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Ostprignitz-Ruppin Ein Bonus für die Biobauern
Lokales Ostprignitz-Ruppin Ein Bonus für die Biobauern
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14:19 26.05.2014
Bio-Landwirtschaft wird in Brandenburg mit der Beibehaltungsprämie auch weiterhin gefördert. Quelle: dpa
Netzow

„Den Erfolg haben wir auch unseren Verbänden zu verdanken, die sich in den vergangenen Jahren für uns starkgemacht haben“, sagt Öko-Bauer Steffen Jennerjahn aus Netzow (Gemeinde Plattenburg).

Vor zehn Jahren hat der 43-jährige Landwirt seinen Marktfruchtbetrieb in der Prignitz auf ökologischen Landbau umgestellt. Damals bekam er noch eine Umstellungsprämie von 50Euro pro Hektar. Seit einigen Jahren bekommen Brandenburgs Bauern für den Wechsel von der konventionellen zur ökologischen Landwirtschaft keine Beihilfe mehr. Das brachte der Landesregierung viel Kritik ein, da während der zweijährigen Umstellungszeit bereits ökologisch gewirtschaftet werden muss, die Produkte jedoch nur als konventionelle vermarktet werden dürfen. Eine Umstellungsprämie wird es auch künftig nicht mehr geben, doch das Land hat sich zu deutlich höheren Prämiensätzen für die ökologisch wirtschaftenden Bauern durchgerungen – statt bisher 131 beziehungsweise 137Euro pro Hektar gibt es nun 210 Euro pro Hektar. „Das ist eine tolle Sache“, sagt Sascha Philipp, der agrarpolitische Sprecher des ökologischen Landbaus in Brandenburg. „Besonders bemerkenswert ist, dass Brandenburg diesmal keine Abstriche gemacht hat.“ Während die märkischen Fördersätze im Rahmen der erlaubten Abweichungen bisher um bis zu 30 Prozent unter dem bundesweit empfohlenen Richtwert lagen, wurden diesmal keine Abstriche gemacht. „Wir können mehr als glücklich sein“, sagt Sascha Philipp.

Ökoland in Brandenburg

  • Im vergangenen Jahr gab es in Brandenburg 650 Betriebe, die teilweise beziehungsweise vollständig nach den Richtlinien des Ökolandbaus wirtschafteten. Die Zahl der Betriebe sank erstmals seit 1999. Im Vergleich zum Jahr 2010 um sechs Prozent.
  • Die ökologisch bewirtschaftete Fläche sank laut Landesstatistikamt 2013 um zwei Prozent auf 137 700 Hektar.
  • 65 Prozent der Fläche des Öko-Landbaus wurden als Ackerland, 33 Prozent als Dauergrünland genutzt.
  • 75 Prozent der Öko-Betriebe verfügten über Viehbestände. In diesen Betrieben standen unter anderem 54 700 Rinder, 19 400 Schafe, 13 500 Schweine und 326 800 Hühner.
  • Bio-Betriebe erhalten in der neuen EU-Förderperiode bis 2020 rund 178 Millionen Euro aus Mitteln des europäischen Agrarfonds ELER sowie aus Landes- und Bundesmitteln. In der letzten Förderperiode waren es 116 Millionen Euro.

Steffen Jennerjahn sieht das auch so. Er ist froh darüber, dass die Zukunftsängste nun erst einmal wieder in den Hintergrund treten können, denn er möchte auch weiterhin ökologisch produzieren. Seit wann die Jennerjahns Landwirtschaft betreiben, weiß der Agraringenieur selbst nicht genau zu sagen. „Damals gab es jedenfalls noch einen Generationenvertrag“, sagt er. Die Kinder übernehmen den Hof der Eltern und wirtschaften so, dass auch sie den nachfolgenden Generationen wieder eine gute Lebensgrundlage hinterlassen. Er und sein neun Jahre älterer Bruder Karsten ergriffen beide den Agrarberuf. Heute hat jeder seinen eigenen Landwirtschaftsbetrieb. Steffen Jennerjahn wirtschaftet ökologisch, sein Bruder konventionell.

Als sich der Ökobauer vor zehn Jahren entschloss, den konventionellen Ackerbau aufzugeben und nur noch Bioprodukte zu produzieren, gab es viele Bauern, die ihre Flächen teilweise ökologisch und teilweise konventionell bewirtschafteten. „Da die Bodenqualität bei uns sehr unterschiedlich ist, haben viele Landwirte die Flächen mit mageren Böden als Bio bewirtschaftet und dafür die Prämien kassiert. Diese Möglichkeit gibt es heute nicht mehr“, sagt Steffen Jennerjahn, der Getreide, Raps, Mais und Leguminosen anbaut.

Da er keine Tiere hält, ist er auf die Kooperation mit anderen Landwirten angewiesen. „Ich liefere ökologisches Futter und bekomme dafür den Mist für meine Felder.“ Bei der Bewirtschaftung muss der Landwirt die Richtlinien des Naturland-Verbands einhalten, dessen Mitglied er ist. Die ökologischen Standards sind strenger als die gesetzlichen Anforderungen der EG-Öko-Verordnung. Naturland fördert den ökologischen Landbau weltweit und ist mit über 53000 Bauern einer der größten ökologischen Anbauverbände.

Obwohl Steffen Jennerjahn stärkeren Kontrollen ausgesetzt ist und für die Bewirtschaftung mehr Technik benötigt, bereut er seinen Schritt nicht, denn er legt großen Wert auf Nachhaltigkeit. „So bin ich auch freier in meinen Entscheidungen“, sagt er. „Als konventioneller Bauer ist man extrem abhängig von der Industrie.“

Sein Bruder Karsten Jennerjahn ist von der ökologischen Landwirtschaft weniger begeistert. „Ich habe mir das damals erst einmal angesehen“, sagt er. „Das hat mich aber nicht überzeugt.“ Der Präsident des Brandenburger Bauernbundes kritisiert vor allem das schlechte Funktionieren des Biomarktes, den fehlenden Landhandel und die große Bürokratie. „Es gibt zu viele Kontrollstellen, so dass die Bauern oft gar nicht mehr durchsehen und schnell mal einen Fehler machen. Die Folge ist, dass sie dann Prämien zurückzahlen müssen; im schlimmsten Fall für fünf Jahre.“

Einig sind sich beide darüber, dass Verbraucher und Politiker mehr auf Bäuerleins Vernunft setzen sollten. „Denn wer sich als Bauer fühlt, der wirtschaftet auch so“, sagt Karsten Jennerjahn. Die panische Angst vor vergifteten Lebensmitteln können sie nicht nachvollziehen. „Und wenn dann etwas schiefgeht, schiebt es einer auf den anderen – die Kommunen auf das Land, die Länder auf den Bund und der Bund auf die EU.“

Von Cornelia Felsch

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