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Die Natur bereitet sich auf den Winter vor

Gebietsbetreuer rund um Kyritz Die Natur bereitet sich auf den Winter vor

Auf die Naturschutzgebiete haben Betreuer im Auftrag des Naturschutzbunds ein Auge. Sie sehen derzeit viele Kraniche und Gänse – aber auch so manches Problem: Bei Wusterhausen wird immer wieder Müll entdeckt, und für das Kyritzer „Königsfließ“ fehlt jetzt sogar ein Betreuer, der Umweltfrevel aufdecken könnte.

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Das Luch ist bekannt als Rastplatz für besonders viele Kraniche. Aber auch Gänse lassen sich zuhauf blicken.

Quelle: Matthias Anke

Wusterhausen. Die Natur hat auf Durchzug geschaltet. Aus dem Rhinluch und Kremmener Luch überschlagen sich die Zahlen: Waren es nach Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) kürzlich noch 40 000 Kraniche, die dort vor ihrem Weiterflug nach Süden Futterplätze aufsuchen, will Lothar Schnick schon von 76 000 gehört haben. Schnick hat „sein“ Naturschutzgebiet (NSG) weiter nordwestlich davon entfernt. Der 60-Jährige ist ehrenamtlicher Betreuer für das NSG „Bärenbusch“ zwischen Wusterhausen und Neustadt. Soeben ziehen Graugänse kreischend auch über Schnicks Kopf hinweg, wie sie in diesen Wochen die Menschen über die gesamte Region fliegen sehen können. „Nach Formation sieht das aber nicht mehr aus. Die werden also bald landen“, weiß der Nabu-Mann.

Herbstlicher Nebel auf der Dosse, die entlang des Naturschutzgebiets „Bärenbusch“ fließt.

Schließlich erstreckt sich irgendwo hinter den Bäumen am Horizont in dieser Richtung das Westhavelland mit dem Gülper See. Die Gegend gilt für Gänse im Herbst und im Winter als eine Art Hauptbahnhof. Mehr als 100 000 von ihnen machen dort Zwischenstation. Kürzlich waren es laut der Naturparkverwaltung Westhavelland 40 000 Gänse und 7000 Kraniche, die sich für ihren Weiterflug in die Winterquartiere stärkten.

Das Luch ist bekannt als Rastplatz für besonders viele Kraniche

Das Luch ist bekannt als Rastplatz für besonders viele Kraniche. Aber auch Gänse lassen sich zuhauf blicken.

Quelle: Peter Geisler

Wie viele Vögel es in diesem Herbst noch werden, könne man nicht vorhersagen. Zu viele jedoch sind es offensichtlich schon jetzt für einige Landwirte. Sie schützen ihre Wintersaat, indem sie Gaskanonen aufstellen. Mit einer Zeituhr versehen, lösen sie alle 30 Minuten einen Knall aus.

In einem ausgewiesenen Naturschutzgebiet wie dem Bärenbusch wäre das undenkbar. Doch selbst in Schnicks Ruhezone ist die Welt nicht völlig heil. Hauptproblem ist illegal entsorgter Müll. Er wird in einer Gemeinschaftsaktion im Frühjahr gesammelt, erklärt Schnick und zeigt auf einen am Wegesrand liegenden Kühlschrank. Und natürlich lassen auch Pilzsammler, Jogger, Radfahrer und Spaziergänge die Natur nicht ungestört. Weitaus problematischer jedoch sei der vom Verkehrslandeplatz Kyritz-Heinrichsfelde ausgehende Flugbetrieb. Der habe in den vergangenen Jahren zugenommen und den Schwarzstorch schon vergrault.

Lothar Schnick unterwegs in „seinem“ Naturschutzgebiet

Lothar Schnick unterwegs in „seinem“ Naturschutzgebiet.

Quelle: Anke

Dafür gibt es neue Gäste auch in diesem Gebiet: Waschbären. Sie haben vor längerer Zeit allerdings eine ganze Graureiherkolonie vertrieben, indem sie die Nester plünderten.

Ein Stückchen weiter ist die Welt dann doch ein Stückchen heiler, und zwar dank der Naturschützer, die in diesem Fall Jäger sind: Es ist ein Wildacker, den die Jagdpächtergemeinschaft seit nunmehr zwei Jahrzehnten anlegt. Gelten Kranichrastplätze dank untergepflügtem oder sogar noch stehendem Mais schon als Silbertabletts, dann ist dies nun ein Schlaraffenland. Neben Mais, Sonnenblumen, Phacelia und selbst Pfefferminze wachsen schließlich auch Topinamburpflanzen dort, besser bekannt als Wildkartoffel. „Ja, sogar die Pfefferminze wird gerne vom Wild geäst“, weiß Schnick, für den Jagd und Naturschutz zusammengehören. Brandenburgs Landesjagdverband sei nicht umsonst ein anerkannter Naturschutzverband. Dass Jäger als Schutzgebietsbetreuer tätig sind, ist dennoch nicht die Regel.

Berichte rund um Flora, Fauna und Witterung

Betreuer gibt es von Rheinsberg bis über die Flächen der Sielmann-Stiftung in der Kyritz-Ruppiner Heide hinaus rüber zur Elbe, wo mit dem Biosphärenreservat das größte Schutzgebiet weit und breit vorhanden ist. Und um Schnick herum ist es beispielsweise der Kyritzer Hartmut Paschen. Er kümmert sich seit drei Jahren um das NSG „Bückwitzer See“. Jürgen Fritz Helmholz allerdings, der sich um das nordwestlich von Kyritz gelegene „Königsfließ” sorgte, gab seine Tätigkeit zu Jahresbeginn „aus persönlichen Gründen“ auf, wie er sagt. Seither fehlt dort nun ein Betreuer. So lange hat Simon Grohe aus der Nabu-Geschäftsstelle in Berlin seine Augen auf dieses Gebiet wie auch auf alle anderen Schutzgebietsbetreuer bis hin zu René Harsch beispielsweise, der sich ums Feuchtgebiet „Butterbaum“ am Südwestzipfel von Ostprignitz-Ruppin kümmert.

Rehe bilden ab jetzt für den bevorstehenden Winter kleine Gruppen

Rehe bilden ab jetzt für den bevorstehenden Winter kleine Gruppen.

Quelle: Anke

Die Betreuer schreiben Jahres-, aber auch Zwischenberichte an den Nabu rund um Flora, Fauna und Witterung. Sie sind geschult und wurden geprüft auf ihre biologischen Kenntnisse. Der Nabu, der in vielen Fällen selbst Flächeneigentümer ist, erfährt so beispielsweise von Windbruch oder wo ein Graben zu wenig Wasser für einen Biber führt.

In der Region fühlen sich diese Nager seit Jahren wieder wohl, und sie werden nun noch bis weit in den Winter aktiv bleiben, wenn Dachs und Eichhörnchen schon schlafen. In der heimischen Tierwelt ist ansonsten weiterhin eine Menge los. Eulen, Spechte und Greifvögel bleiben da. Rehe bilden Gruppen – während Kiebitze, Brachvögel, Säbelschnäbler und Störche ihre Ziele in Frankreich, Spanien oder Afrika längst erreicht haben. Sie alle verließen die Region schon vor vielen Wochen. Aber Wiedersehen macht ja bei vielen Menschen bekanntlich Freude. Hier und dort.

Von Matthias Anke

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