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Ostprignitz-Ruppin Die Nacht der Nächte in der Prignitz
Lokales Ostprignitz-Ruppin Die Nacht der Nächte in der Prignitz
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00:17 27.06.2016
In Perleberg lernt die kleine Dott den Roland und die Knaggenfiguen kennen. Quelle: Kerstin Beck
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Mellen

„Es war einmal ein kleines Mädchen, das hieß Dorothea. Sie war zwölf Jahre alt und ... weil sie aber so klein und zierlich war, wurde sie im ganzen Dorfe nur Dott genannt. Ihre Eltern besaßen ein Bauerngütchen nahe am Ufer das Rambower Sees, im Westen der Prignitz.“

Mit diesen Worten beginnt der erste, 1938 erschienene Teil der Trilogie „Wunderbare Fahrten und Abenteuer der kleinen Dott“. Die Handlung beginnt am Abend des 23. Juni, dem Vorabend zur Johannisnacht.

Und auch darüber weiß die Verfasserin Erstaunliches zu erzählen: „Alle, die sich zusammentun, um die Nacht der Sonnenwende am Johannisfeuer zu verbringen, müssen von vornherein darauf gefasst sein, dass ihnen ungewöhnliche Erlebnisse begegnen können. Aber die Verwirrung dieser Nacht wird noch lange in der ganzen Umgebung des Rambower Sees besprochen werden.“

Das Kind, die Älteste von drei Geschwistern, sollte jedoch auf das kranke „Mummele“ aufpassen, während alle anderen zum Johannisfeuer gingen. Und da heißt es weiter: „Nun mußt du aber wissen, daß die Johannisfeuer erst kurz vor Mitternacht entfacht werden sollen. Um die Kleinen aber nicht der feuchten Nachtluft auszusetzen, wird am Rambower See das Feuer schon entzündet, wenn die Sonne gerade hinter den Opfersteinen von Mellen verschwunden ist. Denn bald danach steigt der Nebelgeist aus dem sumpfigen Untergrund.“

Natürlich hielt es das Mädchen nicht zu Hause; heimlich wollte sie das Geschehen beobachten: „Da sah sie, wie am Ende der Dorfstraße über den Hügeln die Flammen zum Himmel schlugen ... als sie endlich die Kuppe des Hügels erreichte, hatte sich die ganze Dorfgemeinde in einem engen Ring neben dem Feuer zusammengestellt. Sie standen Schulter an Schulter gedrängt und blickten aufmerksam in die Mitte des Kreises.“

Natürlich wollte Dott nun das „Wunder der Johannisnacht“ schauen und drängte sich durch die Umstehenden durch. Und was sah sie? –„Einen Knaben, der mit einem kleinen Kind im Arme dastand – und dieser Knabe war ihr Bruder Gerd, der in seinen Armen das Mummele hielt.“

„Jetzt hast du das Wunder der Johannisnacht erlebt“, sagte Dott dann zu sich, „aber es sieht anders aus, als du dir dachtest!“

Doch das war nur der Anfang. Beim Laufen über die Wiese war der Kleinen die Blüte der „Rennefarre“, der die Verfasserin insbesondere in dieser Nacht besondere Kräfte zuschreibt, in den Schuh gerutscht. Bald muss sie feststellen, dass sie von „normalen“ Menschen nicht mehr wahrgenommen werden kann, dafür aber von längst verstorbenen und von hellsichtigen Personen. Außerdem kann das verzauberte Mädchen fortan die Sprache der Vögel und Tiere verstehen und sich mit den Toten unterhalten.

Um ihre Schuld des Ungehorsams der Eltern gegenüber zu tilgen, gelangt die Kleine mit Hilfe des Fischreihers Gurian zunächst durch die gesamte Prignitz, um Gutes zu tun. Hier lernt sie „die grüne Insel“ kennen – womit die Lenzer Wische gemeint ist – und die Drei-Mondhörner-Stadt Lenzen. Dott erlebt des „Admirals“ Wanderung über den Deich und die Festgelage des Generalfeldmarschalls auf der Burg wie auch die grausige Schlacht von 929. In Perleberg trifft Dott mit dem Roland sowie den Knaggenfiguren vom Gebäude Großer Markt 4 zusammen und auf der Plattenburg mit einem wunderlichen Männeken.

Doch die Reise geht weiter, quer durch die alte Mark Brandenburg und quer durch deren mehr als 1000jährige Geschichte. Und ob es dem Mädchen gelingt, wieder nach Hause zu kommen und ihren Angehörigen wieder sichtbar zu werden, ist ein Geheimnis, welches erst am Ende des dritten Bandes gelüftet wird.

Der 1895 bei Kiew geborenen und 1985 in Mühlacker gestorbene Verfasserin, die in diesem Buch nicht nur die damals zeitgenössischen historischen Fakten verarbeitete, sondern auch darin engagiert den Naturschutzgedanken aufgriff, hat sich letztlich bei der „wundertätigen Johannisblüte“ geirrt. Denn als zauberkräftig gilt - im Gegensatz zum erst später zur Blüte kommenden Rainfarn (Tanacetum vulgare) - das Johanniskraut (Hypericum perforatum), dessen Name allein schon darauf hinweist, dass es blüht, wenn die Sonne am höchsten am Firmament steht. Die mittelalterliche Bezeichnung „Hexenkraut“ lässt auf magische Verwendung schließen – und natürlich insbesondere zur Zeit der Sommersonnenwende.

Und in der Nähe des Mellener „Hünengrabes“, wo die „kleine Dott“ einst verzaubert wurde, ist auch kein Rainfarn zu finden, sondern in fünf Metern Abstand der nördlichen Ecke ein kleines Rudel Johanniskraut.

Von Kerstin Beck

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