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Ostprignitz-Ruppin Die Welt der alten Reklamebilder
Lokales Ostprignitz-Ruppin Die Welt der alten Reklamebilder
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02:15 17.08.2015
Vernissagegäste unter dem Foto des alten Reklamebilds. Quelle: FotoS (2): Aniol
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Neuruppin

Die Glätte der Hauswand ist längst dahin. Greisenhaft zerfurcht erscheint das Antlitz des betagten Gebäudes an der Route nationale in Frankreich auf der Fotografie von Gerd Schroeder. Der Putz bröckelt ab, an vielen Stellen tritt das jahrzehntelang verborgene Mauerwerk zum Vorschein. Nur die Reklame des Chocolatiers Poulain aus Bois, eines Traditionsunternehmens der Branche, lässt auf dem Bild erahnen, dass die Mauer einmal so unversehrt, so verlockend wie die Haut eines Neugeborenen gewesen sein muss. Perfekt, um ein schmackhaftes Produkt darauf anzupreisen. Der leuchtend blaue Schriftzug des Schokoladenmachers, verblichen und löchrig zwar, aber noch lesbar, erzählt davon. Überall in Frankreich hat Gerd Schroeder aus Karwe diese Überbleibsel einer Ära gefunden, als noch keine Werbespots im Fernsehen gesendet wurden, sondern die wandhohen Botschaften die Vorbeifahrenden bezirzen sollten. Jetzt zeigt er seine Aufnahmen, die 1995 entstanden sind, im Neuruppiner Café Wunderbar.

Von Berlin bis an den Atlantik ist der heute 78-Jährige damals mit seiner Frau Gisela gefahren. „Es war eine Sehnsuchtsreise“, sagt Schroeder. Eine, die früher den Ostdeutschen nicht möglich war. „Wir haben die Autobahnen und den Louvre links liegen lassen.“ Stattdessen entdeckt das Paar – sie Französischlehrerin an der Uni, er Szenenbildner im Fernsehen – die alten Werbeflächen an den Wänden von Wohnhäusern, stillgelegten Bahnhöfen oder verfallenen Ställen entlang der Nationalstraßen. In jedem Ort, jeder kleinen Stadt gibt es diese stummen Zeitzeugen, meistens am Ortsein- und Ortsausgang. Sie sind in Vergessenheit geraten und doch landschaftsbestimmend. „Die Motive haben mir unheimlich gut gefallen: Die Farben der alten Reklame auf den langsam zerbröselnden Flächen.“ Schroeder greift zur Kamera, begeistert von den Bildern, die durch die Narben im Mauerwerk Gemälden gleichen. 150 Filme lässt er nach der Reise entwickeln. In der aktuellen Ausstellung mit dem Titel „Murs mûres – verblichene Mauern“ zeigt er nun einen Bruchteil des Werbeweltsammelsuriums der Grande Nation in verschiedenen Formaten.

Rund 25 Gäste tauchten bei der Vernissage am Donnerstag in dieses Universum der vergangenen Tage ein. Bei Wein, Käse, Baguette, einer Prise Chansons und französischer Gedichte, vorgetragen von Freunden der Familie Jacques Pouquet und Abder Hassissi, plauderten sie über Frankreich, die Veränderungen in der Werbewirtschaft und die Reklame an Hauswänden ihrer Region. Auch Schroeder, der 2005 nach Karwe gezogen ist, ist daran interessiert. Er hat in seinem neuen Heimatort ebenfalls ein solches Schild fotografiert: die ovale Tafel „LPG Fortschritt Karwe“ auf dem ehemaligen Inspektorenhaus. „Nur gut, dass ich das festgehalten habe, denn nun ist das Haus weg“, sagt Schroeder. „Die Werbung hatte das Niveau von dem, was ich in Frankreich fotografiert habe. Nur, dass es dort sehr viel mehr davon gab.“ Zu schauen, ob die Franzosen diesen Schatz bewahrt haben, zu gucken, was aus den alten Giebelwänden geworden ist – dazu hätte er Lust, sagt der studierte Architekt. „Ich habe die Idee, dieselbe Strecke abzufahren. Ich befürchte aber, dass auch die Franzosen keinen goldenen Rahmen um die Reklame gemacht haben.“

Von Celina Aniol

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