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Ostprignitz-Ruppin Donovan – ein Troubadour vergangener Zeiten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Donovan – ein Troubadour vergangener Zeiten
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20:37 26.03.2017
Donovan ist ein Mann der sanften Töne. Quelle: Regine Buddeke
Neuruppin

Der Lack ist ab. So könnte man zumindest meinen, wenn man seine Stimme nach langer Zeit wieder hört. Sein ehemals sanft-raunendes Vibrato ist einem Zeitlupen-Staccato gewichen und erinnert eher an eine Gitarre, der gerade mit vibrierendem Finger ein Tremolo abgerungen wird. Und auch optisch gleicht Donovan so rein gar nicht mehr den Ankündigungsfotos, mit denen er in den Medien für seine Deutschlandtour wirbt.

Eitelkeit? Oder sein Wunsch zu zeigen, dass er noch ganz der Alte ist? Der jungenhafte Troubadour von einst ist nun ein gereifter Mann von 70 Jahren. Aber auch heute noch klettert er auf sein Podest, lässt sich mit untergeschlagenen Beinen auf dem Lammfell nieder und schlägt die ersten Akkorde an – wie einst vor 50 Jahren. Mit Falten im Gesicht, mit ergrautem Haar, mit brüchigerer Stimme. Aber mit einem jungen und gleichzeitig weisen Lächeln. Freundlich und fröhlich wie sein buntgemustertes Hemd. Und mit den alten Songs im Gepäck – 500 Fans sind am Sonnabend in Neuruppins Pfarrkirche gekommen, um ihm zu lauschen.

Hits der ersten Alben

Ein bisschen wirkt er wie aus der Zeit gefallen, wie er da sitzt, im rot-schummerigen Licht. Aber das ist wohl der Zeit geschuldet, als er in den 60ern gemeinsam mit den Beatles nach Indien tourte, um Maharishi-Anhänger zu werden. Yoga und Meditation haben bei Donovan das ihrige getan – „Peace, Leute!“ ist die Botschaft, die er ausstrahlt. Der Traumfänger Donovan.

Zuerst fängt er den Wind – „Catch the wind“ war sein Durchbruch, noch bevor er das erste Album hatte. Es ist ein schöner Anfang fürs Konzert, bei dem er – so erzählt er – sich auf die Hits der ersten beiden Alben beschränken wolle. „Wollt ihr das?“ „Ja“, ruft der Saal. „Colours“ folgt, dann „Guinevere“. Mit sanfter Stimme erzählt der schottische Singer und Songwriter – bürgerlich Donovan Phillips Leitch – Geschichten über sein Leben und seine Musik. Über Indien, darüber, dass er wie viele Musiker seiner Zeit auch Maler war – wie John Lennon, Joni Mitchell, Pete Townshend, Leonard Cohen, Bob Dylan.

Musik wird zum Gemälde

Das habe bei den Mädchen viele Punkte gebracht, erzählt er. Denn die waren ohnehin schwärmerisch verknallt in den sanften Barden, der ihnen so wunderbare Balladen wie „Lalena“, Jennifer Juniper“, „Donna Donna“ oder „Josie“ widmete. „Du packst die Gitarre aus und alle Gemälde werden zu Musik“, erzählt er und skandiert die ersten Zeilen von „Lucy is in sky with diamonds“ – dem LSD-Song von den Beatles: „Picture yourself on a boat on the river“ – die Fans singen alle mit, wie zu vielen anderen Songs auch. Die Texte sind bekannt – ob Hurdy Gurdy Man“, „Mellow Yellow“, „Universal Soldier“ – seine Antwort auf den Vietnamkrieg.

Er singt „Little Tin soldier“ – die zauberhafte Melodie vom tapferen kleinen Zinnsoldaten aus dem Märchen, der sich in die Papierballerina verliebte. Und „Young but growing“ – eine alte schottische Weise, bei der er als Kind mit den anderen Kids unter dem Tisch saß und der singenden Tante lauschte.

Für alle Fans ein persönliches Wort

„Er ist noch gut drauf“, sagt ein Fan in der Pause. „Er spielt ’ne wunderbare Gitarre“, ein anderer. „Zu Mauerzeiten haben wir Lieder von ihm gespielt und dabei ein Auftrittsverbot riskiert“, erzählt der Berliner weiter. Und auch wenn die Stimme heute anders klinge: „Er ist ein toller Musiker. Mit tollen Songs.“ Später wird er der erste in der langen Schlange von Fans sein, die sich Bilder, CDs oder alte Vinylalben signieren lassen. Donovan hat für alle ein persönliches Wort, ein freundliches Lächeln. „Thanks for coming“ – danke fürs Herkommen, sagt er.

Am Ende erklingt „Atlantis“, Donovans wohl bekanntester Song. Der Musiker sitzt in rotes Licht getaucht wie ein Barde am Lagerfeuer. Es scheint, als habe er sein Atlantis gefunden. Mag sein, der Lack ist ab. Aber der Zauber ist noch da.

Von Regine Buddeke

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