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Ostprignitz-Ruppin Die Rinderherden von Niemerlang
Lokales Ostprignitz-Ruppin Die Rinderherden von Niemerlang
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00:17 04.05.2016
Martin Müller ist seit seiner Ausbildung für die Mutterkühe zuständig, heute ist er der verantwortliche Rinderzüchter der WF Fleischrind. Quelle: Bihler
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Niemerlang

An nebligen Novembertagen bietet sich den Einwohnern von Niemerlang regelmäßig ein ganz besonderes Schauspiel. Die Bullen der Limousin-Herden stehen sich drohend gegenüber, die Nüstern gebläht, aus denen die Atemluft als Dampfwolke aufsteigt. Zwei Weidezäune und ein Entwässerungsgraben sorgen dafür, dass die beiden Kolosse ihren Konkurrenzkampf nur verbal austragen können. Das imposante Brüllen und Schnauben ist weithin zu hören. Der Betrachter des Schauspiels mag kaum glauben, dass etwa Falkon, der größte Bulle der Wulfersdorfer Fleischrind (WF Fleischrind), eigentlich ganz friedlich ist, zumal selbst Martin Müller, zuständig für die Herden, mit einem Augenzwinkern warnt: „In dem Fall sollte man da auf keinen Fall dazwischen kommen.“

Doch jetzt im April, wenn morgens die Frühlingssonne noch gegen den Nachtfrost ankämpft, kommt der rund 1200 Kilogramm schwere Koloss ganz zahm heran, um sich seine Morgenration Schrot aus dem Eimer abzuholen. Er lässt sich sogar den Rücken kraulen: „Aber nur bis zur Körpermitte“, sagt Müller, „am Kopf, das mag er nicht.“

Der schwerste Bulle der WF Fleischrind, der 1200-Kilo-Koloss Falkon, lässt sich sogar kraulen Quelle: Claudia Bihler

Der 26-Jährige, der schon seine Ausbildung zum Landwirt bei den Limousins absolviert hat, kennt die 200 Tiere genau, die auf den Wiesen rund um Niemerlang und Tetschendorf grasen: „Man merkt sich die Eigenheiten der einzelnen Tiere, sowohl die positiven wie die negativen.“ Er zeigt auf Annabell, die als eine der wenigen Mutterkühe der Herden einen echten Namen trägt. Und er weiß auch, welche Mutterkuh schon lange mit dabei ist, und der WF Fleischrind seit Jahren zuverlässig Nachwuchs bringt – mitunter mehrfache Zwillingsgeburten.

Zwar fressen die Herden im Sommer so gut wie ausschließlich Weidegras, doch der tägliche Leckerbissen aus dem Eimer gehört zu den vertrauensbildenden Maßnahmen für die Herden, die auf den weitläufigen Weiden ein sehr ursprüngliches Leben führen können. „Sie sollen ja nicht verwildern“, sagt Müller, der gleichzeitig kontrolliert, ob Wasser vorhanden und der Weidezaun in Ordnung ist. Und ob Kälbchen geboren wurden, denn derzeit gleichen die Niemerlanger Weiden einer großen Kinderstube.

Seit Anfang der 1990er Jahre stehen die Herden rund ums Dorf. 90 deckfähige Jungfärsen und einen Bullen haben die Züchter damals aus Ungarn geholt, inzwischen sind daraus rund 200 Tiere geworden. Die Limousins wurden ursprünglich einmal in den französischen Mittelgebirgen gehalten, aber sie fühlen sich auch in Brandenburg wohl. Im Vordergrund für die Firma Fleischrind steht die Zucht. Die besten Bullenkälber gehen an andere Betriebe, die frisches Blut in ihre Herden bringen wollen. Der Bulle Lordano hat es sogar bis in die Berlin-Brandenburgische Besamungsstation geschafft: Ein großer Erfolg für die Fleischrind, die dafür viel Aufwand treibt.

Kühe sind liebevolle Mütter: Das Kalb wird nach dem Regen von seiner Mutter abgetrocknet. Quelle: Claudia Bihler

Der reicht bis zum Gentest bei den Tieren, um sie so zu sortieren, dass sich beispielsweise kein Vater mit seiner Tochter paart. Regelmäßig wird zudem ein neuer Bulle für vielfältigeres Erbgut angeschafft, der dann mitten in der Herde leben darf. Für bestimmte Zeiten wird er heraus genommen, damit keine Kälber mitten im Winter geboren werden und so die Verluste gering bleiben. Zuchtziel neben Eigenschaften wie „Hornlosigkeit“ ist auch der Charakter der Tiere: Aggressives Verhalten ist unerwünscht, Bullen sollten – etwa bei Ausstellungen – „führig“ sein. Dabei herrscht in der Herde großer Zusammenhalt. Kommt ein neues Kalb zur Welt, wird es nicht nur von der Mutter versorgt, sondern auch die „Tanten“ schauen vorbei, um das neue Herdenmitglied zu begrüßen. Den täglichen Spaziergang von der besten Futterstelle zum Wasser und dorthin, wo es etwas zu sehen gibt, unternimmt die Herde gemeinsam.

„Die Mutterkühe bleiben meist viele Jahre bei uns“, sagt der Landwirt. Die weniger erfolgversprechenden Bullenkälber gibt der Betrieb an Rindermäster im ganzen Bundesgebiet ab. Denn die Limousins sind eine der zwei wichtigen Rassen hervorragender Fleischrinder – auch wenn Martin Müller nicht so gern daran denken mag: „Ich esse ja unheimlich gerne Steaks, aber das muss ich wirklich verdrängen.“

Von Claudia Bihler

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