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Ostprignitz-Ruppin Dutzende Ex-Gastarbeiter aus Vietnam in Kyritz
Lokales Ostprignitz-Ruppin Dutzende Ex-Gastarbeiter aus Vietnam in Kyritz
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00:30 20.08.2015
Gruppenfoto in der Vereinsturnhalle an der Ammerländer Straße. Mittendrin (l. neben Bürgermeisterin Görke): Nguyen Bich Thao von der vietnamesischen Botschaft. Quelle: Matthias Anke
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Kyritz

Als Leanh Tuan 18 Jahre alt war und nach Deutschland kam, hieß Chemnitz noch Karl-Marx-Stadt, und sein neue Heimat wurde die Deutsche Demokratische Republik. Mit dieser war es wenige Monate später jedoch vorbei. Tuan verlor also seinen gerade erst neuen Job im VEB Spinnereimaschinenbau wie auch alle anderen DDR-Gastarbeiter aus Vietnam. „Eine schwere Zeit begann“, erzählte Tuan. „Wir hielten uns viel mit Marktständen über Wasser.“ Heute aber ist er längst stolzer Inhaber eines Textilwarengeschäfts. „Ich bin jetzt seit über 25 Jahren hier und sehe mich zur Hälfte als Deutscher. Das sage ich von Herzen.“ Und so ähnlich sagten es alle, die sich dieser Tage bei einem großen Familiensportfest in Kyritz wiedersahen und von denen Tuan die weiteste Anreise hatte.

Sie kamen aus Hamburg, Rostock und auch aus der Nähe von Cottbus, vorwiegend aber aus Neuruppin, Wittstock, Pritzwalk und Perleberg. Allerorten sind sie stadtbekannte Leute nicht nur wegen ihrer Kleiderläden und Export-Importgeschäfte, sondern auch den Imbissen. Nach Kyritz lud sie nun Van Hoang ein, der als Gastarbeiter im Baukombinat Potsdam anfing und sich heute ein Kyritzer nennt. In der Stadt spielt er beim SC Blauer Anker Tischtennis. Es ist ein Sport, der viele Vietnamesen verbindet. „Wir haben uns bei Tischtennis schon oft getroffenen, dieses Mal aber sollten auch alle Familien dabei sein“, erklärte Nguyen Canh Nhu, der das Fest mit organisierte. Dabei ging es nicht allein ums Tischtennis, sondern auch Volleyball, Zweifelderball und Fußball beispielsweise.

Bis Ende der 1980er Jahre kamen rund 100 000 Vietnamesen in die DDR

Auch Nguyen Canh Nhu stammt aus der Textilbranche. 1987 begann der Wittstocker im dortigen VEB Obertrikotagen (OTB), bevor die schwere Zeit anbrach: Seit dem Start des Gastarbeiterprogramms bis zum Höhepunkt Ende der 1980er Jahre kamen rund 100 000 Vietnamesen in die DDR. Viele kehren wieder zurück, waren sie doch nach der Wende von der steigenden Arbeitslosigkeit akut betroffen. Es kam zu Diskriminierungen, die unter anderem in den Vorfällen von Rostock-Lichtenhagen oder Hoyerswerda gipfelten. Die Bundesregierung bot den damals in Ostdeutschland lebenden Vietnamesen an, die Kosten für eine Rückreise in ihre Heimat zu übernehmen. „Im OTB waren wir 300 Frauen und 30 Männer. Heute sind noch fünf da“, sagte Nhu, der mittlerweile sein eigenes Geschäft hat. „Bald gehe ich aber in Rente“, ergänzte der 65-Jährige.

Den „Fleiß, aber auch Geschäftssinn“ der Vietnamesen würdigte die Kyritzer Bürgermeisterin Nora Görke. „So manches Haus in der Stadt würde ansonsten vermutlich leerstehen“, sagte sie: „Ich freue mich also, dass es Sie hier gibt. Sie machen die Stadt bunter.“ Die Vietnamesen werden laut der Bürgermeisterin besonders für ihre Freundlichkeit auch von vielen anderen Kyritzern sehr geschätzt. Für die Einladung zu dem Fest bedankte sie sich daher ausdrücklich.

Bürgermeisterin Nora Görke im Gespräch mit Nguyen Canh Nhu. Quelle: Matthias Anke

Unter den Gästen befand sich zudem Nguyen Bich Thao, die Erste Sekretärin der vietnamesischen Botschaft in Berlin. Sie regte an, einen Kulturverein zu gründen.

Dass ein Verein dabei helfen kann, sich regelmäßiger zu treffen, bestätigte Leanh Tuan. Bei ihm in Sachsen gibt es die „Vereinigung der Vietnamesen in Chemnitz und Zwickau“. Vielleicht also kommt es dazu nun bis zum nächsten großen Wiedersehen in Kyritz 2016.

Von Matthias Anke

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