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Die Nadel im Arm

Kyritz Die Nadel im Arm

Andrang bei den Auftritten des Blutspendedienstes hält sich in Kyritz in Grenzen. Die Stadt steht damit nicht alleine da. Überall sinken die Spenderzahlen seit Jahren. Dabei werden Blutkonserven nach wie vor dringend gebraucht.

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Ob mit oder ohne Stromversorgung: Die Mitarbeiter des Blutspendedienstes versehen ihre Arbeit routiniert.

Quelle: Alexander Beckmann

Kyritz. Vielleicht stehen an diesem Mittwochnachmittag ein paar Autos mehr als sonst vor dem Senioren-Wohnpark im Kyritzer Eichenweg. Viele sind es aber bestimmt nicht.

Zweimal im Jahr bekommt die Pflegeeinrichtung Besuch vom DRK-Blutspendedienst. Der nutzt einige der Räume für eine Spendenaktion. Diesmal bin ich dabei.

Zu behaupten, dass die Hand voll DRK-Mitarbeiter am Mittwoch Stress haben, wäre übertrieben. Warteschlangen sind weit und breit nicht in Sicht. Man geht rein, meldet sich an und kommt sofort dran. Die persönlichen Daten werden erfasst. Zwei Seiten Fragebogen sind auszufüllen: Erkrankungen, Auslandsaufenthalte, eventuelle Drogenerfahrungen und andere Dinge, die Einfluss aufs Blut haben könnten. Dann geht’s auch schon zum kleinen Pieks für die Bestimmung des Hämoglobinwerts: Schließlich soll mich der halbe Liter Blutverlust nicht gleich auf die Bretter hauen. Nicht mal für die anschließende kurze ärztliche Untersuchung muss ich warten.

Über Jahre versäumt

Von meinem letzten Besuch habe ich das noch anders in Erinnerung. Da musste man richtig Zeit mitbringen. Es konnte schon mal eine Stunde kosten, um überhaupt an die Reihe zu kommen. Dabei waren die Spenderfragebögen damals deutlich kürzer.

Zumindest das weiß ich noch genau, muss aber zugeben, dass es schon ein paar Jahre her ist. Irgendwie habe ich das mit dem Blutspenden zwischendurch aus den Augen verloren. Damit befinde ich mich offenbar in Gesellschaft – wenn auch nicht unbedingt in guter.

„Die Spenderzahlen sind in den letzten Jahren zurückgegangen – nicht nur in Kyritz“, sagt Katja Thiemann, die das Blutspendeteam leitet. Vielleicht liege das ja am demografischen Wandel.

Klar, der Anteil älterer Menschen in der Region wächst. Aber dass jetzt kaum noch jemand unter 65 ist, kann ich mir nicht vorstellen. Bis zu dem Alter ist das Blutspenden in der Regel nämlich möglich – wenn nicht Erkrankungen dagegen sprechen.

Die gute Tat des Tages

Und Blutkonserven retten nun mal Leben. Keine Frage. „Die Nadel im Arm ist heute meine gute Tat“, sage ich mir, als ich mich auf die Spenderliege lege.

Dann geht das Licht aus. Stromausfall. Die Notbeleuchtung des Seniorenwohnparks funzelt mühsam gegen die heraufziehende Dämmerung an.

Die Frau mit der Kanüle beruhigt mich: „So eine Vene zu finden, ist sowieso mehr eine Sache des Tastsinns.“ Stimmt: Wenige Sekunden später läuft mein Blut stetig durch einen Schlauch von der Armbeuge in einen Plastikbeutel. Eine Waage zählt jeden Milliliter mit. Dank Akku funktioniert sie auch ohne Strom aus dem Netz.

Überhaupt nehmen die DRK-Leute den Stromausfall bemerkenswert gelassen hin. Ihre Computer mit Spenderdaten, Strichcodelesern und Netzzugang laufen nicht mehr. Doch praktisch übergangslos schalten sie auf Handarbeit um. Früher ging es schließlich auch so. Und viele von ihnen sind schon seit Jahrzehnten im Einsatz.

Jahrzehntelange Praxis

Mein Einsatz endet nach etwa eine Viertelstunde. Der Beutel ist voll. Ich horche in mich hinein: Fühle ich mich schwummrig? Ist mir schwindelig? Nichts. Nur die paar Wicklungen Verbandsstoff um die Armbeuge drücken ein bisschen.

Dafür darf ich jetzt meine Essensmarke einlösen. Der Spenderimbiss nach geleisteter Hilfe hat Tradition. Im Senioren-Wohnpark kann er sich wirklich sehen lassen. Küchenleiter Tobias Hörster zaubert Besuchern offenbar gern etwas vor – zumal jetzt auch der Strom wieder da ist. Die Nudelpfanne brutzelt vor sich hin, auf dem Büffet drängen sich belegte Brötchen, Rindfleischröllchen, Salate, Obst. Kaffee und Saft stehen zur Auswahl. Trinken ist wichtig. Das bekommt man beim Blutspenden jedes Mal zu hören.

Der Senioren-Wohnpark erhält vom DRK einen gewissen Bewirtungszuschuss, erfahre ich. Aber er selbst legt wohl noch einen ordentlichen Bonus obendrauf. „Hier ist immer alles spitzenmäßig vorbereitet“, sagt DRK-Teamleiterin Katja Thiemann. Sie muss sich auskennen. Den Spendern schmeckt es jedenfalls. Mir auch. Aber ich schaffe es nicht, von allem zu probieren.

Als ich später erfahre, dass an jenem Mittwochnachmittag trotz all des Aufwandes nur 22 Spender gezählt wurden, ärgere ich mich ein bisschen. Da hätte ich ja doch noch viel mehr essen können.

Nächster Blutspendetermin in Kyritz ist Montag, der 3. April – dann von 15 bis 18.30 Uhr im Mehrgenerationenhaus in der Perleberger Straße. Mehr Informationen und Termine unter www.blutspende-nordost.de.

Von Alexander Beckmann

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