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Ostprignitz-Ruppin Die Wirtschaft ließ staunen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Die Wirtschaft ließ staunen
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00:18 04.10.2017
Strenge Vorschriften gelten bei der Nahrungsmittelproduktion. Rundgänge erfolgten im Stärkewerk daher nur mit Schutzbekleidung. Quelle: Matthias Anke
Kyritz

„Das lasse ich mir auf keinen Fall entgehen“, sagte Frank Pasche. So sprang der Mechower mittleren Alters kurzerhand aufs Fahrrad und radelte bei allerschönstem Herbstwetter der „Zweiten Langen Nacht der Wirtschaft“ in der Kleeblattregion“ entgegen. Angekommen auf dem Gelände der Kyritzer Stärkefabrik, war er einer von Hunderten, die sich dort einfanden. „Sowas bekommt man ja nicht alle Tage zu sehen.“

Ein Dutzend Firmen gewährten den Besuchern am Sonnabend Blicke hinter die Kulissen ihrer Produktionsabläufe. Dem Engagement von ihnen für diese Aktion dankte Steffen Kammradt, Sprecher der Wirtschaftsförderung im Land Brandenburg, bei der Eröffnung auf dem Stärkefabrikgelände.

Vielleicht war es das herrliche Wetter, wahrscheinlicher aber war es vor allem das interessante Angebot, mit dem ein Dutzend Firmen in Kyritz ihre Besucher zu einem ganz besondern Tag der offenen Tür einluden: Diese nun zweite „Lange Nacht der Wirtschaft“ lockte Hunderte Interessierte an.

„Die Lange Nacht der Wirtschaft ist nicht nur ein Schaufenster für die Leistungsfähigkeit der Kleeblatt-Region, sondern auch ein wichtiger Tag für die Fachkräftegewinnung“, sagte Kammradt mit Blick auf viele junge Besucher. Die jüngsten unter ihnen waren Kinder der Kyritzer Kita „Spatzennest“, die für die Gäste Lieder rund um die Kartoffel sangen.

Und weil wie in so vielen Betriebszweigen auch in der Lebensmittelindustrie strenge Vorschriften gelten, ging es nur mit Schutzbekleidung und Haarnetz auf die Rundgänge. Derart umhüllt bekam die offizielle Delegation den Weg von der Kartoffel zur Stärke von Michel Hörster und Peter Wöhlbrandt erklärt. Neben Steffen Kammradt gehörten dazu unter anderen die Kyritzer Bürgermeisterin Nora Görke, Gumtows Bürgermeister Stefan Freimark, Amtsdirektor Dieter Fuchs aus Neustadt, Wusterhausens Vize-Bürgermeister Jürgen Gottschalk, die SPD-Landtagsabgeordnete Ina Muhß und der Ostprignitz-Ruppiner Landrat Ralf Reinhardt.

Von Alutrim bis ZTK hatten die Gäste die Wahl unter zwölf Teilnehmern

Als es für sie anschließend weiterging, hatten sich die nächsten Stärkefabrik-Gäste längst schon andernorts umgesehen, etwa bei „Alutrim“. Diese Firma erfuhr von Kammradt besondere Erwähnung, da sie nicht nur binnen weniger Jahre die Belegschaft von 50 auf 100 Mitarbeiter verdoppelte, sondern es mit der Produktion von Zierteilen in den Augen der Wirtschaftsförderer zum „idealen Repräsentanten des Clusters Metall im Land Brandenburg“ gebracht hat. Ein Cluster umfasst die gesamte Branche sowie Wissenschaft, Forschung und weitere Partner. Metall ist eines von neun Clustern im Land Brandenburg, die bundesweit ausstrahlen.

Bei der Flugschule Ardex und der Ardex Aviation Maintenance wurden die Gäste musikalisch empfangen. Die „Jazz-Band“ von „Uwes Musikschule“ und die Jugend-Band „Boundless“ spielten. Das Familienunternehmen zeigte sich erfreut darüber, zum zweiten Mal bei der Wirtschaftsnacht dabei sein zu können, wie Anja Mönck als eine der Geschäftsführerinnen sagte. Höhepunkt für die Gäste war der Flugsimulator. Mit einem Anschaffungswert bis zu 200 000 Euro steht er der Öffentlichkeit nicht jeden Tag zur Verfügung. Nun aber lud Geschäftsführer und Ausbildungsleiter Reinhard Krüger persönlich die Besucher zu simulierten Flügen ein.

