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Ostprignitz-Ruppin Ein Allround-Talent
Lokales Ostprignitz-Ruppin Ein Allround-Talent
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00:17 21.10.2016
In seiner Winterwerkstatt repariert Walter Knobloch derzeit die Tarmower Kirchenuhr. Quelle: Fotos (4): Peter Geisler
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Hakenberg

Fix war Walter Knobloch schon immer. Als er 1948  geboren wurde, sollte die Hebamme mit dem Pferdewagen aus Tarmow nach Hakenberg geholt werden. Bevor die Geburtshelferin da war, war der kleine Knobloch bereits auf der Welt. Schöne Erinnerungen verbindet er mit seinem Heimatdorf. Sein Vater hat den Pfarrgarten gepflegt, seine Mutter die 13 Kinder des Pfarrers betreut. „Da fiel ich gar nicht auf“, sagt er. Als Kind sei er nicht der Bravste gewesen. Im Gedächtnis sind ihm die Prügel geblieben, die ihm ein Dorfbewohner verpasst hat, als er den Zehnjährigen beim Rauchen erwischte.

Das alte Pfarrhaus wieder mit Leben erfüllt

Ausbildung und Beruf führten ihn weg aus Hakenberg. 30 Jahre lebte er in Velten, arbeitete unter anderem im Stahlwerk Hennigsdorf. Doch die Sehnsucht nach Hakenberg blieb. „Ich wollte zurück in mein Dorf.“ Nur seine Frau zog anfänglich nicht mit. „Acht Jahre habe ich gebraucht, um meine Frau zu überzeugen.“ Steter Tropfen höhlte den Stein. Seine Frau erklärte sich bereit, umzuziehen. Da stand 1999 das alte Pfarrhaus zum Verkauf – und Knobloch schlug zu. Dafür trennte er sich von seinem BMW 328 aus dem Jahr 1937. Peu à peu baute er das Haus aus, mit der Hilfe seiner beiden Söhne. Von ihnen sollte einer eine Wohnung beziehen. Doch der verliebte sich während eines Amerika-Aufenthaltes – und blieb.

Der unermüdliche Bastler

Knobloch stand mit dem großen Haus da, in das er mit seiner Frau zog. So entstand die Idee, eine Pension zu eröffnen. Seit 2004  wird das 1883 erbaute Haus als Feriendomizil, aber auch von Pilgern und Jägern genutzt. Drei Ferienwohnungen stehen zur Verfügung. Stammgast ist ein Motorradfahrer, der jedes Jahr mit seiner Maschine die Gegend erkundet. Damit sich seine Gäste wohl fühlen, hat der Hausherr so einiges an Arbeit in den Garten investiert. Lauschige Sitzecken laden zum Verweilen ein. In einem von Knobloch zur Dampfmaschine umgefriemelten Zentralheizungskessel wird der Wildschweinbraten zum unvergesslichen Essgenuss. Überhaupt Basteln: Das ist die Lieblingsbeschäftigung von Knobloch. In seinem Werkzeugkeller repariert er zurzeit die Uhr der Tarmower Kirche von 1722, die Kirchturmuhren von Hakenberg und Fehrbellin hat der Rentner schon wieder in Gang gebracht. Das Schmuckstück steht in der Garage – sein erstes Auto, das er 1968 gekauft hat: Ein BMW Baujahr 1936 mit 45 PS. Der Oldtimer ist fahrbereit und wann immer er Lust darauf hat, setzt sich Knobloch hinters Steuer und kutschiert durch die Gegend.

Eine Kirche mit vielen Raritäten

Auch die benachbarte Kirche hat von seinen handwerklichen Fähigkeiten profitiert. So hat er ein Foucaultsches Pendel gebaut, anhand dessen man anschaulich die Erdumdrehung nachweisen kann. Dieses Pendel hat Knobloch im Industriemuseum in Brandenburg gesehen – und nachgebaut.

Besitzer des ehemaligen Pfarrhauses zu sein, verpflichtet. Auch wenn Knobloch selbst nicht gläubig ist, liegt ihm das benachbarte Gotteshaus am Herzen. „Ich bin schon als Kind durch die Kirche gelaufen.“ Eines der Kirchenfenster haben er und seine Frau, die Kirchenälteste ist, gesponsert. Und Freunde dazu bewegt, es ihm gleich zu tun. Stolz präsentiert Knobloch das goldene Buch, in das sich 1998 sogar Harald Juhnke und Otto Sander verewigt haben, als sie den „Prinzen von Homburg“ drehten. Sander schrieb: „Ein schöner Tag, gemacht zu schöner` Sachen, als sich zu schlagen.“ Das war, nachdem der Schauspieler die Kanonenkugelsammlung besichtigt hatte, die gut geschützt hinter einer Holztür aufgereiht ist. Es sind Überreste der legendären Schlacht bei Fehrbellin 1675, die im 19. Jahrhundert auf den umliegenden Äckern gefunden wurden. Der damalige Kantor August Peters hat sie aufgestellt, weiß Knobloch. Eben jenem Kantor ist es auch zu verdanken, dass die Siegessäule, die an die siegreiche Schlacht des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm gegen die Schweden erinnert, in Hakenberg und nicht in Fehrbellin steht. Peters hat, so erzählt Walter Knobloch, dem König vorgetragen, dass das Denkmal nach Hakenberg gehört und sich damit den Zorn der Ratsherren zugezogen, die ihm einen „goldenen Strick“ schickten, an dem er sich aufhängen solle.

Genug geredet, sagt Knobloch, er wolle wieder an die Arbeit. Er schließt die Kirche zu und stapft zurück, in das alte Pfarrhaus.

Von Dagmar Simons

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