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Ostprignitz-Ruppin Dienstleisterin auf dem Dorf
Lokales Ostprignitz-Ruppin Dienstleisterin auf dem Dorf
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00:17 03.09.2016
Yvonne Tratz mit ihrem Pferd „Tennessee“. Quelle: FOTO: privat
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Karwesee

Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde – das würde Yvonne Tratz aus Karwesee unterschreiben. Als sie noch in Berlin lebte, hielt sie Ausschau nach jemandem, der Westernreiten anbot. Sie stieß auf Etienne Hirschfeld in Brunne. Das war vor 14 Jahren. Reiten war ihr Ding, ein eigenes Pferd musste nicht sein. Das änderte sich, als Etienne Hirschfeld sie ansprach, er habe ein Pferd, das wie gemacht sei für sie. Das war Pinto „Tennessee“. Dass er sie zu dem Kauf überredet hat, dafür ist sie ihm noch heute dankbar. Ihrem Pferd hat sie ihren Umzug nach Karwesee zu verdanken. Lange suchte sie nach einem geeigneten Haus, das maximal eine Stunde entfernt von Berlins sein sollte. „Tennessee“ stand in Brunne, sie lebte in Berlin.

Das Wunschhaus in Karwesee gefunden

Die Suche gestaltete sich schwierig. Als sie schon nahe dran war aufzugeben, kam das Angebot in Karwesee. „Das Haus sah genauso aus, wie das, was ich mir immer vorgestellt hatte“, sagt die 59-Jährige. Seit 2009  hat sie nun ihr zu Hause in dem Luchdorf. „Jeden Tag bin ich im Glück“, sagt Yvonne Tratz. Ein Blick in den großen Garten, die Weite der Landschaft, die sie an ihre norddeutsche Heimat erinnert, und die Nähe zu ihrem Pferd: Sie hat ihren Traum gefunden.

Über „Tennessee“ kam sie auch zu ihrem Nebenjob, einem Pferdedeckenservice. Die meisten Reiter besitzen Pferdedecken. Und die müssen hin und wieder gewaschen werden. Auch die von „Tennessee“. Eine große Behinderteneinrichtung in Berlin bot diesen Service an. Wartezeit: drei Monate. So lange warten wollte Yvonne Tratz nicht und suchte eine Alternative.

Nebenjob gesucht und gefunden – eine Pferdedeckenreinigung

„Ich habe noch etwas gesucht für die Zeiten, in denen ich nicht beim Film arbeite“, sagt die selbstständige Kamerafrau. So entstand die Idee, eine Pferdedeckenwäscherei aufzumachen. Seit Ende 2013 bietet sie nun diesen Service an. Sie schaffte eine Industriewaschmaschine an. „In eine Sechs-Kilogramm-Maschine passen die Decken nicht“, sagt sie. Außerdem wolle man nicht unbedingt in einer Maschine die eigene Wäsche und die des Pferdes waschen. Bevor sie die Maschine anstellt, ist zumeist Handarbeit gefragt. Sie reinigt die Decken zunächst vom groben Dreck – „manchmal kleben noch Reste von Pferdeäpfeln dran“ – und von Pferdehaaren. Nach dieser Vorarbeit werden die Textilien mit speziellem Waschmittel gereinigt. Auch das Neu-Imprägnieren von Regendecken und das Ausbessern der Textilien hat Yvonne Tratz gelernt. Der Bedarf für diese Dienstleistung ist da, hat sie festgestellt. Allerdings steht sie häufiger vor einem Transportproblem. „Die Leute fahren nicht für drei Decken nach Karwesee.“Auch dafür hat sie Abhilfe geschaffen und einen Abgabeort in Berlin eingerichtet. Zu Beginn ist sie mit ihren Flyern, die das Konterfei ihres Pferdes schmücken, rumgefahren und hat sie auf Reiterhöfen ausgelegt.

Im Hauptberuf Kamerafrau

Von dem Job leben kann sie nicht, auch wenn der Kundenstamm wächst. Dass will sie auch nicht, dafür liebt sie ihren erlernten Beruf viel zu sehr. Über die Fotografie kam die gebürtige Hamburgerin zum Film. Nach einem Praktikum bei der Deutschen Wochenschau arbeitete sie zunächst als Assistentin. Sie hat die beliebte Serie „Die drei Damen vom Grill“ mit gedreht, später als Kamerafrau dann unter anderen den Zweiteiler „Die Sturmflut“ mit Jan Josef Liefers und Benno Fürmann gedreht. Yvonne Tratz hat die Erfahrung gemacht, dass die Umgänglichkeit mit den Schauspielern steigt, je bekannter sie sind, jedenfalls im Regelfall. Fürs Kino hat die 59-Jährige noch nie gedreht. Das kennt sie nur aus der Zuschauerperspektive. Und aus der Sicht will sie nach einem Film rauskommen und sagen „Die Welt ist schön.“

Für diese Weltsicht muss sie nicht ins Kino gehen. Dafür reichen ihr Zuhause in Karwesee und die Ausritte mit „Tennessee“.

Von Dagmar Simons

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