch jemand von der Gedenkstätte Belower Wald gemeldet. „Dort werden wir hinfahren. Das lässt sich irgendwie organisieren. Dann ist das Programm aber wirklich voll.“

Vom Quartier in Meyenburg aus geht es durch den Nordwesten

Die Tour startet in der Landeshauptstadt Potsdam am Sonnabend, 2. September, um 12 Uhr auf dem Luisenplatz mit der Auftaktkundgebung. Sie führt dann von Neuruppin (4. September) weiter nach Wittstock (5. September), Rheinsberg (6. September), Perleberg (7. September) und findet ihren Abschluss am 8. September in Pritzwalk. Überall ist man mit einem Infostand präsent. Traditionell soll die Regenbogenflagge auf dem jeweiligen Rathaus gehisst werden.

Ihr Quartier haben die etwa 16 bis 40 Jahre alten Aktivisten, wie sie sich nennen, in Meyenburg. Dort, aber auch noch in weiteren Orten stehen zusätzliche Programmpunkte an. So gehören einige geschulte Experten zum Team, die sogenannte Coming-Out-Beratungen anbieten, und zwar in Wittstock, Kyritz, Wittenberge und Neuruppin. „Es wird dabei immer alles Mögliche gefragt. Der Klassiker aber ist: Wie sage ich es meinen Eltern?“ Ältere indes interessieren sich oft für Fragen rund ums „Kinderkriegen“. Und auch Männer, die verheiratet waren und erst spät ihre Homosexualität ausleben, seien nicht selten.

Bei der Awo in Kyritz ist man schon jetzt vom Beratungsangebot begeistert. „Der Bedarf ist auf jeden Fall vorhanden“, sagt Karin Diehr. Und Lars Bergmann ergänzt: „Eine lokale Anlaufstelle, um die eigenen Sorgen und Fragen zu besprechen, wäre gerade in ländlicheren Regionen eine immense Errungenschaft, ist allerdings nur selten vorhanden.“ Angesprochen sind auch Freunde oder Verwandte von betroffenen Menschen, die Fragen haben oder auf Probleme gestoßen sind. Gemeint sind dabei Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und Intersexuelle und komplett dazwischen stehende Menschen, wofür sich in letzter Zeit der Begriff Queer durchsetzt. Zwei weitere wichtige Aktionen innerhalb der Tour-Woche nennen sich daher auch „Queergelesen“ und „Queergesehen“.

Die Lesungen werden in Kyritz, Bad Wilsnack, Wittstock und Meyenburg angeboten. Es sind eigene Texte oder Gedichte der Tour-Teilnehmer, die aus ihren Lebenserfahrungen heraus entstanden. „Das ermöglicht den Zuhörern Aha-Effekte und lässt danach ins Gespräch gehen“, erklärt Bergmann. Und hinter „Queergesehen“ verbirgt sich eine Doku-Vorführung am 5. September ab 17 Uhr im Kino Astoria in Wittstock. Titel: „Brandenburg bleibt bunt! – 15 Jahre Lesbischwule Tour.“ Auch eine Podiumsdiskussion zum Thema ist vorgesehen. Sie beginnt am 7. September um 18 Uhr im Freizeitzentrum Perleberg.

Von Matthias Anke

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