Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° Regen

Navigation:
Drittklässler mit eigenem Gemüseacker

Rheinsberg Drittklässler mit eigenem Gemüseacker

Wer kennt schon Mangold oder Palmkohl? Die 3 c der Rheinsberger Allende-Schule inzwischen schon. Gemeinsam mit der Gemüseackerdemie Potsdam, einem pädagogischen Projekt für mehr Wertschätzung von Lebensmitteln, beackern die Kinder inzwischen ihren eigenen Acker. Der Coach ist Marc Marquardt, ein begeisterter Hobbygärtner.

Voriger Artikel
Firma Hüffermann auf der IAA
Nächster Artikel
10 000. Besucher bei Ritter Kahlbutz

Die 3c auf ihrem inzwischen fast abgeernteten Gemüseacker.

Quelle: Regine Buddeke

Rheinsberg. Johann ist arbeitseifrig. „Marc, darf ich schon Mangold ernten?“ „Klar“, entgegnet der Gefragte. „Mangold kann man immer ernten. Aber denk dran, nur die äußeren Blätter“, mahnt Marc Marquardt den Drittklässler, der gemeinsam mit seiner 3c an einem ganz besonderen Projekt arbeiten darf: dem eigenen Gemüseacker, der direkt hinter der Rheinsberger Allende-Schule liegt.

Fleißig hacken ist das A und O

Fleißig hacken ist das A und O.

Quelle: Buddeke

Jetzt, im Herbst, ist auf der vier mal zehn Meter großen Fläche nicht mehr allzu viel übrig, was geerntet werden kann, aber immerhin: Mangold ist noch da, Palmkohl, ein paar Hokkaidokürbisse leuchten orange und kleine rote Tomaten verstecken sich im Grün. Immer in Gruppen dürfen die Schüler ins Beet: mit so lustigen Team-Namen wie „Supersalat“, „Turbobohnen“, „Scharfe Radieschen“, „Riesenkürbis“ und „Rasende Gurke“. Ihr Mentor ist eigentlich freiberuflicher Fotograf und der Lebenspartner der Klassenlehrerin Annett Welzien. „Ich bin leidenschaftlicher Gärtner“, sagt er. „Er betreibt unseren Hof als Selbstversorger“, sagt sie. „Gemüse und Obst müssen wir kaum noch woanders einkaufen.“

Ole hat geerntet

Ole hat geerntet.

Quelle: Buddeke

Das A und O dabei – und das gilt genauso für den Acker der 3c: keine Chemie, kein Dünger außer Brennesseljauche, nur mulchen. Statt viel zu wässern, wird besser gehackt, um dem Boden das Speichern der Flüssigkeit zu erleichtern. Und den Pflanzen das Wurzeln. Was beiden wichtig ist: „Wir wollen Alternativen aufzeigen, wie Landwirtschaft und Gartenbau auch funktionieren kann.“ Ideengeber und wichtiger Partner des Projektes ist die „Gemüse­ackerdemie“ in Potsdam, eine gemeinnützige Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das Bewusstsein der Gesellschaft hinsichtlich der Produktion von Lebensmitteln sowie gesunder und wertschätzender Ernährung zu stärken – auch in Form von Schülerprojekten. Zum einen, um den Kontakt der Kinder zur Natur wieder herzustellen, ein gesundes Wissen über Lebensmittel zu befördern und nicht zuletzt, um etwas gegen Volkskrankheiten wie Übergewicht und Diabetes zu tun.

Amelie mag die Hokkaidos

Amelie mag die Hokkaidos.

Quelle: Buddeke

Katrin Wagner, die Rheinsberger Betreiberin der Marmelo-Manufaktur, die ebenfalls auf ökologische Prinzipien schwört, hatte den Kontakt zu den Potsdamern hergestellt. Und die 3c auch gleich beim Festival „Solanum“ vorgestellt, das im Mai in Rheinsberg erfolgreiche Premiere feierte. „Das war für mich wichtig – ohne einen Mentor hätte ich das allein mit einer ganzen Klasse nicht geschafft“, sagt Annett Welzien. Das Projekt startete im Frühling. „Gemeinsam mit den Eltern haben wir eine leere Grasnarbe in einen Acker verwandelt“, erzählt Marquardt. Seitdem wird jede Woche gepflanzt, gesät, gehackt, gejätet, geerntet. „Am Anfang waren ein paar Schüler skeptisch“, so die Lehrerin. Aber mittlerweile hätten alle das Projekt ins Herz geschlossen. Und den Acker-Coach erst recht. „Die Kinder sind immer ganz begeistert, wenn Marc kommt“, sagt Annett Welzien. Und die vier Flüchtlingskinder, die durchs Ackern gleich noch ein Stück besser in die Klasse integriert werden, lernen so auch gleich deutsche Gemüsesorten kennen.

