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Die Ur-Wutiker kamen schon in der Steinzeit

Wutike Die Ur-Wutiker kamen schon in der Steinzeit

Immer wieder treten im Prignitz-Dorf Wutike und Umgebung Siedlungsspuren aus längst vergangenen Zeiten zu Tage. Waren im Jahr 1929 lediglich 18 Fundstellen aus allen ur- und frühgeschichtlichen Epochen bekannt, sind es dank der unermüdlichen Tätigkeit vor allem der ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger inzwischen fast 40 Stellen.

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45 Jahre nach der Entdeckung der Fundstelle fanden sich erneut viele mittelalterliche Keramikreste.

Quelle: André Reichel

Wutike. Fast überall, wo im Prignitz-Dorf Wutike mit Bagger oder Spaten in die Tiefe gegraben wird, stößt man auf Zeugnisse längst vergangener Zeit. Vor wenigen Jahren erst stießen Arbeiter beim Verlegen einer Leitung unweit der mittelalterlichen Dorfkirche auf Bestattungen jener Zeit.

Doch die Besiedelungsgeschichte der Gemarkung Wutike reicht noch wesentlich weiter zurück. Im Dorf, aber auch verstreut in der weitläufigen Feldflur wurden immer wieder oftmals jahrtausende alte Hinterlassenschaften der Ur-Wutiker entdeckt, die entlang der Jäglitz, die westlich am Dorf vorbeifließt, ideale Siedlungsbedingungen vorfanden.

Steinaxt gehört zu ältesten Spuren menschlicher Besiedelung in Wutike

Ein 9,3 Zentimeter langes Beil aus grauem Felsgestein, das auf einem Acker nordwestlich des Dorfes bei Feldarbeiten entdeckt wurde, wie auch eine schwärzlich-graue Steinaxt, stammen aus der Jungsteinzeit und sind somit die ältesten Spuren menschlicher Besiedelung von Wutike. Diese und weitere Funde kamen zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Aufbewahrung und als Lehrmittel zugleich in die Dorfschule.

Beim Pflügen kamen vor rund 100 Jahren zwei bronzene Gefäße und zwei Lanzenspitzen zutage. Diese sensationellen Funde stammten aus der jüngeren Bronzezeit, sind somit über 3000 Jahre alt und werden in einem Berliner Museum aufbewahrt.

Aus Sicht der Wissenschaftler sind solche Funde in Museen auch besser aufgehoben, als in Dorfschulen oder gar in privaten Sammlungen. Fast immer verschwinden diese irgendwann und die für die Archäologen wichtigen Informationen wie etwa der genaue Fundplatz und die Fundumstände dieser Objekte gehen verloren. Eben dieses Schicksal ereilte auch die Funde, die einst in der Wutiker Dorfschule aufbewahrt wurden. Sie sind für immer verloren gegangen. Die Wutiker stießen aber auch beim Kiesgraben immer wieder auf Spuren ihrer Vorfahren. Dazu gehören Gerätschaften aus Feuerstein und „Gefäße mit Asche und Beigaben“, wie es der Geschichtsforscher Walter Matthes im 1929 erschienenen Buch „Die Urgeschichte des Kreises Ostprignitz“ beschrieb.

Zudem erwähnt Matthes „zahlreiche Gefäßreste“ von einer mittelalterlichen Dorfstelle zwei Kilometer nordwestlich von Wutike. Dieser Ort könnte mit dem 1491 erwähnten Dorf „Werstade“ identisch sein, das einst unweit von Wutike gelegen haben soll. Walter Matthes trug bis 1929 insgesamt 18 in der Gemarkung Wutike liegende Fundstellen aus fast allen ur- und frühgeschichtlichen Epochen zusammen. Weitere Funde und Fundplätze wurden danach jahrzehntelang nicht gemeldet.

Auszug aus der damaligen Fundmeldung

Auszug aus der damaligen Fundmeldung.

Quelle: Repro; A. Reichel

Erst im November 1970 machte der Schweriner Landesvermesser Gerd Ruhkieck bei der Suche nach alten Messsteinen unweit des untergegangenen Mittelalterdorf erneut eine Entdeckung. Als passionierter Bodendenkmalpfleger fand der heute 76-Jährige auf dem Acker mehrere mittelalterliche Keramikscherben. Seine Entdeckung meldete Gerd Ruhkieck an seine Forschungsstelle in Schwerin, die diese nach Potsdam weiterleitete, wo sie eigentlich hingehört. Es dauerte 45 Jahre, bis diese kuriose Meldung das Interesse des Autors als ortsansässiger Bodendenkmalpfleger weckte, der an dieser Stelle erneut Keramikreste barg und feststellte, dass die Fundstelle mit über einem Hektar weit größer ist, als bislang bekannt war.

Von André Reichel

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