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„Don Karlos“ aus Falkensee in Neuruppin

Neuruppin „Don Karlos“ aus Falkensee in Neuruppin

Es spielen sehr viele Neuruppiner mit: insofern war es Zeit, dass das „Kleine Theater Falkensee“ nach zwölf erfolgreichen Aufführungen seinen „Don Karlos“ nun auch in der Fontanestadt zeigt. Am Sonnabend jubelten 80 Zuschauer den Helden aus Schillers Drama zu: einem Stück von Liebe und Hass, Politik und Intrige. Kurzum: brandaktuell..

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Am Königshof wird das Geld mit vollen Händen verprasst – auch im Krieg gegen die Niederlande.

Quelle: Regine Buddeke

Neuruppin. Der Stoff birgt so viel Dynamit, dass die Regenbogenpresse ihre wahre Freude gehabt hätte, hätte es sie zu Schillers Zeiten schon gegeben. Don Karlos, der spanische Kronprinz, liebt Elisabeth von Valois. Unglücklicherweise wurde sie ihm vom eigenen Vater, König Philipp, ausgespannt und ist jetzt seine Stiefmutter. Mehr aus Pflichtgefühl gegenüber Spanien und aus Angst vor dem chronisch eifersüchtigen, erzkatholischen König, weist sie das Werben Karlos‘ zurück. Der wiederum wird von Prinzessin Eboli heiß angeschwärmt – ein ihm zugestecktes Briefchen samt Schlüssel deutet dieser völlig falsch und staunt nicht schlecht, als er statt der Angebeteten im Boudoir der Eboli gegenübersteht, die einst dem König ihre Unschuld opfern musste. Und die nun auf Rache sinnt, als sie bemerkt, dass Karlos’ Herz einer anderen gehört. Dank jeder Menge Briefe, die in falsche Hände geraten, nimmt das intrigante Spiel um Liebe und Hass an Fahrt auf und steuert wie die Titanic ihrem Untergang entgegen. Um all das rankt sich, um das Fass voll zu machen, ein gerüttelt Maß an Politik – der Autor Friedrich Schiller schrieb Dramen wie „Don Karlos“ schließlich nicht aus sensationsgeilem Vergnügen.

Kann der König dem Marquis Posa trauen

Kann der König dem Marquis Posa trauen? Christoph Birke (l.) und Sebastian Maihs.

Quelle: Regine Buddeke

Das „Kleine Theater Falkensee“ hat sich des Stoffes angenommen und inzwischen zwölf gut besuchte Inszenierungen in Falkensee auf die Bühne gebracht. Am Sonnabend gastierte das Ensemble in der Neuruppiner Jugendkunstschule – nicht ganz von ungefähr: spielen doch in der Inszenierung von Sebastian Eggers und Sebastian Maihs, die auch das „Theater ohne Bühne“ der Jugendkunstschule leiten, etliche Neuruppiner mit. Insofern saßen im Publikum – gut 80 Besucher fanden sich ein – auch ein Fanclub an ehemaligen Mitschülern der Akteure: Es ist schön zu sehen, dass man jenseits der schulischen Pflichtlektüre der Klassiker den Nachwuchs mit Schiller und Co. hinterm Ofen vorlocken kann. Die Darsteller des Don Karlos geben in einer hochemotionalen Inszenierung ihres charismatischen Regie-Dramaturgen-Doppels ihr Bestes, dass das so bleibt.

Die Falsche erwischt

Die Falsche erwischt: Don Karlos (Phileas Heim) hoffte auf ein Rendezvous mit Elisabeth: stattdessen empfängt ihn die verliebte Eboli (Steffi Schieferdecker).

Quelle: Regine Buddeke

Die Bühne ist kahl. Einzig ein Spruchband mit der Aufschrift „Menschen sind für sie nur Zahlen“ gibt quasi das Motto vor, das auch gleichzeitig den Bogen in die Gegenwart spannt. „Der Bezug ist da, da mussten wir nicht extra eingreifen“, erklärt Sebastian Eggers, warum er weitgehend am Schillerschen Original geblieben ist – von textlichen Straffungen und den Kostümen im Zeitgeist einmal abgesehen. Ganz von allein sieht man in den Orgien bei Hofe die Parallelen zur heutigen High Society – mit reichlich Champagner, Lustsklaven und Bergen voller Geld, über das die Akteure achtlos schreiten. Und mit dem sie sich bei Bedarf die Mäuler und Taschen stopfen. „Es hat sich doch nicht geändert, auch wir müssen heutzutage Gefühle unterdrücken, uns dem System unterordnen. Nur um ständig Leistungsträger zu sein“, so der Regisseur. „Der Konflikt ist zeitlos“. Das wird besonders gut in der Rolle des Königs deutlich: Sebastian Maihs spielt ihn wunderbar als verbissenen, geduckten Buchhalter, der einerseits machtbesessen und grausam, andererseits tief vereinsamt und von Sehnsucht und Ehrgeiz schier zerfressen ist.

Auf der Bühne wurde viel gekämpft

Auf der Bühne wurde viel gekämpft.

Quelle: Regine Buddeke

Phileas Heims Karlos kommt jung und ungestüm daher, sein Herz brennt heiß, er will Elisabeth und Frieden für Europa. Dafür geht er am Ende in den Tod. Christoph Birke gibt den Marquis Posa als Idealisten und Revoluzzer, manchmal gar Utopist. Aber auch er spielt sein eigenes Spiel und scheut sich nicht, andere dafür zu opfern. Allerdings auch nicht sich selbst – auch er muss sterben. Ebenfalls sehenswert: Steffi Schieferdeckers Eboli. Die Neuruppinerin spielt bereits seit 23 Jahren beim Theater ohne Bühne mit – auch wenn sie jetzt in Berlin lebt und seit zehn Jahren in Falkensee Theater spielt, ist sie jeden Freitag in Neuruppin zur Probe. „Ich bin das älteste Jugendkunstschulmitglied“, sagt sie und lacht. Sie habe mit den beiden Sebastians bestimmt schon 20 Inszenierungen gemacht – für sie ist Schauspielen ein wunderbares Hobby neben ihrem Beruf als Sozialarbeiterin. „Klar, als ich jünger war, habe ich schon überlegt, das Hobby zum Beruf zu machen“, sagt sie. Inzwischen genieße sie es, ohne Erfolgsdruck zu spielen: „Hier zwingt mich keiner, erfolgreich zu sein.“

Am Ende gab es viel Applaus

Am Ende gab es viel Applaus.

Quelle: Regine Buddeke

Ein Riesen-Chapeau an Larissa Trippel: die junge Frau aus Nietwerder, die wie viele ihrer Mitstreiter auch schon in Netzeband Theater machte, hat die Rolle des Alba nach gerade mal drei Proben von Joseph Birke übernommen und mit Erfolg gespielt. „Zum ersten Mal hatte ich echt Lampenfieber“, gesteht sie. Am Ende gab’s für alle reichlich Jubel und Applaus.

Von Regine Buddeke

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