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Ostprignitz-Ruppin Die Macht der Mystik in Lindow
Lokales Ostprignitz-Ruppin Die Macht der Mystik in Lindow
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00:26 31.12.2015
Die acht Sänger in der Lindower Kirche. Quelle: Regine Buddeke
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Lindow

Die Kirche liegt im schummerigen Dunkel, der Altar strahlt in grellem Pink. Die hohe Tanne versprüht noch einen Hauch der zurückliegenden Festtage und acht Mönche, die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen, schreiten ein. Man fühlt sich in Ecos „Der Name der Rose“ hineinversetzt. In ihren braunen Kutten, mit Stricken gebunden, die Hände gefaltet: Scheinbar in tiefster Andacht reihen sie sich im Halbrund, nehmen die Kapuzen ab und lassen ein Licht aufgehen – das an ihren Notenpulten. Die „Gregorian voices“ wissen um die Macht der Mystik – und nutzen sie.

Weit mehr als 250 Gäste quetschen sich am Sonntagabend in die Lindower Kirche, um den Grenzgängern zwischen Gregorianik und Pop zu lauschen. Etliche haben die Karten zu Weihnachten bekommen, sagt Kantorin Karin Baum, auf deren Tisch die Anfrage der Agentur der acht bulgarischen Sänger landete. „Ich bin erstaunt, woher die Gäste kommen“, sagt sie. „Manche haben mehr als 100 Kilometer auf sich genommen.“

Papst Gregor I. verhalf dem Gesang zu neuem Glanz

Die acht Mönche beginnen mit dem liturgisch-sakralen Teil. Die Gregorianik schreibt einstimmigen, unbegleiteten Gesang vor, er ist praktisch das gesungene Wort Gottes – und wesentlicher Bestandteil der liturgischen Handlung. Schon Textstellen des Neuen Testaments besagen, dass Christus mit seinen Jüngern beim Abendmahl Lobgesänge sang. Papst Gregor I. verhalf diesen Gesängen zu neuem Glanz. Während seiner Amtszeit im 6. Jahrhundert wurde in Rom die Schola cantorum gegründet, die für die Pflege und Weiterentwicklung der liturgischen Gesänge und des Repertoires von großer Bedeutung war.

Ein Ton wird angestimmt, aufgenommen von den Sängern, die in drei Stimmlagen den Klangteppich weben. Die Bässe singen kraftvoll auf einen Ton, bringen Tiefe und Raum, während die Tenöre minimale Melodien aus den Kehlen strömen lassen: langsam, machtvoll, feierlich – und immer geheimnisvoll. Am Ende ein vielstimmiges „Amen“, schweigende Verneigung. Geredet wird nicht, der Text ist Gesang. Ein Dialog zwischen Bass und Chor entspinnt sich, ein Raunen geht durchs Publikum, das in Andacht versunken ist. Viele haben die Augen geschlossen und lassen sich vom Zauber der Gesänge fortreißen. Auch wenn es moderner wird – mit „Ameno“, einem der bekanntesten Stücke des Musikprojekts Era. Mit diesem Stück wird der Zuschauer in die Pause geschickt. Mit einem „The night, where Christ is born“ öffnen sich die Sänger dem Weihnachtsschlager, gefolgt von Perlen des Pop: „Hallelujah“, Bob Dylans „Knocking on heavens door“ oder John Lennons „Imagine“ – nach dem Schlusston sieht man überall selige Gesichter im Saal. Das Publikum applaudiert stehend. Dann gehen sie, wie sie gekommen sind, schweigend und geheimnisvoll. Draußen signieren sie CDs.

Von Regine Buddeke

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