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Die Lügen gehen weiter

Wusterhausen Die Lügen gehen weiter

Das „Sonnendeck der Titanic“, „Van Goghs abgeschnittenes Ohr“ und „Willi Brandts Geburtszimmer“ – das alles gab es einst im „Lügenmuseum Gantikow zu sehen. Und Fontanes angebliche Wanderschuhe waren dort ausgestellt. Der Betreiber des Museums, der vor sieben Jahren ins Sächsische abwanderte, könnte im Fontanejahr für eine Schau zurückkehren.

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Reinhard Zabka, hier noch als Direktor des Lügenmuseums Gantikow. Um Kyritz kannte man ihn auch als Richard von Gigantikow.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Wusterhausen. Aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn: Kann sein, dass es mit dem Aktionskünstler Reinhard Zabka, der bis 2010 in der Region wirkte, hier ein Wiedersehen gibt. Katharina Zimmermann, Leiterin des Wusterhausener Wegemuseums, stellte es in Aussicht, als sie den Mitgliedern des Ausschusses für Wirtschaft und Tourismus jüngst Pläne für kommende Ausstellungen und Aktionen erläuterte.

Sie kam auch auf Theodor Fontane zu sprechen. Dessen 200. Geburtstag wird 2019 begangen. Geplant ist aus diesem Anlass die Ausstellung „Wanderschuh und Selfie – Fontane durch die Brille der Kunst gesehen“. Angefragt wurden Künstler und Reisende, die dann die Wegstrecken des dichtenden Märkers durch das Gebiet der heutigen Großgemeinde Wusterhausen nachvollziehen sollen. Reinhard Zabka ist für eine Installation willkommen. Schließlich war er es, der in seinem Lügenmuseum – zuerst in Babe, später im Gutshaus Gantikow - hinter Glas „Fontanes Wanderschuh“ als Kunstobjekt präsentierte, unweit solcher Exponate wie „Sonnendeck der Titanic“ und „Van Goghs abgeschnittenes Ohr“. Nicht zu vergessen „Willi Brandts Geburtszimmer“.

Willi Brandts Geburtszimmer

Die Planung für die Fontane-Schau geht von 12 bis 15 Objekten aus. Zabkas „Gesamtkunstwerk Lügenmuseum“ polarisierte die Betrachter, seit sie es erstmals begutachten konnten. Das war 1990. Während sich die einen vielsagend an die Stirn tippten, fanden andere den tieferen Sinn, jedenfalls fühlten sie sich unterhalten – vielleicht auf eine etwas andere Art. Aber auch das schien den Reiz auszumachen.

„Kunst oder nicht Kunst“ war ja eigentlich auch nie wirklich die Frage. Schließlich durfte jede Antwort als richtig gelten. Sie lag im Auge des Betrachters. Gut gelogen, verschachtelt, versteckt war schließlich immer noch besser, als wenn Museumsdirektor Reinhard Zabka gar nichts eingefallen wäre.

Wer seine Botschaften nicht verstand, konnte wenigstens Bastelgeschick würdigen. Der Mann, der die „Lüge im Dienste der Wahrheit“ pries, hatte Geleimtes, Geschraubtes, Montiertes, Klingendes, immer Buntes geschaffen. Mobiles surrten und sangen, rotierten und ratterten.

Erst in Babe, dann in Gantikow, nun in Radebeul

In Babe, einem Dörfchen bei Roddahn, diente eine windschiefe Kate als erstes Domizil für das, was Reinhard Zabka, mittlerweile 67 Jahre alt, heute als sein Lebenswerk bezeichnet. Das zog auch mal um. Es wurde von 2004 bis 2011 im alten Gantikower Gutshaus ausgestellt, dann zwischengelagert, bevor Reinhard Zabka in Radebeul seine Zelte aufschlug.

Es bekam dort nicht weniger Aufmerksamkeit. Vielleicht sogar mehr, denn im Sächsischen scheint er im wahrsten Sinne des Wortes angekommen zu sein. Seit dem 9. September 2012 ist das Lügenmuseum als vorläufige Installation im Gasthof Serkowitz zu betrachten. Hierhin ist der gebürtige Erfurter ausgewandert. „Die Wanderschaft wohnt auch den Kunstwerken selbst inne: Oftmals sind es mobile Objekte, auch Reiseattribute wie Koffer, Wanderapotheken oder Wanderschuhe. Sie erzählen Geschichten von glücklichen Überfahrten oder Schiffbrüchen, wie Märchenerzähler unserer Lebensreise.“

Susanne Köstering, die Geschäftsführerin des Museumsverbandes Brandenburg, sagte diese Worte im September des vergangenen Jahres in einer Laudatio. Sie galt Reinhard Zabka, als er mit dem Radebeuler Kunstpreis ausgezeichnet wurde.

Von Wolfgang Hörmann

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