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Ostprignitz-Ruppin Die „bessere Hälfte“ der Reformation
Lokales Ostprignitz-Ruppin Die „bessere Hälfte“ der Reformation
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02:15 24.04.2017
Mit Saxofon und Bassklarinette untermalte Rolf Römer (r.) das Programm musikalisch. Er interpretierte auch Stücke aus dem 16. Jahrhundert, also Luthers Zeit. Quelle: Christian Bark
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Wittstock

Kurz nach seiner Hochzeit mit ihr schrieb der Reformator Martin Luther 1525, dass er seine Ehefrau Katharina von Bora, nun Luther, „sehr gerne“ habe. Ein Jahr später bezeichnete er sie schon als „geliebtes Weib“. Dass die damals 26-jährige ehemalige Nonne in sein Leben getreten und seine Frau geworden war, dürfte für den unordentlichen 41-jährigen Junggesellen Luther eine echte Bereicherung gewesen sein. Das vermittelte zumindest die Lesung über „Mein Herr Käthe oder Luthers bessere Hälfte“ am Donnerstagabend im Grünen Salon der Wittstocker Stadtbibliothek.

Georgia Arndt begrüße die Künstler und Gäste in der Bibliothek. Quelle: Christian Bark

Dabei informierte die Berliner Schauspielerin Marina Erdmann im ersten Teil über das Leben der, wie sie später genannt wurde, „Lutherin“. Von Katharinas Erziehung in verschiedenen Klöstern, von ihrer Flucht nach Wittenberg, von ihrer Ehe mit Martin Luther und den vielen Mühen, die sie für ihren Mann auf sich genommen hatte. So sei Katharina neben einer Hausfrau und Mutter auch Bäuerin, Gärtnerin, Imkerin und sogar Bierbrauerin gewesen. Im Schatten ihres Mannes hatte die gebildete Frau aber durchaus Möglichkeiten, sich fortzubilden, an Tischgesprächen des Reformators und seiner Studenten oder anderer Gelehrter teilzunehmen. So soll Luther seine Frau respektvoll „Mein Herr Käthe“ genannt haben.

„Im Haus der Luthers in Wittenberg war immer etwas los“, berichtete Marina Erdmann. Neben Verwandten hatte Katharina auch Studenten, Reisende und Freunde zu versorgen – während Luther am Tisch predigte oder sich ins Studierzimmer zurückzog. Marina Erdmanns Passagen wurden immer wieder von musikalischen Einlagen untermalt. Mal am Sopran-, mal am Tenorsaxofon, mal an der Klarinette spielte Musiker Rolf Römer Klassisches aus Luthers Zeit, aber auch eigene Stücke. „Die Musik soll Empathie zum Text und zum Vortragenden herstellen“, sagte Rolf Römer. So wiederholte sich Luthers Totenthema auch kurz zur Nachricht über Katharinas Tod 1552.

Die starke Frau hinter dem großen Reformator

1499 wurde Katharina von Bora wohl in Lippendorf bei Leipzig geboren. Bereits mit fünf Jahren kam sie ins Kloster Brehna. 1509 wechselte sie in ein Zisterzienserinnenkloster bei Grimma. Dort lernte sie neben Lesen und Schreiben auch die Heilkunst.

Luthers Wittenberger Beschlüsse ermöglichten es Geistlichen, das Kloster zu verlassen und eine Familie zu gründen. Katharina floh 1523 aus dem Kloster nach Wittenberg.


In Wittenberg
lernte sie Martin Luther kennen, den sie 1525 heiratete. 1526 kam der erste gemeinsame Sohn Johannes zur Welt. Ihm folgten sechs weitere Kinder. Als Hausfrau, Gesprächspartnerin und geliebte Ehefrau unterstützte sie ihren Mann.

Nach Luthers Tod 1546 musste sie sich dessen Erbschaft erst einklagen. Der Schmalkaldische Krieg (1546/47) vernichtete ihre Existenz. Sie starb 1552 verarmt in Torgau.

Nach Luthers Tod war Katharina, wie Marina Erdmann berichtete, nahezu mittellos zurückgeblieben – obwohl das Testament ihres Mannes sie als Erbin vorgesehen hatte. Das sei allerdings nicht mit damaligem Recht vereinbar gewesen und so hatte Katharina um ihr Erbe und das Erziehungsrecht ihrer Kinder klagen müssen – letztlich erfolgreich. Allerdings machte der Witwe der kurz darauf wütende Schmalkaldische Krieg zu schaffen. Durch kaiserliche Truppen sei ihr gesamter Besitz zerstört worden. Auf der Flucht nach Torgau war Katharinas Kutsche von der Straße abgekommen, bei dem Unfall brach sich die 53-Jährige einen Beckenknochen und verstarb in Folge der Verletzung einige Wochen später in Torgau. „Das Sterbehaus beherbergt heute das einzige Katharina-von- Bora-Museum der Welt“, informierte Marina Erdmann.

Marina Erdmann las einen fiktiven Monolog der Katharina von Bora. Quelle: Christian Bark

Im zweiten Teil der Lesung trug die Schauspielerin einen fiktiven Monolog der Katharina von Bora vor. „Bist Du sicher, Martinus?“ wurde von der Autorin Christine Brückner verfasst. „Der Monolog hatte mich eigentlich zur Idee dieser Lesung geführt“, blickte Marina Erdmann nach der Lesung im MAZ-Gespräch zurück. Sie habe unbedingt etwas zum Reformationsjahr 2017 auf die Beine stellen wollen, dann sei ihr der Monolog zu Katharina von Bora eingefallen. Um das Programm auszuschmücken, habe sie im ersten Teil Biografisches zusammengetragen und den Zuhörern vermittelt. Die Musik Rolf Römers sei das sinnliche Element gewesen. Der Monolog beinhaltete amüsante und nachdenkliche Szenen zugleich und endet mit der Erkenntnis der „Lutherin“, ihr Herz einem schlafenden Martin Luther ausgeschüttet zu haben.

Die Veranstaltung in Wittstock markierte den Auftakt einer folgenden Lesereihe über Katharina von Bora, wie Marina Erdmann sagte. So soll es demnächst auch eine Lesung in Wittenberg geben.

Wittstocks Bibliotheksleiterin Georgia Arndt bedankte sich bei den Künstlern und zeigte sich zufrieden, dass gerade diese Facette des Reformationsjahres beleuchtet worden war.

Von Christian Bark

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