Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
„Die Weltbühne“ – als Schau in Rheinsberg

Tucholskys Jubiläumsjahr „Die Weltbühne“ – als Schau in Rheinsberg

Weil der bissige Publizist Kurt Tucholsky ein Vielschreiber der Wochenschrift „Die Weltbühne“ war, zeigt das Rheinsberger Tucholsky-Literaturmuseum im Jubiläumsjahr des Autors eine Großschau über das Blatt in der Remise am Schloss. Es geht dabei um die Geschicke der Zeitschrift, für die insgesamt rund 2600 Autoren geschrieben haben.

Voriger Artikel
Optische Täuschung im Wittstocker Zentrum
Nächster Artikel
Kyritz: Autobrand am Straßenrand

Museumsleiter Peter Böthig findet, dass die Schau ein gelungener Abschluss des Tucholsky-Jubiläumsjahrs ist.

Rheinsberg. Er übertrieb wie immer – sehr weit von der Wahrheit entfernt war er dennoch nicht. „Soweit ich mich erinnere, wurde ich am 9. Januar 1890 als Angestellter der ,Weltbühne’ zu Berlin geboren“, schrieb Kurt Tucholsky in seiner 1926 erschienenen Autobiografie. Tatsächlich veröffentlichte der Journalist, Satiriker, brillante Beobachter und scharfe Kritiker seiner Zeit exzessiv in dieser Wochenzeitschrift. Kaum eine Ausgabe in den 1920er Jahren, in der es keinen Text von Tucholsky gibt. Es existieren sogar Hefte, in denen sich der bissige Autor gleich mit vier Pseudonymen verewigte. Auch sein allerletzter Artikel, den der Publizist vor seinem politisch bedingten Verstummen in der Öffentlichkeit 1932 verfasste, erschien in dem Blatt, der für viele Generationen des vergangenen Jahrhunderts die wegweisende Stimme ihrer Zeit war. „Er ist nach 1918 zur Galionsfigur der ‚Weltbühne’ geworden“, sagt Peter Böthig, Leiter des Rheinsberger Kurt-Tucholsky-Literaturmuseums. Genau deswegen zeigt das Museum zum Abschluss des Tucholsky-Jubiläumsjahres, in dem sich seine Geburt zum 125. und sein Tod zum 80. Mal jähren, eine Ausstellung unter dem Titel „Mit Hass aus Liebe. Die Weltbühne“ in der Rheinsberger Remise am Schloss.

Eine Szene aus „Kurt, der Film“, der ebenfalls in der Schau zu sehen ist

Eine Szene aus „Kurt, der Film“, der ebenfalls in der Schau zu sehen ist.

Quelle: Celina Aniol

1905 gründet Siegfried Jacobsohn „Die Schaubühne“ als reine Theaterzeitschrift. Noch bevor sie 1918 in „Die Weltbühne“ umbenannt wird, deckt sie das ganze Spektrum gesellschaftlicher Themen ab. Kultur, Politik, Wirtschaft – all das wird genau beobachtet, bewertet und scharf aufs Korn genommen. Auch investigativer Journalismus wie im Fall der politischen Feme-Morde der extremen Rechten der Schwarzen Reichswehr fließt aus den Edelfedern der insgesamt 2600 Autoren, die im Laufe der Zeit für das Blatt arbeiten. „’Die Weltbühne’ hatte nie eine Riesenauflage, aber eine große kulturelle Bedeutung“, sagt Peter Böthig. „Es wurde wirklich wahrgenommen, was dort stand – von Anhängern, aber auch von Gegnern.“ Kurz vor der Zeit des Nationalsozialismus verschärft sich der Ton noch einmal – bis die „Weltbühne“ in Deutschland 1933 verboten wird. Ihre Nachfolge: in verschiedenen Hauptstädten Europas erscheinenden Exilausgaben und ihre Neugründung 1946 als Parteiblatt in der DDR, die 1993 eingestellt wird. Ihr Erbe: 130 000 Seiten Text.

Die Weltbühne im Großformat am Eingang der Ausstellung

Die Weltbühne im Großformat am Eingang der Ausstellung.

Quelle: Celina Aniol

Die vielen Tafeln der Ausstellung berichten umfangreich über die einzelnen Epochen und Schwerpunkte in der Arbeit der Journalisten, zu denen neben Tucholsky auch Erich Kästner, Carl von Ossietzky oder Robert Walser gehörten – „die geistige Elite“ eben, wie Böthig sagt. In den Vitrinen ergänzen Dokumente, Fotografien und verschiedene Ausgaben der Zeitschrift anekdotenhaft das Bild. Dort entdecken Besucher zum Beispiel die teuerste Ausgabe, die 1923 während der Inflation gedruckt wurde und sieben Millionen Mark kostete. Daneben gibt es „Die Weltbühne“ sogar im Hör- und Filmformat.

Zum ersten Mal zeigt das Museum in der 2012 nach ihrer Sanierung wiedereröffneten Remise eine eigene Exposition. „Das ist richtig schön, das wir mal die Räume bespielen dürfen“, sagt Peter Böthig, der sich um alle Ausstellungen in dem Haus kümmert. Denn in der Remise, in der sich auch das Touristeninformationszentrum der Prinzenstadt befindet, erreiche die Einrichtung mehr und andere Gäste als in den eigenen Räumen im Schloss. „Dort kommen die Besucher gezielt hin, hier schlendern sie einfach mal vorbei.“ Deswegen sind die Ausstellungsräume auch ziemlich beliebt – und frühzeitig verplant.

So steht schon fest, dass ab April des kommenden Jahres in der Remise eine Ausstellung zu 25 Jahren der Musikakademie sowie Kammeroper stattfinden soll. Für die zweite Jahreshälfte ist eine Schau mit Kunstwerken aus Rheinsbergs schwedischer Partnerstadt Mariefred angedacht.

Die Ausstellung: Die Weltbühnenschau in der Rheinsberger Remise am Schloss ist noch bis zum 13. März zu sehen. Sie ist frei zugänglich sonntags bis donnerstags sowie feiertags von 10 bis 16 Uhr sowie freitags und sonnabends zwischen 10 und 18 Uhr.

Von Celina Aniol

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg