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Drei Abgeordnete vertreten die Region

Wahlkreis 56 Drei Abgeordnete vertreten die Region

Mit Sebastian Steineke (CDU), Dagmar Ziegler (SPD) und Kirsten Tackmann (Linke) wird der Nordwesten Brandenburgs weiterhin von gleich drei Abgeordneten im Deutschen Bundestag vertreten. Gleichwohl war die Freude darüber auch am Montag gedämpft. Grund ist das Ergebnis von AfD-Mann Michael Nehls aus Zechlinerhütte.

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AfD-Mann Nehls (l.) und Corvin Drößler, der für Die Partei antrat, stellten sich am Sonntag im Schülercafe der Evangelischen Schule Neurupppin den Fragen von Schülern und Wählern.

Quelle: Andreas Vogel

Neuruppin. Der Nordwesten Brandenburgs ist wieder gut im Bundestag vertreten. Schaffen doch sowohl Sebastian Steineke (CDU) als auch Dagmar Ziegler (SPD) und Kirsten Tackmann (Linke) den Wiedereinzug ins Deutsche Parlament. Gleichwohl war auch am Montag die Stimmung bei den drei Politikern gedämpft – wegen des Wahlerfolgs der Alternative für Deutschland (AfD).

Ganz unerwartet kam es für SPD-Frau Ziegler nicht, dass sie dem CDU-Mann Steineke im Kampf um das Direktmandat unterlegen war. Man könne mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein, sagte sie, obwohl das Zweitstimmenergebnis der SPD im Wahlkreis 56 vergleichsweise nicht so schlecht ist. Ziegler ist froh, weiter im Bundestag arbeiten zu können. Ansonsten sei in ihrer Fraktion noch völlig offen, wer welche Funktion übernehme – also auch, ob sie Parlamentarische Geschäftsführerin bleibt. Klare Kante verspricht Ziegler hingegen in Sachen AfD, deren Vertreter man „demaskieren“ müsse.

Linke: Vom Erfolg gegen das Bombodrom lernen

Das hört Kirsten Tackmann (Linke) gern, die wie Ziegler über die Landesliste wieder in den Bundestag einzieht. Allerdings ärgert sich Tackmann, dass die SPD zu Jahresbeginn den Trialog mit Linken und Grünen abgebrochen hat, um „ein antifaschistisches Bündnis“ gegen die AfD zu schmieden. Das Bündnis hätte eine Alternative sein können, glaubt Tackmann. „Wir brauchen ein breites gesellschaftliche Bündnis gegen Hetze.“ Tackmann verwies auf den Erfolg, den das parteiübergreifende Bündnis gegen die militärische Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide erzielt hat. „Davon sollten wir lernen.“ Tackmann sieht ihre Aufgabe als Bundestagsabgeordnete darin, die Menschen zu motivieren, „die abgehängt sind und gar nicht wählen“. Zwar ist die Wahlbeteiligung auch im Nordwesten des Landes gestiegen, und zwar um fast fünf Prozent auf 68,3 Prozent. Das heißt aber auch, dass mehr als 30 Prozent der Wahlberechtigten nicht abgestimmt haben.

Das gibt ebenfalls Sebastian Steineke (CDU) zu denken. „Da ist noch viel Luft nach oben.“ Denn in allen neun anderen Bundestagswahlkreisen in der Mark lag die Wahlbeteiligung höher, in den meisten bei über 70 Prozent. Lediglich im Wahlkreis 60, der die Stadt Brandenburg sowie Teile von Potsdam-Mittelmark, Havelland und Teltow-Fläming umfasst, wurde die 70-Prozent-Marke ebenfalls verpasst – mit einer Wahlbeteiligung von 69,9 Prozent.

CDU-Mann erzielt 2200 Stimmen mehr als 2013

CDU-Mann Steineke war mit seinem Ergebnis ganz zufrieden. Schließlich hatte er mit 36 483 Stimmen gut 2200 mehr erzielt als vor vier Jahren. Nur das Ergebnis der AfD, die im Wahlkreis 56 auf 22 185 Zweitstimmen kam – und damit ihren Anteil im Vergleich zu 2013 fast verfünffachen konnte – schmerzte ihn.

Gleichwohl war AfD-Mann Michael Nehls mit dem bundesweiten Ergebnis für seine Partei nicht ganz zufrieden. „Ich hätte noch auf ein paar mehr Stimmen gehofft“, sagte der selbstständige Versicherungsmakler. Die AfD hatte bundesweit knapp 13 Prozent der Stimmen geholt. „Der Merkel-Effekt hält noch an“, sagte Nehls am Montag. Er hatte im Wahlkreis 56 mit 18  Prozent (das sind 21 295 Stimmen) Kirsten Tackmann von Platz drei verdrängt, die sich mit Rang vier (17,6 Prozent, das sind 20 849 Stimmen) begnügen musste.

Schüler bietet AfD-Mann Nachhilfe an

Wie US-Präsident Donald Trump geht Nehls davon aus, dass es einen von Menschen gemachten Klimawandel nicht gibt. Die-Partei-Kandidat , der schon in der neunten Klasse eine Facharbeit über den Klimawandel geschrieben hat, bot Nehls deshalb seine Beraterdienste an. „Diese Möglichkeit, seine Meinung zu überdenken, hat er leider nicht angenommen“, sagt Drößler. Der 18-jähriger Walslebener selbst ist mit seinem Wahlergebnis durchaus zufrieden. Mit 1,3 Prozent der abgegebenen Stimmen schnitt er besser ab als der Kandidat der Freien Wähler, der MLPD und Einzelbewerber Mario Borchert. „Mein Ziel, nicht Letzter zu werden und die anderen ein bisschen zu ärgern, habe ich erreicht.“

Martin Wandrey (Grüne/B 90) ist mit dem Ergebnis „super zufrieden“, auch wenn es für den Einzug in den Bundestag für ihn nicht gereicht hat. „Das Ergebnis hat gezeigt, dass wir mehr Stimmen holen konnten, als uns in Kommentaren zuvor zugetraut worden war.“ Sein Engagement als Direktkandidat sei ohnehin nur „Makulatur“ gewesen. Vielmehr gehe es ihm darum, die Inhalte zu transportieren. In den nächsten Tagen solle das Ergebnis näher ausgewertet werden, „um herauszufinden, was wir im Wahlkampf künftig daraus lernen können“. Wandrey hatte als Direktkandidat 3543 Stimmen geholt, das sind genau drei Prozent. Bei den Zweitstimmen kamen die Bündnisgrünen sogar auf 3,6 Prozent.

Von Andreas Vogel, Bernd Atzenroth, Frauke Herwig, Björn Wagener

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