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Ostprignitz-Ruppin Dohlen finden in Linum ein Zuhause
Lokales Ostprignitz-Ruppin Dohlen finden in Linum ein Zuhause
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08:25 29.03.2016
Dohlen stehlen Nistmaterial am Storchennest. Quelle: Norbert Schneeweiß
Linum

Die Linumer Naturschutzstation verwandelt sich immer mehr in ein Vogelhaus. Mittlerweile gibt es dort jährlich 200 Brutpaare. Weißstorch, Mehlschwalben, Haussperlinge, Schleiereulen und Dohlen besiedeln das Gebäude. Sie leben einträchtig miteinander und erledigen sogar manchmal ihr Brutgeschäft gemeinsam. „Im vorigen Jahr haben Schleiereule und Dohlen in einem Kasten gebrütet – die Schleiereule im hinteren, die Dohlen im vorderen Teil des Kastens“, erzählt Norbert Schneeweiß, der Leiter der Naturschutzstation Rhinluch. Ohne gegenseitige Rücksichtnahme geht es dabei sicherlich nicht, zumal die Eule nachtaktiv und die Dohle tagsüber unterwegs ist.

Die Natur erwacht aus dem Winterschlaf

Rund um das rote Backsteingebäude herrscht momentan ein reges Treiben – die Natur erwacht aus ihrem Winterschlaf. Vor einer Woche ist der erste Storch eingeflogen und die Dohlen sammeln emsig Nistmaterial. Sie landen auf den großen Bäumen und verschwinden schließlich mit kleinen Ästen in den Nischen der Giebelwände. In den Ohren von Norbert Schneeweiß klingen ihre Rufe fröhlich und sympathisch.

Die Singvögel besitzen ein vielseitiges Lautrepertoire und erlernen im Laufe ihres Lebens durchaus auch noch neue Töne. Neben dem markanten „kja“ oder „kjak“ gibt es zahlreiche Abwandlungen wie „kjöck“, „kjarr“ oder „kji“.

Seit 2011 brüten Dohlen in Linum

2011 haben die Dohlen zum ersten Mal in Linum gebrütet. Damals waren es sieben Brutpaare. Schon über längere Zeit hatten die Mitarbeiter der Naturschutzstation die Vögel beobachtet, wenn sie über der Kirche kreisten und nach Nistmöglichkeiten suchten. Dohlen mögen es luftig und hoch.Ein Kirchturm ist der ideale Platz, um sich dort nieder zu lassen. Doch Gitter versperrten ihnen den Weg.

Gespräche mit der Kirchengemeinde brachten keinen Erfolg. Die Mitarbeiter der Naturschutzstation griffen zur Selbsthilfe. Sie bohrten Löcher in die Giebelwand und installierten auf dem Dachboden Brutkästen. Es klappte. Die Dohlen brüteten erfolgreich. Heute tragen sie aktiv zum Dorfleben bei. „Dohlen sind sehr häuslich“, sagt Norbert Schneeweiß. „Sie sind das ganze Jahr über da und begrüßen einen schon am frühen Morgen mit großem Spektakel.“ Die Angst vieler Hausbesitzer vor verschmutzten Fassaden ist seiner Meinung nach unbegründet. Die sauberen Giebel der Naturschutzstation beweisen das. „ Wenn man die Nistkästen alle Jahre mal reinigt, hat man nicht viel Arbeit“, sagt der Naturschützer.

Intelligente Vögel in Wohnungsnot

Die geselligen Dohlen gehörten einst zu den Gewinnern menschlicher Besiedlung. Hohe Bauten boten Unterschlupf, auf Wiesen und Feldern gab es ausreichend Nahrung. Die Zeiten üppiger Versorgung sind für die Vögel allerdings vorbei. Grünflächen werden versiegelt, Pestizide sorgen dafür, dass Insekten verschwinden. Doch besonders zur Aufzucht der Jungvögel sind proteinreiche Insekten besonders wichtig. Die Gärten sind oft steril und mit Koniferen bepflanzt, die keine Früchte tragen. Dörfer mit Tierhaltung, Komposthaufen und ausreichend Nistmöglichkeiten sind Mangelware.

Die intelligente Vogelart geriet in Wohnungsnot und landete schließlich auf der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten. In Brandenburg ist die Art nach jahrzehntelangen Rückgängen vom Aussterben bedroht. Nur im Nordwesten Deutschlands gibt es noch größere Bestände. In Deutschland brüten nach gegenwärtigem Stand rund 100 000 Dohlenpaare. So ist es kein Wunder, dass die Dohlen das Linumer Angebot gern angenommen haben, denn dort geht es ihnen gut. „Bei uns gibt es noch Hühner, Kühe und Pferde, lebendige Wiesen mit Insekten und Regenwürmern. So entwickelte sich die Dohlenkolonie – mit zurzeit 14 Brutpaaren – zu einer der größten in Brandenburg. Mittlerweile hat sich der Vogel des Jahres 2012 auch wieder in Walchow, Fehrbellin, Velten , Langen und einigen kleineren Dörfern angesiedelt.

Dohlen sind gern in Gesellschaft unterwegs

Dohlen sind gern in Gesellschaft unterwegs. In großen Gruppen begeben sie sich auf Nahrungssuche. Doch wenn es darum geht, den Nistplatz zu verteidigen, sind sie sich mit ihrem Partner einig. Bereits der Verhaltensforscher Konrad Lorenz stellte bei seinen Forschungen fest, dass es kaum Tiere gibt, die ein so hoch entwickeltes Familien- und Gesellschaftsleben entwickeln. Wenn sie ihren Partner gefunden haben, sind sie sich ein Leben lang treu. Gemeinsam erkämpfen sie ihre Brutnische und verteidigen sie gegen Konkurrenten.

In Linum scheinen die Würfel bereits gefallen zu sein, zielsicher steuern die Dohlen mit ihrem Nistmaterial auf die Löcher im Mauerwerk zu. Um für die Brut ein gemütliches Nest fertig zu stellen, werden sie allerdings schon mal zum Dieb. Norbert Schneeweiß beobachtete die Vögel dabei, wie sie im vergangenen Jahr aus den Nestern der Störche Zweige stibitzten, wenn diese ausgeflogen waren.

Von Cornelia Felsch

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