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Ostprignitz-Ruppin Mit dem Rollstuhl gegen Raser
Lokales Ostprignitz-Ruppin Mit dem Rollstuhl gegen Raser
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06:01 26.05.2014
Johannes Oblaski (l.) und Roy Duckstein schieben Klaus Duckstein über die L 18. Quelle: Dirk Klauke
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Neuruppin

Als Klaus Duckstein sagt, dass er nicht mehr kann, klingt es wie ein Befreiungsschlag für Johannes Oblaski. "Ich bin am Limit", sagt der Katerbower um 15.15 Uhr in Herzsprung. 30 Kilometer haben die Männer hinter sich. 30 Kilometer, die Klaus Duckstein im Rollstuhl verbringt, während ihn sein Sohn Roy im Wechsel mit Johannes Oblaski schiebt. 30 Kilometer entlang der vielbefahrenen Landesstraße 18. Rund 30 Kilometer in der sengenden Hitze auf der zumeist bergauf führenden Strecke. Und oft kein Baum in Sicht. Sie brechen die Aktion ab. "Wir haben zwar nicht ganz die Marathonlänge geschafft", sagt Johannes Oblaski. "Aber ich bin trotzdem zufrieden, dass wir es gemacht haben."

Das Zeichen sei gesetzt. Dafür, dass die Anlieger der L18 sich nicht sang- und klanglos dem Schicksal ergeben. Dafür, dass sie den Mautausweichverkehr nicht dulden. Dafür, dass sie für ihr Recht kämpfen, ohne den krankmachenden Lärm und die rasenden Laster zu leben.

Um 8 Uhr sind die Männer an diesem Donnerstag am Neuruppiner Kuhburgsberg losgelaufen. Bis nach Herzsprung und dann wieder ein Stück zurück an der L 18 wollen Oblaski und die beiden Ducksteins es schaffen. 42,195 Kilometer haben sie sich für ihren Protest vorgenommen. Auf den ersten Metern der angeblich längsten Demo im Land sind sie zuversichtlich. Die von der Polizei eskortierte Gruppe läuft da noch im Schatten des Waldes. Immer wieder rauschen Schwerlastwagen an ihnen vorbei. Manchmal auch zwei oder drei im Konvoi. Dann müssen sie fast schreien, um sich zu verständigen. Die Kennzeichen der Lkws: eindeutig nicht aus der Region. "Schau dir mal das Nummernschild an, der hat hier nichts zu suchen", sagt Klaus Duckstein. "Das glaubst du", entgegnet Oblaski und grinst ironisch. "Wir sind doch alle Europa."

Die Straße schlängelt sich dicht an der A 24 entlang und ist damit die perfekte Ausweichstrecke für Transportfirmen, die sich die Mautgebühr sparen wollen. Seit der Einführung der Maut ist sie als Raserstrecke verschrieen. Die Anlieger leiden unter dem Scheppern und Klappern, das die Fahrzeuge erzeugen. Tag und Nacht. "Das kann doch nicht sein, dass die Betriebe sich das Geld in die Taschen scheffeln und wir hier leiden müssen", sagt Klaus Duckstein. Auch er lebt in Katerbow - und ist von den Belastungen des Verkehrs krank geworden, sagt er. Erst vor Kurzem hat er einen Schlaganfall gehabt. Nun klagt er gegen den Landkreis, der alle Anträge der Bürgerinitiative gegen den Mautausweichverkehr auf der L 18 (BI) abgeschmettert hat, auch seinen. Nachtfahrverbot oder andere Erleichterungen für die Anwohner? Abgelehnt. Dass er den Kampf vor dem Kadi gewinnen wird, davon geht Duckstein aus. Er will aber nicht Jahre darauf warten, bis das Urteil kommt und etwas passiert oder der nächste L-18-Anwohner krank wird.

Genau fünf Schlaganfälle habe es in Katerbow bis zuletzt gegeben, berichtet Oblaski, der den BI-Widerstand ins Leben gerufen hatte und immer noch der Motor der Bewegung ist. Ein sechster kam in dieser Woche hinzu. Betroffen sind ausschließlich Menschen, die an der Straße wohnen. Für die Männer ist klar, dass das mit dem Verkehr zusammenhängt. Sie laufen weiter. Klaus Duckstein zuckt alle paar Meter zusammen. Er spürt jede Spalte zwischen den Platten, aus denen die Straße an dieser Stelle besteht, als Stoß.

Ein Auto bremst an dem Grüppchen ab. Eine Frau lächelt. Ihr Daumen geht hoch. "Super, dass ihr das macht", sagt sie und fährt weiter. "Wir müssen durchhalten", sagt Oblaski. In Katerbow warten ein paar Einwohner. Auch ein Fernsehteam ist da. "Wir brauchen die Aufmerksamkeit", sagt der BI-Mann. "Vielleicht kommt uns der Kreis entgegen, wenn sich die Medien einschalten." Aufmerksamkeit sei aber auch gut, um die Anlieger zu motivieren, weiter zu protestieren. Frank Lauer steigt von seinem Rad ab, mit dem er aus Rägelin gekommen ist. Nun schiebt er den Rollstuhl mehrere Kilometer lang. "So, jetzt war ich solidarisch. Das war mir ein Bedürfnis", sagt er.

In Rossow werden die Protestler ein bisschen wie Helden empfangen. "Das motiviert ungemein", sagt Oblaski. Die Sonne scheint unerbittlich. "Zwei T-Shirts sind nur noch Wasser", sagt Oblaski in Herzsprung. "Wir haben's aber geschafft: Nicht die Marathonlänge, aber wir haben die Strecke von Anfang bis zum Ende durchgehalten." Die 42,195 Kilometer wären nur das i-Tüpfelchen des Protests gewesen.

Von Celina Aniol

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