Für Renate und Eugen Ziegenhagen ging es tatsächlich in die Luft: Sie hatten einen Gutschein für einen halbstündigen Rundflug für sich und den Enkel Tobias Neun von den Kindern zur Goldenen Hochzeit bekommen.

Bei „Ardex“ ging es im Flugsimulator auf kleine Weltreisen. Quelle: Sandy Kersting

Zum ersten Mal war bei der Langen Nacht der Wirtschaft die Kyritzer Wohnungsbaugesellschaft (WBG) dabei. „Wir haben uns heute um die Kinder gekümmert“, berichtete Geschäftsführerin Gabriele Schuster. Eine aufblasbare Hüpfburg und viele Bastelaktivitäten zogen etliche junge Familien an.

Der WBG zur Seite standen die Firmen Rohrreinigungsservice Flöter und ZTK Zaun- und Tiefbau. Flöter-Geschäftsführer Bastian Richter hatte drei Wildschweine mitgebracht, die zur Feier des Tages bis auf das letzte Stück Fleisch verzehrt wurden. Laut Hobby-Jäger Richter galt die Aktion zugleich als Betriebsfeier, zu der fast 70 Kunden eingeladen waren. Es kamen aber auch immer wieder junge Gäste, die auf der Suche nach einer Lehrstelle sind oder sich einfach nach den Möglichkeiten erkundigen wollten.

Bei „Flöter“ wurde die Gelegenheit gleich für eine ganze Betriebsfeier genutzt- Quelle: Sandy Kersting

Derweil ging es bei der Mosterei Wietz an der Pritzwalker Straße um ganz andere Fragen: „Man brate durchwachsenen Speck an und dünste ihn mit Zwiebel, dann gibt man den Tomatensaft der Mosterei hinzu, verfeinert alles mit Oregano und gibt zu guter Letzt Reis dazu. Fertig ist die perfekte Tomatensuppe“, plauderte dort die Kyritzerin Gertrude Schönfeld aus dem Nähkästchen. Sie war neun Jahre lang Angestellte im Unternehmen und lasse sich keine Gelegenheit entgehen, immer wieder vorbeizuschauen. Selbst am späteren Abend noch waren die Führungen, die Geschäftsführer Matthias Wietz gab, sehr gut besucht. Beliebt waren ein Quiz mit leckeren Gewinnen und die Verkostung von Säften, Nektar und Weinen.

Alle Teilnehmer im Überblick

Zwölf Unternehmen öffneten am Sonnabend von 16 bis 21 Uhr ihre Tore. Abgesehen von den Neustädter Gestüten machten dabei dieses Mal zwar durchweg Kyritzer Firmen mit. Dennoch ist es eine Aktion für die Kleeblatt-Region, denn all ihre Beschäftigten leben in der Umgebung. Und diese bildet den Kommunalverbund „Kleeblatt“, dem Kyritz, Gumtow, Neustadt und Wusterhausen angehören.

Neben der Erklärung von Produktionsabläufen standen allerorten auch Musik und kulinarische Spezialitäten auf dem Programm.

Teilgenommen haben in Kyritz neben der Emsland-Stärke die Reo AG, die Flugschule Ardex und Ardex-Werft, Mosterei Wietz, das Lagerhaus Baro, der Rohrreinigungsservice Flöter, die Firma ZTK Zaun- und Tiefbau, die Kyritzer Wohnungsbaugesellschaft, Alutrim und die Stephanus-Stiftung sowie in Neustadt das Brandenburgische Haupt- und Landgestüt.

Gemeinsam mit der Regionalentwicklungsgesellschaft Nordwest-Brandenburg (REG) hatten die Kyritzer Wirtschaftsförderung und alle Unternehmen den Abend von langer Hand vorbereitet. Wie REG-Wirtschaftsförderer Christian Fahner am Rande der Veranstaltung sagte, ist auch für 2019 wieder alles möglich, dem Zweijahresrhythmus folgend. Bis es aber wieder heißt „kommen, sehen, staunen, weitergehen und weiterstaunen“ lasse man nun erst mal alles in Ruhe Revue passieren.

„Kommen noch mal so viele? Das fragten wir uns vorab“, sagte Bürgermeisterin Nora Görke schon zur Eröffnung: „Warum nicht? Es gibt ja nicht nur dasselbe wie 2015 zu sehen.“ Und augenscheinlich kamen am Ende sogar deutlich mehr als damals. Peter Wöhlbrandt vom Stärkewerk brauchte nur die kistenweise ausgegebenen Kittel zu zählen. Es waren 470.

Von Matthias Anke und Sandy Kersting

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