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Die gute Seele des Waldfriedhofes Köpernitz

Ein Paradies für die Toten Die gute Seele des Waldfriedhofes Köpernitz

Der Köpernitzer Waldfriedhof ist idyllisch gelegen und hat zudem eine spannende Historie. Einst hat ihn die Gräfin de la Roche Aymon anlegen lassen – sie wurde auch dort begraben, nachdem sie lange Zeit das Gut Köpernitz geführt hatte. An ihrem Grab stehen immer frische Blumen – dafür sorgt Hermann Relitz, der sich auch sonst um das Wohl und Wehe des Ruheplatzes bemüht.

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Hermann Relitz zieht es immer wieder an den idyllischen Ort der Ruhe.

Quelle: Regine Buddeke

Köpernitz. Wer nach Hermann Relitz sucht, findet ihn meist auf dem Friedhof. Dort fühlt sich der 79-Jährige schon fast wie zu Hause – das lauschige Fleckchen Erde ist ihm ans Herz gewachsen wie sonst kaum etwas. Jahre über Jahre hat er geharkt und gezupft, gemäht und gestutzt. Steine geschleppt, Gras gesät und Gräber geschmückt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – der Köpernitzer Waldfriedhof ist ein Gottesacker, der seinesgleichen sucht. Zwischen Köpernitz und Heinrichsfelde, idyllisch inmitten des Waldes gelegen, mit uralten Tannen bestanden und von einer Feldsteinmauer umgeben, strahlt er Ruhe und Frieden aus. Auch für Hermann Relitz.

Der Eingangsstein wurde dank Spendengeldern aufgestellt

Der Eingangsstein wurde dank Spendengeldern aufgestellt.

Quelle: Buddeke

„Früher habe ich mich um den ganzen Friedhof gekümmert“, erzählt er. Jetzt erledige das der Rheinsberger Bauhof. Hermann Relitz kann es trotzdem nicht lassen, weiter Hand anzulegen. Zu jedem Grab kann er etwas erzählen. Das Wichtigste ist ohne Frage das der Gräfin de la Roche Aymon, einer geborenen von Zeuner, die den Friedhof im Laufe ihrer Regentschaft in Köpernitz hat anlegen lassen. 33 Jahre lebte und wirkte die Gräfin nach der Trennung von ihrem Mann auf dem Gut, der ehemaligen Bredow’schen Meierei und kronprinzlichem Vorwerk. Nach ihrem Tod im Jahre 1859 wurde sie auf ebenjenem Wald-Friedhof begraben. Hermann Relitz hat immer dafür gesorgt, dass am Fuße des Kreuzes der Gräfin Goldhaar, wie sie genannt wurde, ein paar frische Blumen blühten. Auch eine Angestellte der Gräfin ist dort begraben – ein wenig versteckt liegt das Grab im Schatten eines Baumes. Rings um das Kreuz der Gräfin und auch dahinter ruhen andere aus dem Geschlecht der von Bredows und von Zeuners.

Ein wunderbarer Ort des Friedens

Ein wunderbarer Ort des Friedens.

Quelle: Buddeke

Der Grabstein Auguste von Zeuners ist oben abgebrochen: „Sie hatte nur ein kurzes Leben“, sagt Bernd Donner, sich historisch genauso auskennt wie Relitz, über die Gattin des Rittergutsbesitzers und stellvertretenden Landrats Ferdinand von Zeuner. Der übrigens nach Augustes Tod deren Schwester Berta ehelichte. Nun ruht er zwischen beiden. Donner hat sich intensiv mit der Geschichte des Gutes befasst, sucht immer nach neuen Fakten – als Chef des Vereins „Köpernitzer Kulturguthaus“ ist ihm jedes Detail wichtig, das im Zusammenhang steht mit der Gräfin, dem Gut oder Fontane, der auch im Gutshaus verweilte und in seinen „Wanderungen“ erwähnte. Den Friedhof kennt er bestens. Er weiß, dass der Landrat später Augustes Schwester Berta geheiratet hat. Auch, dass Ferdinand von Bredow etwa 1929 Chef der Neuruppiner Garnison und später Chef der Berliner Reichswehr war und 1934, nach Hitlers Machtergreifung bei der „Nacht der langen Messer“ ermordet wurde. „Er musste an einem geheimen Ort beerdigt werden, weil Hitlers Macht noch zu instabil war und man Aufruhr im Militär fürchtete“, erklärt Donner. Der geheime Ort war Köpernitz. Sein Sohn Carl-Hasso hat die Geschichte seines Vaters keine Ruhe gelassen. „Er hat mit uns gemeinsam recherchiert“, erzählt Donner. „Und wollte ebenfalls hier begraben werden.“ Er war Mitglied im Förderverein, deshalb kümmert sich der Verein auch weiter um die Gräber. Etwa das kleine Kindergrab, von dem keiner weiß, woher es kam. Nicht einmal zwei Jahre hat Ella Etienne gelebt. Oder die Steine der eingeebneten Gräber: Hermann Relitz hat sie allesamt an der langen Feldsteinmauer aufgereiht – wie eine Perlenkette. Apropos Mauer: „Die Arbeiter haben die Steine von überallher mit Karren gebracht. Angesichts der Größe des Friedhofs eine Sisyphos-Arbeit.

Auch die Steine der eingeebneten Gräber bewahrte Hermann Relitz auf

Auch die Steine der eingeebneten Gräber bewahrte Hermann Relitz auf.

Quelle: Buddeke

„Wir haben hier einen der schönsten Waldfriedhöfe Brandenburgs“, schwärmt Bernd Donner. Nicht von ungefähr war auch Fontane davon begeistert. „Wenn Hermann ihn nicht all die vielen Jahre gepflegt hätte, wäre er völlig verwildert.“ Es gibt – so Relitz – viele, die hier begraben werden wollen. Auch er selbst möchte einst hier ruhen. Den Stein hat der Ur-Köpernitzer, der aus einer der alten Ziegeleimeister-Familien stammt, bereits aufgestellt. Zuvor behütet er jedoch die anderen Gräber – etwa das seines Großvaters: „Den darf hier keiner wegmachen – da passe ich auf.“

Von Regine Buddeke

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