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Ostprignitz-Ruppin Dorfgaststätte ist das Herz von Holzhausen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Dorfgaststätte ist das Herz von Holzhausen
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12:05 30.01.2016
Die Frauensportgruppe bereitet einen Videoabend vor.
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Holzhausen

Vor der politischen Wende 1989 sah das Dorfleben in der Region vollkommen anders aus als heute. In allen Orten gab es Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) und andere Großbetriebe. Ein Großteil der arbeitenden Bevölkerung war vor Ort in diesen Betrieben beschäftigt. In jedem Dorf gab es zu jener Zeit ganz selbstverständlich einen Konsum-Laden und einen Kindergarten. Auch eine Gaststätte, in der die Werktätigen nach Feierabend in geselliger Runde auf ein Bier einkehrten, gehörten zum vertrauten Bild.

Nach der Wiedervereinigung änderte sich das Bild. Arbeitsplätze gibt es in den Dörfern kaum noch und auch die meisten Einkaufsmöglichkeiten und Kindergärten sind verschwunden. Nicht anders sieht es bei den Gaststätten aus. Selbst in der ehemaligen Kreisstadt Kyritz gibt es keine einzige Kneipe mehr.

Holzhausen kann sich jedoch glücklich schätzen: im Dorf gibt es sowohl einen Kindergarten als auch noch eine Gaststätte. Sie wird seit nunmehr 40 Jahren von Dietmar Thiel betrieben und ist im Altkreis Kyritz eine von ganz wenigen verbliebenen Lokalitäten. Sie liegt nicht nur geografisch in der Mitte des Dorfes, hier pulsiert auch das Herz des Ortes. Von Montag bis Mittwoch hat die Holzhausener Gaststätte zwar geschlossen, doch dafür ist an den anderen Tagen umso mehr los, wie zum Beispiel am vergangenen Freitag. Lange, bevor Dietmar Thiel und seine Lebenspartnerin Marina Winter die Pforte ihrer Gaststätte am Nachmittag öffneten, bereiteten die beiden schon alles für eine Geburtstagsfeier vor.

Als erstes kommen zwei ältere Herren an den Tresen. Die beiden sind seit Jahrzehnten Thiels treueste Stammkunden, bestellen jedes Mal ein Bier und halten immer wieder gern ein kurzes Schwätzchen mit dem Wirt. Doch noch bevor die Geburtstagsrunde eintrifft, sind die beiden längst wieder verschwunden. So viel Trubel mögen sie nicht.

Immer für ein Schwätzchen gut: der „Märkische Hof“ in Holzhausen. Quelle: André Reichel

Während in der gemütlichen Weinstube die Geburtstagskerzen ausgepustet werden und man sich ein ums andere Mal zuprostet, treffen die Frauen von der Holzhausener Sportgruppe ein, die seit über 20 Jahren besteht und regelmäßig in Thiels „Weinstube“ trainiert. „Wir sind froh, dass es die Gaststätte gibt und wir uns hier treffen können“, sagte Ruth Schulze, die von Anfang an in der Sportgruppe aktiv ist. Weil in „ihrem“Raum gerade gefeiert wird, machen die Frauen stattdessen kurzerhand einen Videoabend – denn ein Treffen einfach ausfallen zu lassen, käme ihnen niemals in den Sinn. Zwei Tische weiter tagt zur gleichen Zeit der Vorstand des Bürgervereins.

Thiels Gaststätte ist die wichtigste Begegnungsstätte des Dorfes

Während Dietmar Thiel am Zapfhahn Biergläser füllt, erinnert er sich daran zurück, wie er 1976 als 22-Jähriger die Holzhausener Gaststätte, die damals noch keinen Namen trug, übernahm. Anfangs hatte der aus Vettin stammende gelernte Koch Bedenken, dass er der Aufgabe nicht gewachsen sei und im Dorf als Fremder nicht akzeptiert werde. „Ich wurde mit offenen Armen empfangen, dafür bin ich bis heute dankbar“ . Nach zwei bis drei Jahren hatte sich der heute 62-Jährige eingearbeitet. Bis zur Wende 1989 herrschte immer Hochbetrieb. Manchmal gab es bis zu sieben Jugendweihefeiern gleichzeitig – verteilt auf alle Räume der Gaststätte. Am Vortag der Währungsunion 1990 machte das ganze Dorf noch einmal eine große Sause. Danach brach das Gästeaufkommen massiv ein. Einige Stammkunden blieben und die Gaststätte bekam in jenen Jahren auch endlich ihren Namen „Märkischer Hof“. Zwangsläufig konzentrierte sich der Gastwirt nun verstärkter auf Familien- und Geburtstagsfeiern. Die Holzhausener blieben ihrer Gaststätte treu. Nicht nur für den 1995 gegründeten Dorfverein und die Frauen von der Sportgruppe ist der „Märkische Hof“ bis heute der wichtigste Treffpunkt und Begegnungsstätte im Dorf geblieben.

Dass schon 40 Jahre vergangen sind, seit er ins Dorf kam, kann Dietmar Thiel kaum glauben. Die Arbeit am Tresen und sein Holzhausen liebt er über alles: „Hier fühle ich mich wohl und habe mir etwas aufgebaut, auf das ich stolz sein kann.“ Wie es einmal weitergeht, wenn er in Rente geht, daran will er lieber nicht denken. Von seinen drei Kindern wolle jedenfalls keines in seine Fußstapfen treten, sagt der Gastwirt mit leichter Wehmut.

Von André Reichel

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