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Ostprignitz-Ruppin Dosse-Halle wird zum Sanierungs-Objekt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Dosse-Halle wird zum Sanierungs-Objekt
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00:17 05.10.2017
Melanie Füllgraf und Roman Blank an jener Stelle, an der warmes Wasser aus der Wand trat. Die Farbschicht auf den Ziegeln wurde inzwischen entfernt, damit das Mauerwerk besser austrocknen kann. Quelle: Wolfgang Hörmann
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Wusterhausen

Alles sah nach einem Allerweltschaden aus, als im vergangenen Sommer in der ehemaligen Hausmeister-Wohnung der Wusterhausener Dosse-Halle plötzlich Wasser stand, wo es nicht hingehörte. Was als gewöhnlicher Rohrbruch durchging, wiederholte sich später. Es machte die Verantwortlichen im Rathaus stutzig.

Alle roten Ampeln gingen dann im August dieses Jahres an. Während der Sommerferien war die Sportstätte für drei Wochen geschlossen. Dennoch sah Hallenwart Christian Semmler nach dem Rechten, was sich als Glück im Unglück erweisen sollte. Denn im Eingangsbereich trat Wasser aus der Wand. Durch Poren und Fugen musste es sich bereits seit längerer Zeit diesen Weg gesucht haben. Die Farbschicht auf den Ziegeln hatte das Nass nicht aufhalten können. Im Fußbodenbereich zeichneten sich noch heute sichtbare große dunkle Flecke ab – untrügliches Zeichen für Nässe auch hier.

Hier wurde ein Stück porösen Rohrs gefunden. Quelle: Wusterhausen

In der Region der sofort gesperrten Besucher-Toiletten wurde daraufhin ein Stück der Wand aufgestemmt und unten eine Fliese entnommen. Schnell stand fest: Von einem Rohrbruch im üblichen Sinn konnte nicht mehr die Rede sein. Bauamtsleiterin Melanie Füllgraf spricht stattdessen jetzt von „Materialermüdung“. Dass Bürgermeister Roman Blank jüngst bei der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Tourismus den Begriff „tickende Zeitbombe“ verwendete, lässt auf Schaden in erheblichem Umfang schließen, den man erwarten muss.

Vor der Tagung des Haupt- und Finanzausschusses am Dienstagabend im Alten Laden präzisierten Blank und seine Fachfrau fürs Bauen, was auf die Gemeinde zukommen könnte. Es ist minimal ein eingeschränkter Betrieb der Halle zu erwarten, im schlimmsten Fall eine Schließung bis zur umfänglichen Reparatur. Der Grund: Beim Bau des Sport- und Veranstaltungshauses vor 20 Jahren wurden im Sanitärbereich (die Heizung ist nicht betroffen) Rohre aus Metallen verwendet, die nicht zusammen verbaut werden dürfen. Es handelt sich um Kupfer und Stahl. „Sie begünstigen eine elektrochemische Korrosion. Die haben wir jetzt. Durch Ionenaustausch wird eines der Metalle quasi aufgelöst. Im konkreten Fall ist das Kupfer das sogenannte Opfermetall“, so Melanie Füllgraf. Wo sich weitere dünne Stellen befinden, die jederzeit Wasser lassen können, weiß keiner. Fakt ist, dass rund 1000 Meter infrage kommen, zumeist unter Putz. Gegenwärtig ist es „nur“ der Warmwasserbereich.

Planungsbüro soll Lösungswege aufzeigen

Die Gemeindeverwaltung hat ein Planungsbüro mit der weiteren Untersuchung und Wirtschaftlichkeitsberechnungen betraut. Das Unternehmen MW & Partner aus Hennigsdorf soll bis zur nächsten Sitzung der Gemeindevertreter am 10. Oktober Lösungswege aus der Krise aufzeigen. Noch sind Schul- und Vereinssport nicht betroffen. Im Bereich der Sporthalle selbst gibt es keinerlei Anzeichen für eine Havarie.

Dennoch besteht Handlungsbedarf. „Ich sehe die Dosse-Halle auf der Rangliste für kommende Investitionen mittlerweile ganz weit oben“, sagt der Bürgermeister. Und: „Für einen Havariefall brauchen wir einen Plan B.“ Möglich ist, dass Schulsport in der alten, gerade sanierten Turnhalle neben der Schule stattfinden könnte.

Vereine und Sportgruppen nutzen die Halle

Problematisch würde es für die Vereine und Sportgruppen werden. Die Dosse-Halle ist quasi an jedem Werktag bis in den späten Abend hinein ausgebucht, zu Veranstaltungen im Winter häufig auch an den Wochenenden. Es zeichnet sich ab, dass die Beseitigung des Hallen-Notstandes zwangsläufig zu Lasten anderer Vorhaben gehen wird. Da steht zum Beispiel die Sanierung der Berliner Straße in Wusterhausen an. Auch Baupläne im Ortsteil Dessow und andere Projekte, die mit der Umsetzung früher dran wären, könnten sich nach hinten verschieben. Die Entscheidung darüber liegt bei den Gemeindevertretern.

Die Klempnerfirma existiert nicht mehr

Sicher ist: Beim Wasser-Fall in der Dosse-Halle handelt es sich um keinen Versicherungsschaden und auch Gewährleistungszeiten sind lange abgelaufen. Die bauausführende Klempnerfirma existiert nicht mehr.

Allerdings könnte im Zuge der geplanten energetischen Sanierung des Gebäudes etwas gehen. Das Heizhaus Am Burgwall soll perspektivisch aufgegeben werden. Eine Umrüstung von Öl auf Gas als Heizmittel und ein Anbau an die Halle stehen bevor. Dafür erwarten die Dossestädter Fördergeld vom Leader-Konto, einem europäischen Instrument zur Unterstützung der Kommunen. Man werde versuchen, alles unter einen Hut zu kriegen, so Roman Blank. Bis dahin braucht es viele Daumendrücker dafür, dass die Leitungen solange durchhalten.

Elektrochemische Korrosion

Von elektrochemischer Korrosion spricht man, wenn zwei Stoffe (zumeist Metalle) miteinander reagieren.

Einer der beiden Stoffe löst sich dadurch auf oder wird stark angegriffen.

Allgemein gilt bei einem elektrochemischen Korrosionsvorgang, dass die Korrosionsvorgänge auf der Metalloberfläche in Verbindung einer elektrisch leitenden Flüssigkeitsschicht, dem Elektrolyt (meist Wasser), ablaufen.

Als Elektrolyt genügt hierbei ein hauchdünner Feuchtigkeitsfilm beispielsweise ein Wassertropfen aber auch Handschweißflecken auf Werkstücken.

Je größer die Wasserstoffionenkonzentration, das heißt: je niedriger der pH-Wert ist, desto stärker ist die Aggressivität des wässrigen Elektrolyten.

Im Falle der Dosse-Halle handelt es sich um ein geschlossenes System, in dem ständig Wasser in Bewegung ist - folglich kann die gesamte Anlage betroffen sein. Warmes Wasser begünstigt den Zerstörungsvorgang.

Von Wolfgang Hörmann

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