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Ostprignitz-Ruppin Die vergessene Kyritzer Lokalprominenz
Lokales Ostprignitz-Ruppin Die vergessene Kyritzer Lokalprominenz
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00:18 11.03.2016
Helmut Wagner recherchiert für Ausstellungen des Heimatvereins oft in Archiven. Quelle: André Reichel
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Kyritz

Der Kyritzer Heimatverein zeigt in einer neuen Ausstellung in der Heimatstube am Marktplatz die vergessene Lokalprominenz. Insgesamt 13 Biografien von Persönlichkeiten aus mehr als vier Jahrhunderten, die entweder aus Kyritz und Umgebung stammten, oder zumindest dort eine Zeit lang lebten und wirkten, werden in dieser Ausstellung präsentiert. Den Anstoß für dieses Vorhaben gab die im Dezember vergangenen Jahres verstorbene Vereinsvorsitzende, Dorte Schmeissner. „Sie erarbeitete auch die ersten Lebensläufe“, berichtete Helmut Wagner vom Heimatverein. „Doch für eine komplette Ausstellung reichten die bei weitem nicht aus.“. Monatelang forschten die passionierten Heimatfreunde nach weiteren bekannten Kyritzern und wurden auch fündig.

Die Lebensdaten von Hans Christoph Graf von Königsmark hatte noch Dorte Schmeissner zusammengetragen. Sie sind die älteste Biografie in diesem Reigen. Der am 4. März 1600 in Kötzlin geborene Adlige legte im 30-jährigen Krieg eine steile Kariere in der schwedischen Armee hin. 1631 trat er als Hauptmann in den schwedischen Kriegsdienst ein. Als der Krieg 1648 endete, war von Königsmark bereits Generalgouverneur und wurde in den erblichen schwedischen Grafenstand erhoben. Am 8. März 1663 starb Hans Christoph Graf von Königsmark am königlichen Hof in Stockholm.

Wilhelm Rünger Quelle: Reichel

Manche Recherchen, wie die zum Leben von Hieronymus Freyer, gestalteten sich für die Heimatforscher recht einfach. „Im Internet haben wir rasch alles über ihn gefunden“, berichtete Angela Städeke-Karaviday. Hieronymus Freyer wurde am 22. Juli 1675 in Gantikow als Sohn des dortigen Pfarrers geboren und gilt als Begründer der deutschen Rechtschreibung. Am 15. Juni 1747 stirbt Freyer 71-jährig in Halle. In seiner Heimat ist er allerdings in Vergessenheit geraten, wie auch viele andere.

Viel komplizierter gestaltete sich die Recherche zu Wilhelm Rünger. „Wir wussten auch nur, dass er einst Bürgermeister war und eine Promenade im Rosenpark nach ihm benannt ist“, sagte Helmut Wagner. Nach langer Suche wurde der Heimatfreund schließlich im eigenen Privatarchiv fündig. Zwei Artikel aus dem Kreisblatt aus dem Jahr 1931 berichteten darin von der Verabschiedung Wilhelm Rüngers als Bürgermeister der Stadt Kyritz. Nach weiteren Recherchen konnte schließlich der Lebensweg Rüngers nachgezeichnet werden. Das Licht der Welt erblickte Wilhelm Rünger am 4. Juni 1866 in Schönfeld in der Neumark. Im Alter von 32 Jahren kam Rünger schließlich nach Kyritz, wo er sich um die Bürgermeisterstelle bemühte und letztlich aus 100 Bewerbern von den Stadtverordneten am 1. Juli 1898 gewählt wurde. In seiner Amtszeit wurde das bis heute stadtbildprägende Gebäude der Goethe-Grundschule errichtet. Bis zu seinem Tod am 19. Dezember 1939 blieb Wilhelm Rünger in Kyritz. Die Grabstätte seiner Familie befindet sich noch heute auf dem Kyritzer Friedhof. Ein Foto des ehemaligen Bürgermeisters war bis dahin nicht zu beschaffen, erinnert sich Helmut Wagner. Eine Nachfrage im Kreisarchiv in Neuruppin wurde nie beantwortet, bedauert er. Doch nach einem Aufruf in der MAZ meldete sich der 96-jährige Paul Schönemann, ein ehemaliger Kyritzer. Er hatte noch Kontakt zu den in Erlangen lebenden Enkeln von Wilhelm Rünger, die ein Foto schickten, das nun in der Ausstellung zu sehen ist.

Hieronymus Freyer Quelle: Reichel

Am schwierigsten gestaltete sich allerdings die Recherche zu Fritz Albert Leutke, der von 1929 bis 1959 in Kyritz Superintendent war. „Bis heute ist sein Lebenslauf sehr lückenhaft geblieben“, sagte Helmut Wagner. Bekannt ist nur, dass Leutke am 31. Dezember 1893 geboren wurde. Informationen zum Geburtsort, zu seinen Eltern, sowie zur Schulzeit gibt es nicht. „Es war auch nicht herauszubekommen, wann Leutke gestorben ist und wo er begraben liegt“ ,sagte Wagner.

Schwierig gestaltete sich noch so manch andere Recherche zur vergessenen Lokalprominenz. Wagner und die anderen Mitglieder vom Heimatverein wollen auf jeden Fall weiter forschen und noch so manche Ausstellung für heimatgeschichtlich interessierte Kyritzer erstellen.

Von André Reichel

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