Volltextsuche über das Angebot:

-2 ° / -9 ° Schneeschauer

Navigation:
Die Welt der alten Reklamebilder

Gerd Schroeder aus Karwe präsentiert in einer Neuruppiner Ausstellung seine Fotografien Die Welt der alten Reklamebilder

Entlang der Nationalstraßen in Frankreich gibt es einen Schatz: die alten Reklameschilder auf den Giebelwänden der halb verfallenen Häuser. Gerd Schroeder aus Karwe hat diese verschwindende Werbewelt mit seiner Kamera festgehalten und zeigt nun seine Bilder im Neuruppiner Café Wunderbar.

Voriger Artikel
Betrunkene pöbelt, prügelt und spuckt
Nächster Artikel
Walzer ohne Ende in Neuruppin

Vernissagegäste unter dem Foto des alten Reklamebilds.

Quelle: FotoS (2): Aniol

Neuruppin. Die Glätte der Hauswand ist längst dahin. Greisenhaft zerfurcht erscheint das Antlitz des betagten Gebäudes an der Route nationale in Frankreich auf der Fotografie von Gerd Schroeder. Der Putz bröckelt ab, an vielen Stellen tritt das jahrzehntelang verborgene Mauerwerk zum Vorschein. Nur die Reklame des Chocolatiers Poulain aus Bois, eines Traditionsunternehmens der Branche, lässt auf dem Bild erahnen, dass die Mauer einmal so unversehrt, so verlockend wie die Haut eines Neugeborenen gewesen sein muss. Perfekt, um ein schmackhaftes Produkt darauf anzupreisen. Der leuchtend blaue Schriftzug des Schokoladenmachers, verblichen und löchrig zwar, aber noch lesbar, erzählt davon. Überall in Frankreich hat Gerd Schroeder aus Karwe diese Überbleibsel einer Ära gefunden, als noch keine Werbespots im Fernsehen gesendet wurden, sondern die wandhohen Botschaften die Vorbeifahrenden bezirzen sollten. Jetzt zeigt er seine Aufnahmen, die 1995 entstanden sind, im Neuruppiner Café Wunderbar.

Von Berlin bis an den Atlantik ist der heute 78-Jährige damals mit seiner Frau Gisela gefahren. „Es war eine Sehnsuchtsreise“, sagt Schroeder. Eine, die früher den Ostdeutschen nicht möglich war. „Wir haben die Autobahnen und den Louvre links liegen lassen.“ Stattdessen entdeckt das Paar – sie Französischlehrerin an der Uni, er Szenenbildner im Fernsehen – die alten Werbeflächen an den Wänden von Wohnhäusern, stillgelegten Bahnhöfen oder verfallenen Ställen entlang der Nationalstraßen. In jedem Ort, jeder kleinen Stadt gibt es diese stummen Zeitzeugen, meistens am Ortsein- und Ortsausgang. Sie sind in Vergessenheit geraten und doch landschaftsbestimmend. „Die Motive haben mir unheimlich gut gefallen: Die Farben der alten Reklame auf den langsam zerbröselnden Flächen.“ Schroeder greift zur Kamera, begeistert von den Bildern, die durch die Narben im Mauerwerk Gemälden gleichen. 150 Filme lässt er nach der Reise entwickeln. In der aktuellen Ausstellung mit dem Titel „Murs mûres – verblichene Mauern“ zeigt er nun einen Bruchteil des Werbeweltsammelsuriums der Grande Nation in verschiedenen Formaten.

Rund 25 Gäste tauchten bei der Vernissage am Donnerstag in dieses Universum der vergangenen Tage ein. Bei Wein, Käse, Baguette, einer Prise Chansons und französischer Gedichte, vorgetragen von Freunden der Familie Jacques Pouquet und Abder Hassissi, plauderten sie über Frankreich, die Veränderungen in der Werbewirtschaft und die Reklame an Hauswänden ihrer Region. Auch Schroeder, der 2005 nach Karwe gezogen ist, ist daran interessiert. Er hat in seinem neuen Heimatort ebenfalls ein solches Schild fotografiert: die ovale Tafel „LPG Fortschritt Karwe“ auf dem ehemaligen Inspektorenhaus. „Nur gut, dass ich das festgehalten habe, denn nun ist das Haus weg“, sagt Schroeder. „Die Werbung hatte das Niveau von dem, was ich in Frankreich fotografiert habe. Nur, dass es dort sehr viel mehr davon gab.“ Zu schauen, ob die Franzosen diesen Schatz bewahrt haben, zu gucken, was aus den alten Giebelwänden geworden ist – dazu hätte er Lust, sagt der studierte Architekt. „Ich habe die Idee, dieselbe Strecke abzufahren. Ich befürchte aber, dass auch die Franzosen keinen goldenen Rahmen um die Reklame gemacht haben.“

Von Celina Aniol

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin
123c76c4-dff8-11e7-a15f-f363db308704
Fontanestadt Neuruppin „damals und heute“

Neuruppin ist die Kreisstadt des Landkreises Ostprignitz-Ruppn. Der Ort erhielt 1256 das Stadtrecht und ist bekannt als Geburtsstadt von Schriftsteller Theodor Fontane und Baumeister Karl Friedrich Schinkel.

c001ffb8-fc5e-11e7-90a2-a388f9eff187
Kyritz damals und heute

Über ihre mittelalterlichen Grenzen wuchs die Knatterstadt erst im 19. Jahrhundert hinaus. Aber dann richtig: Die Stadt ist im steten Wandel begriffen. Viele alte Bauten mussten bis in die jüngste Zeit hinein neuen Ideen und Bedürfnissen weichen.

7d84d8be-fb68-11e7-b11f-9a7b802e86ee
Lindow damals und heute

Die MAZ lädt ein zu einer Zeitreise. Wir haben historische Ansichten von Lindow zusammengestellt und vom gleichen Ort aus wie damals heute noch einmal eine Aufnahme gemacht. Die Ergebnisse zeigt diese Bildergalerie. Die historischen Karten stammen aus dem Privatarchiv des Lindowers Udo Rönnefahrt.

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg