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„Dirty Dancing“ machte es möglich

Zempow „Dirty Dancing“ machte es möglich

Der Schauspieler Matthias Dittmer hat ein altes Haus in Zempow zu Ferienwohnungen umgebaut. Um das zu realisieren, spielte auch der Filmhit „Dirty Dancing“ eine Rolle, wie er im MAZ-Interview erzählte.

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Matthias Dittmer an seinem Ferienhaus.

Quelle: Björn Wagener

Zempow. Tatort, Polizeiruf 110, Alarm für Cobra 11, Das Traumschiff, Hinter Gittern – seit Anfang der 1980er Jahre ist Matthias Dittmer (62) immer wieder in vielen Serien, aber auch Kino-Filmen zu sehen. Was nicht jeder weiß: Wer möchte, kann bei dem Schauspieler sogar wohnen. In Zempow, dem Wittstocker Ortsteil, der am weitesten von der Kernstadt entfernt ist, hat er ein altes, marodes Haus zu Ferienwohnungen umgebaut. Wie er auf Zempow kam und welche Rolle dabei der Kino-Hit Dirty Dancing spielte, darüber sprach er jetzt in einem MAZ-Interview.

Herr Dittmer, Sie sind nicht nur Schauspieler, sondern auch Ferienhausbesitzer in Zempow. Wie kam es dazu?

Ich kam vor neun Jahren zum ersten Mal nach Zempow. Der Kontakt ergab sich über Ulrich Schnauder aus dem Dorf. Ich kenne ihn von früher aus Berlin und besuchte ihn eines Tages. Da machten wir erst einmal einen Spaziergang durch den Ort und kamen auch an diesem uralten Haus vorbei. Es war halb eingestürzt und ein Schandfleck in Zempow. Aber die Lage ist cool. Man hat einen tollen Blick, weil das Gelände hinter dem Haus abfällt.

Und da waren Sie Feuer und Flamme?

Ja, ich habe mich in das Objekt verliebt. Der ursprüngliche Plan war, dass ich es mit Helfern vor Ort Stück für Stück wieder aufbaue, um dort mit meiner Familie einzuziehen. Als Schauspieler gibt es Zeiten, in denen man nichts zu tun hat. Außerdem war dieser Gedanke auch nicht ganz neu für mich. Ich habe einmal über 14 Jahre hinweg ein Ferienhaus auf einer Insel bei Italien aufgebaut, auf der keine Autos fahren. Das Haus war ebenfalls eine Ruine. Ich dachte mir, was dort funktioniert hat, müsste doch hier auch gehen.

Das klingt nach echter Liebe zum Landleben.

Mein Traum war es immer, außerhalb von Berlin auf dem Land einen Ort des Rückzugs und der Erholung zu besitzen. Ich bin zwar im Westen groß geworden, aber ich stamme ja aus einer Ur-brandenburgischen Familie. Hinzu kommt, dass ich mit den Leuten vor Ort richtig gut klarkomme. Sie akzeptieren mich und ich sie. Wichtig war mir aber auch, dass es in anderer Hinsicht keine Probleme gibt. Die Mutter meiner Kinder ist Peruanerin, hat schwarze Haare und sieht etwas indianisch aus. Auch den Kindern kann man ihre südamerikanische Herkunft ansehen. Wenn ich auch nur das Gefühl hätte, sie könnten deshalb diskriminiert werden, würde ich mich niemals dort niederlassen. Genau dieses Gefühl hatte ich hier überhaupt nicht.

Dann stand dem Kauf also nichts mehr im Wege?

Es fand sich Schwamm im Keller, aber das Dachgebälk war gut. Das Haus sollte 12 000 Euro kosten. Ich bot 8200, weil ich weiß, dass man nicht gleich auf den ersten geforderten Preis eingehen sollte. Trotzdem war das Interesse des Maklers sofort da. Ich entschied mich dafür. Wir haben dann alles entfernt, bis auf das Holzskelett. Im Grunde haben wir das Haus noch einmal völlig neu gebaut. Anfangs stand auch immer noch der Plan, dort selbst einzuziehen.

Warum änderte sich das?

Das hat zwei gute Gründe. Ich übernahm zu dieser Zeit die Rolle des Vaters in der Bühnenshow „Dirty Dancing“. Das Casting fand in Berlin statt. Eleanor Bergstein, die das Drehbuch für den Filmerfolg schrieb, wollte mich unbedingt. Das hieß, ich verdiente zwei Jahre lang gut und bekam besser einen Kredit, was ansonsten schwierig ist, wenn man unstet beschäftigt ist. Das passte auch insofern, als dass ich von Andreas Bergmann aus Zempow von der Leader-Förderung erfuhr, einem Mix aus Mitteln des Kreises und der EU. Das ist eine geniale Sache. Damit konnte ich mein investiertes Eigenkapital um ein Vielfaches aufstocken. Voraussetzung war allerdings, dass ich das Haus zwölf Jahre lang nicht selbst nutze, sondern als Ferienhaus. Das Schöne war: Ich habe mit Leuten aus dem Dorf darüber gesprochen, und niemand empfand das als Konkurrenz. Man ging vielmehr davon aus, dass der Ort umso attraktiver wird, je mehr Anbieter es gibt. Man hat mir im ganzen Dorf ein Willkommen signalisiert.

Sind die Arbeiten inzwischen abgeschlossen?

Ja. In der Bauzeit habe ich guten Arbeitern auch Freikarten für „Dirty Dancing“ in der besten Preiskategorie geschenkt. Zehn Stück davon bekam ich pro Monat. Es gibt insgesamt vier Ferienwohnungen - eine davon befindet sich in einem später gebauten Holzhaus mit Garten, das fast so viel gekostet hat wie das Haupthaus. Dort gibt es auch eine Sauna. Das Ganze ist für Kinder sehr gut geeignet. Sie sind ja oft die Entscheider, wenn es um den Urlaub geht. Wo es den Kindern gefallen hat, da fahren auch die Eltern noch einmal hin.

Und nach der Sperrfrist?

Da würde ich eine Wohnung des Hauses gern privat bewohnen, aber wahrscheinlich eine Trennwand im Erdgeschoss wieder entfernen.

Könnten Sie sich auch vorstellen, in Zempow einen Film zu drehen?

Absolut. Es muss ja nicht immer alles in Berlin spielen. Es gibt hier so viele tolle Motive, wundervolle Wald- und Seenlandschaften. Ich wollte ja in Zempow auch eigentlich ein Filmprojekt für Kinder auf die Beine stellen, eine Art Mitmachfernsehen, bei dem Kinder die Filmarbeit kennenlernen, auch mal an der Kamera arbeiten und etwas über die Natur erfahren können. Aber die Zusammenarbeit mit dem anvisierten Sender kam dann doch nicht zustande. Einen anderen Partner fand ich nicht. Außerdem hatte ich mit einer schweren Krankheit zu kämpfen.

Sie haben in so vielen Serien und Filmen mitgewirkt. Gibt es noch eine Traumrolle?

Ja – meinen Kindern ein guter Vater zu sein.

Von Björn Wagener

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