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Ostprignitz-Ruppin Ein Abend für Justitia in Köpernitz
Lokales Ostprignitz-Ruppin Ein Abend für Justitia in Köpernitz
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00:25 21.10.2015
Bernd Donner (r.) überreicht Egbert Simons einen Gerichtsstempel der Gräfin La Roche Aymon. Quelle: Buddeke
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Köpernitz

Wahr oder gelogen? „In Waterloo/Nebraska ist es Friseuren verboten, tagsüber Zwiebeln zu verzehren.“ Oder: „In Siena/Italien dürfen Frauen, die Maria heißen, nicht als Prostituierte arbeiten.“ Nicht ganz leicht für die 80 Gäste, diese und noch drei andere Fragen des Gerichts-Quiz richtig zu beantworten. Ja und Ja wäre übrigens die korrekte Lösung gewesen. Alle richtigen Antworten schafft indes niemand. Obschon es vorher einen ausführlichen Exkurs in die Welt der Rechtsprechung gab.

Gastgeber Bernd Donner hatte keinen Geringeren als den Präsidenten des Landgerichts Neuruppin, Egbert Simons, als Experten für die nunmehr 44. Auflage der Veranstaltungsreihe „Ländliche Gerichte und Geschichte(n)“ eingeladen. Die stand am Sonnabend unter dem Motto „Alles, was recht ist – Gerichtsbarkeit gestern und heute“. Die Inspiration dafür sei ihm, so erklärt er, beim Fund eines Gerichtssiegels der Gräfin La Roche Aymon gekommen, die lange Zeit im Köpernitzer Gutshaus residierte. Außerdem habe er eine Festschrift zur 750-Jahr-Feier Neuruppins gefunden, in der auch ein Bericht über damalige Rechtsprechung stand. „Gab es so etwas damals schon?“, fragte er Simons im Podiumsgespräch. Im frühen Mittelalter noch nicht wirklich, so Simons. Es gab weder Rechtsanwälte noch Zeugen oder die heute übliche Beweisführung. Letztere hieß damals Folter, oder bestenfalls Gottesurteil. Das Recht wurde von den Herrschenden gemacht. Friedrich der Große indes, hätte – misstrauisch gegenüber der Gerichtsbarkeit – eine Kodifizierung beantragt, sprich: eine Zusammenfassung gültiger Rechtsnormen: das 1794 erlassene „Allgemeine Landrecht für die Preußischen Staaten“ war der bislang einzige Versuch, Zivil- und Strafrecht zu einem einzigen Werk zu vereinen. „Raten Sie mal, wie viele Paragrafen das hatte?“, fragt Simons in die Runde. „Über 19 000!“ Zum Vergleich – das BGB hat gerade mal 2400. Die Zuhörer staunen einmal mehr, genauso wie über den zu Napoleons Zeiten entstandenen und bis heute existierenden „Rheinpreußischen Amtsrichter-Verein“, „dessen einzige Aufgabe in der Vertilgung der Maibowle besteht“, so Simons. Alibihalber gebe es vorab immer einen juristischen Vortrag. „Hinterher wäre es völlig sinnlos.“ Die Gäste kichern.

Simons erklärt, warum die Frauenquote im Richterberuf um einiges höher liegt als im Lehramt. „Frauen sind besser“, sagt er über die immens hohen Anforderungen an Richter. Und Männer würden gern mehr verdienen und daher lieber Wirtschaftsanwalt.

Für die Gäste gab es – wie gewohnt – eine leckere Henkersmahlzeit aus Haxe und Kraut, bevor Bernd Donner zum literarischen Gegenschlag ausholte und aus seinem Werk las: „Das angebliche Menschenrecht auf Ruhe“.

Von Regine Buddeke

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