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Dorf legt eigenen Entwurf für Brücke vor

Molchow Dorf legt eigenen Entwurf für Brücke vor

Der geplante Neubau der Molchowbrücke sorgt weiter für Aufregung im Dorf. Die von der Stadt Neuruppin favorisierte Variante würde den Bau gewaltiger Rampen erforderlich machen und einen Kahlschlag am Seeufer. Viel zu teuer und gar nicht nötig, findet der Ortsbeirat und hat jetzt einen eigenen Entwurf für eine neue Brücke vorgestellt.

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Der touristische Radweg ist unterbrochen, die Molchowbrücke teilweise abgerissen. Die Stadt plant an dieser Stelle, knapp zwei Meter hohe Rampen aufzuschütten und Kahlschlag an beiden Ufern.

Quelle: Christian Schmettow

Molchow. Molchows Ortsvorsteher Uwe Schürmann beginnt die Sitzung mit einem Fontane-Zitat über die Ruppiner Schweiz: „Das östliche Rhinufer hat keinen andern Reiz mehr als den, welchen es seinem Gegenüber, dem westlichen Ufer, entnimmt. Aber Ausnahmen auch hier, und unter diesen Ausnahmen in erster Reihe das alte Dorf Molchow, das wir, über eine Schmalung des gleichnamigen Sees hinweg, in diesem Augenblick erreichen.“

Diesen Reiz sieht nicht nur der Ortsvorsteher in Gefahr, wenn die Neuruppiner Stadtverwaltung die neue Molchowbrücke so baut, wie es die bisherigen Pläne vorsehen.

250 Jahre alte Eichen sollen fallen

Die Vorgaben des Neuruppiner Bauamtes sind klar: Wartungsarm soll die neue Brücke sein und deshalb keine Pfeiler mehr im Wasser haben, sie soll möglichst wenig kosten und Rollstuhlfahrer müssen sie mühelos passieren können. Eine gerade Brücke ist deshalb geplant – die bisherige war gekrümmt. Um dennoch die Durchfahrtshöhe für den Dampfer zu gewährleisten, müssten bei einer geraden Brücke aber gewaltige, fast zwei Meter hohe Rampen beiderseits der Brücke aufgeschüttet und seitlich befestigt werden. Auf einem Modellfoto der Planer ist die neue Brücke an beiden Ufern in üppiges Grün eingebettet – laut Ortsbeirat ein geschöntes Trugbild, denn die Stadt plant den Kahlschlag beiderseits der Brücke. Auch die etwa 250 Jahre alten Eichen sollen fallen, weil sie dem Neubau im Weg seien.

Wozu Barrierefreiheit, wenn Drängelgitter den Weg verrsperren?

Laut Uwe Schürmann soll das städtische Bauamt inzwischen von der gewaltigen Bogenbrücke – von den Molchowern als „Eisenbahnbrücke“ geschmäht – abgerückt sein, auch die Breite für die reine Radfahrer- und Fußgängerbrücke wurde reduziert – von 4 auf etwa 2,80 Meter. Rampen und Kahlschlag sind aber weiterhin geplant. Die Rampen sollen es Rollstuhlfahrern ermöglichen, über die neue Brücke zu kommen. Bisher konnten Rollstuhlfahrer die Molchowbrücke vor allem wegen der Drängelgitter nicht passieren, die Fahrradfahrer zum Absteigen zwingen sollten. Auch Fahrräder mit Anhänger und dreirädrige Liegeräder kamen nicht über die Brücke, während Motorradfahrer sie ohne abzusteigen passierten. Auch die neue Brücke soll wieder solche Drängelgitter bekommen. Die Wege vor und hinter der Brücke sind unbefestigt und von Wurzeln durchzogen. „Wozu dann Barrierefreiheit?“, fragt Dirk Kerkhoff. Der Molchow­­er präsentierte dem Ortsbeirat einen eigenen Entwurf für eine pfeilerlose Molchowbrücke. Diese ist in elegantem Schwung leicht gebogen und erreicht die nötige Durchfahrtshöhe für den Dampfer dadurch ohne Rampen.

Ortsvorsteher vermisst Kostenrechnung einer Sanierung

Uwe Schürmann wirft der Stadt zudem vor, die Kosten für eine Sanierung der alten Brücke nicht durchgerechnet zu haben. Für einen Bruchteil der Kosten, sehr viel schneller und ohne gravierende Eingriffe in die Natur könnte man zwei neue Widerlager aus Beton gießen und die Brücke dann auf den alten Pfeilern wieder aufbauen – mit Bohlen aus wartungsfreiem Recycling-Kunststoff statt Holz. Auch eine Stahlkonstruktion sei auf Dauer alles andere als wartungsfrei, warnt Dirk Kerkhoff.