Johann auf Mangold-Jagd

Johann auf Mangold-Jagd.

Quelle: Buddeke

Die Kids haben schon viel auf ihrem Acker wachsen sehen. Und daheim dann auch auf den Tisch gebracht. „Auch Gemüsesorten, die es zu Hause sonst nicht gab“, erzählt die Lehrerin. Ob Pflücksalat, Tomaten, Kartoffeln, Radieschen, Bohnen, Mais, Kohlrabi, aber auch weniger Alltägliches wie Fenchel, Mangold und Palmkohl – was man selber angebaut hat, wird zumindest probiert. Wenn’s geht, auch roh. Wir achten auch auf die Fruchtfolge“, verrät Marquardt. Wo Starkzehrer abgeerntet sind, folgen erst einmal genügsame Pflanzen, die den Boden wieder Kraft tanken lassen. Denn auch Marc Marquardt ist noch am Dazulernen. „Ich lerne genauso dazu“, sagt er und berichtet verschmitzt, dass er den Mangold am Anfang komplett abgeerntet hat. Jetzt weiß er, dass nur von außen geerntet wird – das Innere wächst weiter. Dann hat man das ganze Jahr was davon.

Team „Supersalat“ ist startklar

Team „Supersalat“ ist startklar.

Quelle: Buddeke

Johann pflückt inzwischen Tomaten. „Die sind klein. Aber supersüß“, sagt er. Hacken findet er anstrengend, aber auf Salat und Bohnen aus eigenem Anbau schwört er inzwischen. „Und die Zuckerschoten“, erinnert ihn sein Coach. „Ich habe viele neue Kräuter kennengelernt. Und wie man Tomaten erntet“, plaudert Amelie. „Man muss sie erst ausgeizen. Später kann man sie ernten. Und die sind voll lecker“, schwärmt sie. Gemüse mag sie sowieso gern: „Und Kürbis jetzt noch viel lieber.“ Sophie berichtet, dass sich im Mais – keiner wisse wieso – auf einmal eine Paprika versteckt hätte. „Einmal wollte ich was raushacken – da waren das aber die Steckzwiebeln“, erzählt sie von den Tücken der Arbeit. „Gut, dass ich Marc vorher noch gefragt habe.“

Klein und süß

Klein und süß: die Tomaten.

Quelle: Buddeke

Nein, regulärer Unterricht sei es nicht, erklärt Marc Marquardt. „Ich bin ja kein Lehrer. Eigentlich gärtnern wir zusammen“, beschreibt er das Projekt. „Marc, darf ich Kohlrabiblätter für meine Kaninchen mitnehmen?“ Klar, Tim darf. Auch wenn es der Palmkohl ist. Und weiter wird gehackt. „Wenn ihr Pflanzen seht, die nicht ins Beet gehören – zupft sie aus und legt sie als Mulch obendrauf“, sagt Marquardt und erklärt, dass das am Ackerrand kein Gras, sondern die Reste der Schwarzwurzeln sind. Bis auf die Explodiergurken sei alles gut gelungen. „Die probieren wir nächstes Jahr noch mal.“ Das Saatgut komme vom Potsdamer Träger, genau wie die Weiterbildungen für die Pädagogen. „Aber die Kinder wissen jetzt schon, dass wir aus unseren Pflanzen eigenen Samen gewinnen können“, erklärt der 39-Jährige und reibt ein paar Fenchelsamen aus dem getrockneten Kraut, während die Jungs von „Supersalat“ vom nächsten ungeduldigen Acker-Team abgelöst werden. Völlig klar, dass die Schüler ihren Acker auch in der kommenden Saison wieder liebevoll bearbeiten werden. Und dazu das Acker-Tagebuch führen.

Von Regine Buddeke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg