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„Die klinische Ausrichtung kommt sehr gut an“

Neuruppin „Die klinische Ausrichtung kommt sehr gut an“

Chefarzt Gerhard Danzer (60) leitet die Psychologie-Studiengänge der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB). Im MAZ-Interview zieht er eine erste Bilanz nach drei Semestern und gibt einen Ausblick auf das Master-Studium, das ab dem Wintersemester an der MHB angeboten wird.

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Gerhard Danzer hat das praxisnahe Studium der Psychologie an der MHB mit initiiert.

Quelle: Mischa Karth

Neuruppin. Chefarzt Gerhard Danzer (60) leitet die Psychologie-Studiengänge der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB). Im MAZ-Interview zieht er eine erste Bilanz nach drei Semestern und gibt einen Ausblick auf das Master-Studium, das ab dem Wintersemester an der MHB angeboten wird.


MAZ:
Professor Danzer, was spricht für ein Psychologie-Studium an der Medizinischen Hochschule Brandenburg?

Gerhard Danzer: Ich denke, es gibt zwei Aspekte, bei denen wir ein gewisses Alleinstellungsmerkmal haben. Zum einen achten wir darauf, die Studierenden im Studium fundamentale merklich über den Tellerrand der eigenen Disziplin, der Psychologie, hinausschauen zu lassen. Im Studium fundamentale erhalten die Studierenden sehr verschiedene Lehrangebote aus den Bereichen Wissenschaft, Philosophie und Kunst, mit denen sie sich ein Semester lang auseinandersetzen. Zum anderen ist der Bachelor-Studiengang mit einer klinischen Ausrichtung versehen. Unsere Studenten kommen von der ersten Woche an mit Patienten in Kontakt. Es gibt jeweils einen „Kliniktag“ in jeder Woche des Semesters, an dem die Studierenden vormittags an Visiten und Anamnesegesprächen teilnehmen. Das beginnt damit, wie man einen Patienten begrüßt, verabschiedet oder ihm weniger erfreuliche Nachrichten überbringt. Am Nachmittag werden die Erlebnisse in der Gruppe eingeordnet und vertieft. Das Motto lautet „Learning by doing“. Den Kliniktag und die Praxisorientierung nennen fast alle Bewerber als gewichtigen Grund, an die MHB kommen zu wollen. Soweit ich weiß, sind wir in Deutschland die einzige Universität mit einem solchen kliniknahen Angebot im Psychologie-Studium.

Der Kliniktag macht ja nur einen Tag aus. Wie setzt sich die Studienwoche ansonsten zusammen?

Danzer: Vorlesungen im klassischen Sinne gibt es bei uns im Vergleich zu anderen Universitäten weniger. Ich lehre unter anderem an der Charité in Berlin und der Universität Potsdam. Dort sitzen in manchen Veranstaltungen bis zu 250 Studenten in einem Saal, das ist für mich eine klassische Vorlesung. An der MHB sind es, wenn alle Psychologie-Studierenden einer Kohorte zusammenkommen, 30 Personen. Dadurch kann eine Lehrveranstaltung hier viel interaktiver gestaltet werden. Hinzu kommen viele Seminare. Wir setzen zudem auf problemorientiertes Lernen, bei dem die Studierenden in Gruppen arbeiten und mit realen Fallgeschichten von Patienten konfrontiert werden.

Der erste Jahrgang der MHB hat gerade sein drittes Semester beendet. Was gab es bislang an Rückmeldungen?

Danzer: Wie bei einer jungen Universität und einem neuen Studiengang nicht anders zu erwarten, gab es organisatorische Mängel, die die Studierenden zum Teil zu Recht kritisieren. An dieser Stelle setzen wir jedoch auch auf Eigeninitiative. Die Studierenden können hier nicht nur etwas bemängeln, sondern in Gremien und Arbeitsgruppen die inhaltlichen und formalen Gesichtspunkte ihres Studiums wie auch der gesamten Universität mitgestalten. Die klinische und praxisorientierte Ausrichtung des Psychologie-Studiums an der MHB kommt beinahe unisono sehr gut an. In den ersten drei Semestern haben uns jedenfalls nur wenige Studierende verlassen – verglichen mit Massenuniversitäten eine überschaubare „Drop-out-Quote“.

Im Herbst startet nun der erste Masterstudiengang. Unter welchen Vorzeichen steht er?

Danzer: Diesen zu etablieren, ist eine Herausforderung, weil sich die Absolventen eines Master-Studiengangs in der Regel aus den eigenen Bachelor-Absolventen zusammensetzen. So weit sind unsere Bachelorstudenten aber noch nicht. Die MHB muss sich daher für den Master-Studiengang erst einmal einen Namen in der Universitätslandschaft der Republik erarbeiten. Da wir jedoch auch beim Master-Studiengang auf eine kleine Gruppengröße und eine klinische Ausrichtung achten, sind wir zuversichtlich, ähnlich wie im Bachelor erfolgreich starten zu können.

Welche Rolle spielt der Standort Brandenburg?

Danzer: Wir nennen die MHB gerne eine Non-Metropolen-Universität. Es geht darum, den Studierenden während des Studiums zu vermitteln, dass es sich lohnt und inhaltlich gehaltvoll ist, in einem ländlichen Raum zu arbeiten und sich dort womöglich auch niederzulassen. Bei der Versorgung mit Medizinern und Psychologen gibt es stellenweise Defizite in den ländlichen Regionen von Brandenburg. Die wollen wir versuchen zu füllen – wobei wir zufrieden sind, wenn diese Defizite mithilfe unserer Studiengänge Psychologie und Medizin an der MHB etwas gemildert werden. Der Kliniktag findet übrigens nicht nur hier an den Ruppiner Kliniken statt, sondern auch in anderen Rehabilitationseinrichtungen des Landes Brandenburg wie etwa den Psychosomatik-Kliniken in Lindow und Neu Fahrland.

Interview: Mischa Karth


Interview: Mischa Karth

Von Mischa Karth

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