Klar ist aber auch: Die Molchower wollen schnell eine neue Brücke. Tobias Netta vom River Café am jenseitigen Ufer fürchtet um seine berufliche Existenz. Seit Wochen stehen an schönen Tagen Dutzende Fahrradfahrer enttäuscht vor der gesperrten Brücke.

Stadtverwaltung bügelt alle Einwände ab

Das Neuruppiner Bauamt hat am Donnerstagnachmittag auf eine Anfrage der MAZ zur Molchowbrücke reagiert: „Natürlich wurden auch die Sanierungskosten betrachtet“, schreibt die Stadtsprecherin Michaela Ott. Da für eine Sanierung aber beide Beton-Widerlager erneuert und sämtliche Holzbauteile entfernt werden müssten, wäre das nicht mehr als Reparatur durchgegangen. Damit wäre der Bestandsschutz für die Konstruktion erloschen, und der Tüv hätte die alten Stahlträger nicht abgenommen, da sie nicht mehr der Norm entsprechen. Das Baumt schätzt, dass das Sanieren der alten Brücke mindestens eine Viertelmillion Euro mehr kosten würde als ein Neubau – plus höherer Unterhaltungskosten in den kommenden Jahren. Ein Belag aus wetterfestem und wartungsfreiem Recycling-Kunststoff, wie ihn der Ortsbeirat vorgeschlagen hat, sei im Brückenbau nicht zulässig, schreibt das Bauamt.

Zur Barrierefreiheit heißt es weiter: „Auch die Wegeanbindungen werden barrierefrei ausgeführt. Die Umlaufsperren werden natürlich auch so angeordnet, dass sie für Rollstuhlfahrer, Fahrräder mit Anhänger, und so weiter passierbar sind.“

Zum Entwurf des Molchowers Dirk Kerkhoff für eine pfeilerlose, leicht gebogene Brücke, die ganz ohne Rampen auskommt, schreibt die Stadt: „Eine ähnliche Variante wurde geprüft. Die Absteifung befindet sie hier zu nah an der Wasserlinie also im Wasserschwankungsbereich. Das ist für ein Widerlager eher ungünstig. Es müsste mit Spundwänden gearbeitet werden, was zum einen den Wasserhaushalt (Grundwasserlinien) beeinträchtigt und zum anderen natürlich auch zusätzliche Kosten verursacht.“

Bürger sollen sich „interessieren“, aber mehr Vertrauen haben

Generell begrüße es das Bauamt sehr, dass Bürgerinnen und Bürger sich für die Belange in ihren Ortsteilen interessieren. „Allerdings sollte gegenüber der zuständigen Fachabteilung der Stadtverwaltung ein gewisses Vertrauen dazu bestehen, dass alle Varianten geprüft werden, um die – langfristig gesehen – beste Variante für alle zu finden. Zudem handelt es sich hier um ein Bauwerk, welches statische Belastungen und einen Grundanspruch an Verkehrssicherheit übernehmen muss. Die Verantwortung dafür liegt letztlich bei der Stadt.“

Das Neuruppiner Bauamt hat angeboten, zur nächsten Sitzung in etwa drei Wochen die dann fertigen Pläne für die neue Brücke in Molchow vorzustellen. Dieses Angebot wollen die Molchower gern annehmen – verbunden mit einem Vor-Ort-Termin. Dann soll den Planern vor Augen geführt werden, wie gewaltig sich die vom Bauamt geplanten Rampen auf das Ortsbild auswirken würden. Sollten diese gebaut werden, würde Fontane sich heute wohl mit Grausen abwenden, ist Uwe Schürmann überzeugt.

Die Molchowbrücke liegt zwischen dem Molchow- und dem Tetzensee in Molchow. Über sie führt der Fahrradweg von Neuruppin nach Rheinsberg und Lindow.

Von der Sowjetarmee ursprünglich für Lastwagen und Panzer gebaut, durfte die baufällig gewordene Brücke seit Jahren nur noch von Fußgängern und Radfahrern benutzt werden. Seit November ist sie ganz gesperrt, weil ein durchgerissenes Beton-Widerlager jederzeit in den See rutschen könnte.

Von Christian Schmettow

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