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Dreetzer Agrarbetrieb baut neuen Kuhstall

Risiko für Milchbauern Dreetzer Agrarbetrieb baut neuen Kuhstall

Im Sommer sollen die Kühe in den neuen Kuhstall des Dreetzer Agrarbetriebs einziehen. Die Genossenschaft hat viel Geld investiert, um mit weichen Gummimatten und elastischen Abtrenneinrichtungen aus Kunststoff für viel Tierkomfort zu sorgen. Doch die Freude bei Agrarchef Peter ist gedämpft, denn die Milchpreise sind im Keller.

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Der Chef des Dreetzer Agrarbetriebs, Detlef Peter, hat in einen tierfreundlichen Milchviehstall investiert.

Quelle: Cornelia Felsch

Dreetz. Der neue Kuhstall ist weit und hell, die Matten auf dem Boden sind sauber und dort, wo einmal das Futter für die Milchkühe liegen wird, glänzen blanke Epoxidharzflächen. Stolz präsentiert Vorstandsvorsitzender Detlef Peter den neuen Milchkuhstall, in den im Sommer die Milchkühe der Dreetzer Agrargenossenschaft Rhinluch einziehen werden. Die Bereiche für Futter- und Liegeplätze werden mittels beweglicher Kunststoffabtrennungen aufgeteilt. Komfortmatten sorgen dafür, dass die Tiere weich liegen und die Laufbereiche sind mit Gummimatten versehen. Der Agrarbetrieb hat viel investiert, um es seinen Tieren so angenehm wie möglich zu machen.

Viel Milch für wenig Geld

Doch die Freude über dieses exquisite Tierdomizil ist bei Detlef Peter gedämpft. Er hat viel in seinen neuen Stall investiert, nun kann er nicht mehr zurück und die Lage am Milchmarkt ist alles andere als rosig. 38 Beschäftigte müssen pünktlich ihren Lohn bekommen, sechs Auszubildende lernen derzeit im Dreetzer Agrarbetrieb, der jährlich 5,5 Millionen Liter Milch an das Deutsche Milchkontor liefert. Doch der derzeitige Grundpreis, den die Molkerei zahlt, bietet kein Fundament für große Investitionen. Im Durchschnitt bekommen die Bauern 20 Cent, für viele Bauern auf Dauer zu wenig zum Überleben, denn die Durststrecke dauert schon zu lange an. „Vor vier Jahren, als wir den Bauantrag gestellt haben, sah das noch anders aus“, sagt Detlef Peter. „Der Preis ging auch mal runter, aber er erholte sich wieder und pendelte sich auf 40 Cent ein. Als wir 2015 mit dem Bau begonnen haben, begann der Preis zu sinken. Dass er so lange auf niedrigem Niveau bleiben würde, ahnten wir alle nicht.“ Für den Betrieb besonders tragisch, hatte er doch gerade in einen neuen Melkstand investiert. Detlef Peter muss sich etwas einfallen lassen, wenn er keine Leute entlassen will. In diesem Jahr wird er laut Vertrag 900 Tonnen Möhren mehr verkaufen, wenn das Wetter mitspielt. „Wir hoffen, dass wenigstens die Kartoffelpreise anziehen.“ Wer investiert hat, für den gibt es kein Zurück, die Banken wollen Geld sehen. „Im Notfall müssen wir auf Mutterkuhhaltung umstellen“, sagt Peter.

Milchgipfel – Suche nach Lösungen

In den vergangenen Jahren konnten viele Bauern die niedrigen Milchpreise über ihre Pflanzenproduktion ausgleichen. Auch das funktioniert momentan nicht mehr, denn auch die Getreidepreise sind im Keller. Am 30. Mai findet in Berlin der Milchgipfel des Bundeslandwirtschaftsministers statt. Dort wollen Milchbauern, Molkereien und Handel nach gemeinsamen Lösungen für das Dilemma suchen. „Nirgendwo in Europa sind die Milchpreise so niedrig wie in Deutschland“, sagt der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Ostprignitz-Ruppin. In England und Irland bekommen die Bauern etwa 35 Prozent mehr.“

Betriebe geben auf

Seit Anfang des Jahres 2015 haben in Brandenburg 15 Prozent der milchviehhaltenden Betriebe aufgegeben. „So sieht es auch im Kreis Ostprignitz-Ruppin aus“, sagt Brinschwitz. Im Landkreis gibt es rund 40 Milchviehbetriebe und gerade in Nordbrandenburg sind die ländlichen Regionen von den Betrieben abhängig. Gehen die Betriebe den Bach runter, dann gehen nicht nur die Arbeitsplätze verloren. Auch für Handwerker und Landmaschinenhändler gibt es dann nichts mehr zu tun und so werden auch die letzten Dorfbewohner im arbeitsfähigen Alter diese Regionen verlassen.

Anlässlich des bevorstehenden Milchgipfels hat der Landesbauernverband eine Liste von Forderungen aufgestellt, die sich an die Politik, die Molkereien und den Lebensmitteleinzelhandel richtet. „Einen Königsweg gibt es nicht“, sagt Michael Brinschwitz. „Wir müssen in alle Richtungen überlegen.“

Landwirtschaft in Dreetz

Die Agrargenossenschaft bei Neustadt bewirtschaftet im Dreetzer Luchgebiet 2000 Hektar Land. Davon sind 1100 Hektar Ackerland und 900 Hektar Grünland.

Zum Betrieb gehören 2000 Rinder, 600 Kühe, 120 Mutterkühe, 350 Mastbullen sowie Tiere aus der Nachzucht.

38 Beschäftigte sowie 6 Auszubildende arbeiten im Betrieb.

Angebaut werden Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Futtermais, Raps, Möhren, Kartoffeln und Triticale.

Von Cornelia Felsch

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