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Ostprignitz-Ruppin Ehemaliger Kaufhallenchef erinnert sich
Lokales Ostprignitz-Ruppin Ehemaliger Kaufhallenchef erinnert sich
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02:15 24.02.2017
Rolf Wernitz vor seiner einstigen Wirkungsstätte in der Friedensstraße. Quelle: André Reichel
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Kyritz

In zwei Wochen feiert Rolf Wernitz seinen 90. Geburtstag. Der agile Senior ist noch immer gut zu Fuß und so führt ihn der eine oder andere Gang zum Einkauf in den nahe gelegenen Frischemarkt in der Friedensstraße. Rolf Wernitz ist froh, dass es diesen kleinen Einkaufsmarkt überhaupt noch gibt, denn gerade für die am so genannten „Ring“ im Stadtteil Kyritz-West lebenden Senioren wäre der Weg zu anderen Märkten wesentlich weiter. „Was das für eine Lücke hinterlässt, sieht man am Beispiel der geschlossenen Kaufhalle in der Bach-Straße“, sagt Rolf Wernitz.

Zum Einkaufsmarkt in der Friedensstraße hat der 89-jährige Rentner eine ganz besondere Beziehung. Fast 20 Jahre lang war er Leiter dieser Einrichtung, die von der Bevölkerung in Anlehnung an den Stadtteil, in dem sie sich befindet, meist „Kaufhalle-West“ genannt wurde. Sein Handwerk hat der am 9. März 1927 in Osterburg geborene Rolf Wernitz von der Pike auf gelernt. Seine Eltern hatten in dem kleinen altmärkischen Städtchen ein Lebensmittelgeschäft. Schon in Osterburg leitete Wernitz eine Kaufhalle, wie die in Kyritz.

Außenansicht der Kaufhalle aus dem Jahre 1984. Quelle: André Reichel

Im Jahr 1974 zogen Rolf Wernitz und seine vor einigen Monaten gestorbene Frau nach Kyritz in einen damals gerade fertiggestellten Neubaublock in der Pestalozzi-Straße, die zu DDR-Zeiten „Am Ring“hieß. „In einer Fachzeitschrift hatte ich eine Stellenausschreibung gelesen und mich daraufhin beworben“, erinnert sich Rolf Wernitz. Er übernahm die Leitung der Kaufhalle in der Friedensstraße. Diese wurde 1968 nach einem DDR-weit einheitlichen Muster errichtet. Was Wernitz bald schon feststellte: Die Kyritzer Verkaufsstelle war zu klein. „In den Anfangsjahren ging das noch“, sagt Wernitz. Doch Kyritz-West wuchs jedes Jahr um mehrere Neubaublöcke an und dementsprechend wohnten immer mehr Menschen dort. „Für uns galt, die Versorgung sicherzustellen“, sagt Rolf Wernitz.

Einfach waren die Bedingungen dafür nicht. Abgesehen von der relativ geringen Verkaufsfläche war der Bau auch noch verwinkelt, die Gänge zwischen den Regalreihen wareb zu eng, erzählt Wernitz. „Die winzige Kühlkammer war eine Lachplatte. Ich wusste oft nicht, wo ich mit den Waren hin soll.“

Rolf Wernitz (3.v.r.) bei der Einweihung des Kaufhallen-Anbaus 1983. Quelle: André Reichel

Hatte die Kaufhalle in den Anfangsjahren noch um die acht Mitarbeiter, waren es 1977 bereits 20 Mitarbeiter, dazu kamen sechs Lehrlinge. Bis auf Wernitz und den Hausmeister waren es in all den Jahren ausnahmslos Frauen. Die Arbeit, die sie zu verrichten hatten, war nicht leicht. Schwere Margarineblöcke mussten sie genauso ausladen wie 40 Kilogramm wiegende Fleischkisten. Nicht zu vergessen die Getränkekästen. Rund ein Dutzend Großbetriebe aus der unmittelbaren Region belieferten die Kaufhalle. Brause und Eis wurden in Kyritz im einstigen Nahrungsmittelbetrieb hergestellt. Käse und Milch in der örtlichen Molkerei. Bier kam aus Dessow, Brot und Brötchen wurden in der Konsum-Bäckerei produziert. Oft standen die LKW an der Rampe Schlange. Der einstige Kaufhallenchef hatte immer große Hochachtung vor der Leistung seiner Mitarbeiterinnen. Die mussten nicht nur anpacken können, sondern auch sehr gut im Kopfrechnen sein und die Preise von allen Waren auswendig kennen. 1983 setzte Rolf Wernitz durch, dass die Kaufhalle einen Anbau bekam. Diese wuchs von vorher 220 auf 380 Quadratmeter an. Im neuen Teil fanden die Flaschenannahme und die Getränkeabteilung Platz, wo sie bis heute zu finden sind.

Ostprodukte wurden Ladenhüter

In jener Zeit führte Wernitz auch den Schichtbetrieb ein. Zum einen war die Kaufhalle nun durchgängig geöffnet und zum anderen konnte man nun mehr auf die auswärtigen Mitarbeiterinnen Rücksicht nehmen, die auf den Bus angewiesen waren.

Die friedliche Revolution im Herbst 1989 und das Ende der DDR wirkte sich auch auf die Kaufhalle aus. Plötzlich wollte niemand mehr Ostprodukte kaufen, die zu Ladenhütern wurden. „Es war eine verrückte Zeit, in der es drunter und drüber ging. Die Vertreter aus den alten Bundesländern gaben sich die Klinke in die Hand“, erinnert sich Rolf Wernitz. Recht schnell, Anfang 1990, übernahm Spar die Verkaufsstelle. In jener Zeit arbeiteten dort 22 Mitarbeiterinnen und fünf Lehrlinge, die vorerst bleiben konnten. Doch als die Kaufhalle am 1.1.1992 zu einem Edeka-Markt wurde, änderte sich einiges. „Die Hälfte aller Leute wurden entlassen“, sagt Rolf Wernitz, der froh war, zwei Monate später in Rente gehen zu können.

Von André Reichel

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