Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 8 ° bedeckt

Navigation:
Diese Baustelle sorgt für das reinste Chaos

Ignoranz und problematische Ampelschaltung Diese Baustelle sorgt für das reinste Chaos

Die Einwohner von Schweinrich (Ostprignitz-Ruppin) haben jahrelang um eine neue Straße gekämpft, nun sind sie angesichts der Bauarbeiten am Ende ihrer Geduld. Der Durchgangsverkehr ignoriert die Umleitung und macht Seitenwege zu Hauptverkehrsstraßen, zu allem Überfluss sorgt eine Baustellenampel für Chaos.

Voriger Artikel
95. Korsofahrt lockt Tausende zum Rhin
Nächster Artikel
Leidenschaft trifft Experimentierfreude

Im September soll die Baustelle in Schweinrich beendet werden.

Quelle: Claudia Bihler

Schweinrich. Die Baustellenampel schaltet Grün. Zündung, Der Fahrer dreht den Zündschlüssel, legt den Gang ein, fährt los. Doch kaum hat sich das Fahrzeug in Bewegung gesetzt und ist um die Kurve am Schweinricher Schullandheim herum gefahren, trifft Gegenverkehr ein. Gestikulierend sitzt die Fahrerin des entgegenkommenden Fahrzeugs am Steuer, schimpft, zeigt auf die Baustellenampel, die hinter dem anderen Pkw liegt. Sie weiß allerdings nicht, dass dessen Fahrer kein Rotlicht überfahren, sondern sich korrekt verhalten hat.

„Eine typische Szene“, meint Schweinrichs Ortsbürgermeister Armin Stutz, der gleich eine weitere Geschichte beisteuert: „Zwei ältere Damen sind aus Richtung Wittstock unterwegs. Während die eine langsam vorneweg fährt, bewegt sich die andere ebenso langsam hinter ihr her. Dann kommt ihnen nach der Kurve ein 40-Tonner entgegen.“ Stutz lässt das Ende der Geschichte offen. Resümiert dann aber gleich darauf: „Die Baustelle ist das reine Chaos. Die Baustellenampel schaltet an beiden Enden gleichzeitig grün, der Verkehr aus Richtung Zootzen ist völlig ungeregelt. Und die Schilder für die Umleitung sind auch sinnlos. Mit den Kosten, die für die Schilder und die Jobs zum Aufstellen gebraucht wurden, hätte man ein paar weitere Kilometer Straße bauen können.“

Schweinrich ist noch bis nächsten Monat „aufgewühlt“

Schweinrich ist noch bis nächsten Monat „aufgewühlt“.

Quelle: Claudia Bihler

Viele Schweinricher haben die Nase voll von der Baustelle, die durchs Dorf führt – nicht nur ihr Ortsbürgermeister ist verärgert. Seit Wochen ist der Ort für den Durchgangsverkehr eigentlich gesperrt. „Aber so viele Anlieger wie jetzt hatten wir noch nie“, sagt eine Anliegerin in einer der Seitenstraßen: „An die Umleitung hält sich sowieso niemand.“ Hamburg, Cuxhaven, Köln, Ludwigslust: Die Kennzeichen der vorbeifahreneden Autos unterstreichen das Gesagte.

Auf dem Weg von Wittstock in Richtung Seenplatte verzichten viele darauf, die weiträumige Umleitung zu benützen, die ausgewiesen wurde. Immerhin führt der Weg zwischen Schweinrich und Alt Lutterow dann über Wittstock, Herzsprung, Rägelin, Steinberge und Dorff Zechlin – weil Schweinrich auf der einen Seite von der Kyritz-Ruppiner Heide und auf der andere vom Dranser See umgeben ist. „Das hätte man sich allerdings vorher überlegen können“, meint ein weiterer Anwohner. Der ist eigentlich froh, dass gebaut wird. Der Straßenlärm der vergangenen Jahre habe sogar den Lärm übertroffen, der früher einmal vom Schießplatz ausgegangen sei: „In den letzten Jahren war hier so viel Lkw-Verkehr, dass eigentlich alle Häuser im Dorf Risse aufweisen.“

Der Straßenverlauf und der Gehweg  vor der Kirche ist  deutlich entschärft

Der Straßenverlauf und der Gehweg vor der Kirche ist deutlich entschärft.

Quelle: Claudia Bihler

Dass derzeitige Chaos mit dem Durchgangsverkehr durch Schweinrich hätte laut Anliegermeinung aber mit einer besseren Koordination vermieden werden können. Vor allem hätten die zuständigen Planungsbehörden sich erst überlegen müssen, in welcher Reihenfolge man das Thema Dorfstraße durch Schweinrich abarbeite: „Man hätte erst die neue Straße bauen und sie erst anschließend als Landesstraße ausweisen sollen.“ Doch für den Straßenbau wurden erst nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit den Geldgebern die nötigen Mittel bereitgestellt: „Da war der Lkw-Verkehr bereits im Dorf.“ Eine Anliegerin wünscht sich gar die Zeiten zurück, als der Schießplatz noch komplett gesperrt war: „Wäre das so geblieben, hätten wir nicht mal eine neue Straße gebraucht.“

Zufriedenheit gibt es im Dorf derzeit nur dort, wo die Straße bereits fertig asphaltiert, aber wegen Restarbeiten noch gesperrt ist. Dort herrscht ungewöhnliche Ruhe. Ein Anlieger kehrt versonnen Kies zwischen die Fugen des frisch verlegten Pflasters vor seinem Grundstück. „Ich finde die Baustelle ganz hervorragend“, meint er und kehrt den Kies in die andere Richtung: „Wegen mir kann das mit der Baustelle noch ein ganzes Jahr so weitergehen.“

Dieser Wunsch wird sich für ihn kaum erfüllen. Der Landesbetrieb Straßenwesen hat gerade bekannt gemacht, dass der Bau bereits im September und nicht im Oktober beendet werde. „Dann werden hoffentlich unsere Häuser nicht mehr wackeln“, meint eine Schweinricherin, „weil die Lkw dann über einen glatten Belag fahren.“

Von Claudia Bihler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg