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Ostprignitz-Ruppin Klangwunder in Glienicke
Lokales Ostprignitz-Ruppin Klangwunder in Glienicke
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00:44 19.07.2015
Andreas Arnold brachte die Orgel in der Glienicker Kirche in Gang. Quelle: Björn Wagener
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Glienicke

Einzelne Pfeifentöne drangen Donnerstagvormittag immer wieder aus der Schinkel-Kirche in Glienicke. Orgelbauer An-dreas Arnold aus Plau am See prüfte damit den Klang des Instrumentes, das seit Anfang Mai repariert und aufgearbeitet wurde. „Die Orgel litt unter Holzwurmbefall, war stark verschmutzt, und es wurde ein Gebläse angebaut sowie eine Fehlstelle am Gehäuse behoben“, berichtet Arnold.

„Teilweise war sie gar nicht mehr bespielbar“, ergänzt Ingrid Blüschke vom örtlichen Förderverein für die Schinkelkirche. Deshalb seien nun rund 9600 Euro investiert worden, um die Orgel wieder in Schuss zu bringen, 8000 Euro davon über Lottomittel vom Land, die der Förderverein für sein ehrenamtliches Engagement rund um die Kirche erhielt, berichtet Ingrid Blüschke. Der Rest seien Eigenmittel gewesen. Damit erhält die kleine Kirche des berühmten preußischen Baumeisters nun wieder ein gutes Stück ihres alten Glanzes zurück. Das passt gut, denn in diesem Jahr feiert die Kirche ihren 200. Geburtstag. Die Grundsteinlegung war 1815. In jenem Jahr wurde zudem Friedrich Hermann Lütkemüller in Papenbruch geboren. Der große Orgelbaumeister schuf 1870 auch die Orgel in der Kirche in Glienicke. Das Gotteshaus hat dank des Fördervereines eine erfreuliche Entwicklung genommen. Im Jahr 2008 erhielt sie ihre ursprüngliche Spitze wieder zurück. Außerdem wurde in neue Fenster, Malerarbeiten und die Holzwurm-Behandlung des Interieurs investiert.

Die Reparatur der Orgel ist ein weiterer wichtiger Meilenstein. Sie wurde nun auch wieder auf ihrem ursprünglichen Platz im oberen Bereich der Kirche aufgestellt. Dort habe sie bis 1971 gestanden, sei dann aber in die Wittstocker Heiliggeistkirche umgezogen, weil sich die Glienicker Kirche in jenen Jahren in einem sehr schlechten baulichen Zustand befand. 1978 sei die Orgel dann wieder in die Glienicker Kirche zurückgekehrt, wo sie fortan aber im unteren Bereich ihren Platz fand – bis jetzt. „Diese Orgel ist eine Seltenheit, weil sie komplett erhalten ist“, sagt Andreas Arnold. Andernorts sei das Zinn und Blei der Prospektpfeifen in Kriegszeiten gern für die Munitionsgewinnung zweckentfremdet worden.

Andreas Arnold ist seit 1981 Orgel- und Harmonienbaumeister. Wie viele dieser Instrumente er seither repariert, aufgearbeitet und mitunter auch neu gebaut hat, hat er nicht gezählt. In seiner pflegerischen Obhut befänden sich aktuell aber 120 bis 150 Orgeln. Das Exemplar in Glienicke mit seinen 192 Pfeifen habe einen Wert von rund 40 000 Euro, wenn es heute gebaut werden würde. Sicher ist: Sein Fachwissen ist sehr gefragt. „Ich bin in den nächsten 70 Wochen ausgebucht“, sagt er. Gerade Witterungswechseln seien Störungen an Orgeln am häufigsten, weil sie sich etwas verziehen können. Dann komme es öfter vor, dass sich Organisten melden: „Wir haben Sonntag ein Konzert, aber ein Ton hängt“, gibt Arnold solche Notrufe wieder. Wenn irgend möglich, versuche er oder ein Kollege dann zu helfen. Die Firma besehe aus sechs Mitarbeitern. In den vergangenen etwa zehn Jahren mache sich an Orgeln, aber auch generell in Kircheninnenräumen, ein verstärkter Schimmelbefall bemerkbar. „Wenn Kirchen saniert werden, dann werden heutzutage dicht schließende Fenster eingesetzt. Aber auch Menschenmengen, die Kirchen besuchen, tragen die Sporen hinein und verwirbeln sie“, nennt Arnold als mögliche Gründe für dieses Problem. Aber auch stehende feuchte Luft sei schlecht für Orgeln und Altäre. Aber auch Tiere nisten sich gern mal in Orgeln ein. Arnold berichtet von einem besonders extremen Fall, als sich einmal ein Marder in einer Orgel häuslich eingerichtet hatte, samt „Speiseraum und Toilette“ und das offenbar schon seit längerer Zeit. Da hätten sich auch tote Igel und Fische angefunden. Doch auch wenn es nicht immer gleich so extrem zugehen muss: iere sollten auf jeden Fall von Orgeln ferngehalten werden. Arnold empfiehlt daher den Kirchengemeinden, Erntekronen nach dem Erntedankfest restlos zu entfernen, damit sich keine Mäuse einnisten, die ansonsten in der Kirche weitere Schäden anrichten können.

Von Björn Wagener

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