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Die Welt trifft sich auf dem Dorf

Zempow Die Welt trifft sich auf dem Dorf

Über fehlende helfende Hände brauchen sich Ulrike Laubenthal und Nils Detloff aus Zempow nicht beklagen – über Onlineplattformen wie Wwoof oder Workaway kommen regelmäßig Besucher aus aller Welt auf ihren Hof. Dort arbeiten und leben sie dann für einige Wochen mit dem Paar zusammen. Ein Konzept, das sich bewährt, denn Wwoofen wird bei märkischen Höfen immer beliebter.

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Carlotte Kunze (v. l.), June Lau und Ulrike Laubenthal beim „Heuen“ auf der Wiese.

Quelle: Christian Bark

Zempow. Besucher aus aller Welt gehören auf dem Hof von Ulrike Laubenthal und Nils Detloff in Zempow zum Alltag. „Meist bleiben sie für zwei Wochen“, berichtet Nils Detloff. Bis zu 25 sind es jedes Jahr. Sie helfen auf dem Hof mit – füttern die Hühner, mähen Gras oder machen sich auf eine andere Weise nützlich. Dafür erhalten sie für die Zeit in Zempow ein Dach über dem Kopf und Verpflegung.

Die Gäste tragen sich regelmäßig in Ulrike Laubenthals Buch ein

Die Gäste tragen sich regelmäßig in Ulrike Laubenthals Buch ein.

Quelle: Christian Bark

Seit 2012 nimmt Ulrike Laubenthal regelmäßig Gäste auf – zunächst waren die Arrangements über die internationale Onlineplattform Wwoof (World Wide Opportunities on Organic Farms), ein Netzwerk, dass es freiwilligen Helfern ermöglicht, auf Öko-Farmen zu arbeiten, zustande gekommen. „Das passt zu unserer Initiative ’Sichelschmiede’“, sagt Ulrike Laubenthal. Deren Ziel sei auch eine Selbstversorgung mit heimischen Produkten aus eigener Ernte. Dafür benötige das Paar jedoch Hilfe und die komme über Wwoof aus der ganzen Welt.

Sängerin Bea half im Archiv mit

Sängerin Bea half im Archiv mit.

Quelle: Christian Bark

„In Brandenburg haben wir derzeit einen starken Zuwachs an Wwoof-Höfen, während die Zahl der Woofer konstant bleibt“, sagt Jan-Philipp Gutt vom Wwoof-Team Deutschland. Brandenburg sei ein beliebtes Bundesland zum „wwoofen“, nicht zuletzt wegen der Nähe zu Berlin. 58 Höfe aus der Mark sind aktuell auf der Webseite. Darunter ein Paar, das einen Ökohof in der Nähe von Pritzwalk betreibt. Aufgaben für die Wwoofer dort sind Weidenzaun flechten, Lehmbau, sowie Hilfe im Kräutergarten.

Mit Workaway oder Wwoof in die Provinz

58 Höfe aus Brandenburg , darunter einige aus der Prignitz und dem Ruppiner Land, sind aktuell bei der Plattform Wwoof registriert. Bei Workaway sind es derzeit 63.

Seit 1971 gibt es die Plattform Wwoof bereits – sie wurde in England gegründet. In Deutschland agiert das Netzwerk seit 1987. Beide Plattformen setzen eine kostenpflichtige Mitgliedschaft für ihre Nutzer voraus.

Weitere Informationen zu den Programmen hier und hier.

In ihrem Inserat informieren Ulrike Laubenthal und Nils Detloff über die Idee der „Sichelschmiede“. Diese sei 2005 als „Werkstatt für Friedensarbeit“ gegründet worden. Frieden bedeute nicht nur die Abwesenheit von Krieg, sondern auch das Aussteigen aus ungerechten und lebensfeindlichen Wirtschaftsstrukturen. „Deshalb verknüpfen wir unsere „Kopf“-Friedensarbeit mit „Hand“-Friedensarbeit: einem „anderen“ Wirtschaften in Solidarität mit unseren Mitmenschen, Tieren und der Natur“, heißt es auf der Seite weiter.

Tierefüttern gehört auch zu den Aufgaben in Zempow

Tierefüttern gehört auch zu den Aufgaben in Zempow.

Quelle: Christian Bark

Nicht über Wwoof, sondern über die ähnlich agierende Onlineplattform „Workaway“ hat die 18-jährige Carlotta Kunze zum Hof nach Zempow gefunden. „Eigentlich hatte mich Nils angeschrieben, weil meine Vorstellungen im Profil zu ihren passten“, berichtet sie. Brandenburg ist für die Berlinerin fast Heimat. Bevor sie nach Zempow kam, habe sie ihre Großeltern in der Bundeshauptstadt besucht. Da lebt die Abiturientin aber schon seit zehn Jahren nicht mehr. Mit ihren Eltern war sie damals nach Indonesien gezogen. Auf einer internationalen Schule dort hat sie nun ihren Schulabschluss gemacht, doch bevor es zum Studium nach Holland gehen soll, will Carlotta noch ein wenig in der Welt umherpendeln. Nächste Station über Workaway soll dann Irland werden.

Bis dahin hilft die 18-Jährige fleißig in Zempow mit. Sie mistet morgens den Ziegenstall aus, leistet Gartenarbeit und mäht die Wiese hinterm Hof. „Heuen“ nennt sich das, wie Ulrike Laubenthal erklärt. Das gemähte Gras trockne dann auf der Wiese und werde den Tieren zum Fressen gegeben. Unterstützung bekommt Carlotta von June Lau. Die 30-Jährige kommt aus Hongkong, wo sie in einem Büro arbeitet. „Ich mag Dörfer, das Grün, den weiten Himmel“, schwärmt sie. Vorher war sie über das Programm in den Metropolen Europas. Prag, Budapest, Wien und Berlin. In Zempow hilft sie beim Ziegenstallausmisten. „Ich habe auch schon Frühstück gemacht“, sagt sie.

Auf dem Hof von Ulrike Laubenthal und Nils Detloff ist jede Hilfe willkommen. „Das Programm ist auch dazu da, um sich auszuprobieren“, betont die Hofbesitzerin. Wer mit einer Arbeit nicht zurechtkomme, könne sich anderweitig nützlich machen. So hatte sich zuletzt die Rostocker Sängerin Bea (MAZ berichtete) mit einem Benefizkonzert und Hilfe bei der Archivarbeit des von Ulrike Laubenthal mitgeleiteten Vereins „Friedensscheune“ eingebracht. „Das Heuwenden war körperlich zu anstrengend“, sagte sie. Aber Aufgaben gebe es auf dem Hof in Zempow ja genug.

Von Christian Bark

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