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Ein Bund fürs Leben

Großzerlang Ein Bund fürs Leben

In Großzerlang erkunden gerade 550 junge Pfadfinder aus Hessen die brandenburgische Natur. Sie organisieren alles selbst, bis hin zum Essen. Zwei Jahre haben sich die jungen Leute auf den Abenteuerurlaub in der Natur vorbereitet.

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Musik am Lagerfeuer gehört natürlich dazu, wenn sich Pfadfinder treffen.

Quelle: Peter Geisler

Großzerlang. Die Mädchen und Jungs liegen entspannt am Kleinen Pälitzsee und quatschen. Das Ufer bildet die Landesgrenze: Die Landseite gehört zu Brandenburg, das Wasser zu Mecklenburg. Den Jugendlichen ist das egal, sie haben gerade andere Sorgen – sie schreiben Postkarten. Einen Feriengruß mitten aus der Natur zu ihren Eltern ins städtische Hessen. Als sie Annika Schulte entdecken, winken sie aufgeregt. „Gibt es noch T-Shirts?“ – „Kannst du meine Postkarte mitnehmen?“ – „Wie ist die Postleitzahl von Königstein?“

„Anni“ scheint die Frau für alle Fälle zu sein. Tatsächlich gehört Annika Schulte zum Organisationsteam auf dem Bundeszeltplatz des Verbandes Christlicher Pfadfinder (VCP) in Großzerlang. Etwa 550 Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus ganz Hessen verbringen einen Teil ihrer Ferien auf dem riesigen Zeltplatz. Sie schlafen in Zelten, kochen in Gruppen von 20 bis 70 Leuten selbst, genießen die Natur und erkunden die Gegend. Zehn Tage bleiben die Pfadfinder. Am nächsten Wochenende müssen sie wieder nach Hause.

In 18 Gruppen kochen die Kinder und Jugendlichen über offenen Feuern ihr eigenes Essen

In 18 Gruppen kochen die Kinder und Jugendlichen über offenen Feuern ihr eigenes Essen. Dazu müssen sie erst einmal alles heranschaffen, selbst das Wasser.

Quelle: Peter Geisler

Annika Schulte gehört zum Presse­team, das alle zwei Tage eine eigene Lagerzeitung herausbringt – das „Seemannsgarn“. Das kleine Heft steckt voller Geschichten, die die Pfadfinder oft selbst geschrieben haben. Die Zeitungen sind gefragt. „Vor allem wollen sich die Kids natürlich auf den Fotos wiedererkennen“, sagt Annika Schulte. Also gibt es viele Bilder.

Zwei Jahre haben sich die Pfadfinder aus Hessen auf ihr großes Abenteuer in Brandenburg vorbereitet. Alle vier Jahre veranstaltet der Landesverband des VCP ein solches Landeslager, immer an einem anderen Ort. „Stämme“ aus dem gesamten Land machen mit. Zu einem Stamm gehören in der Regel alle Pfadfinder eines Ortes.

Die meisten Jugendlichen leben in der Stadt. „Dörfer kennen viele gar nicht“, sagt Annika Schulte. So gesehen ist Großzerlang ein einziges Abenteuer – ein Ort, an dem es nachts so dunkel wird, dass man die Milchstraße sehen kann.

Geschlafen wird in Zelten

Geschlafen wird in Zelten. Aus Planen in zwei verschiedenen Formen lassen sich unterschiedlich große Unterkünfte bauen.

Quelle: Peter Geisler

Die Pfadfindergruppen organisieren sich selbst. Es gibt keine Betreuer, die Anweisungen erteilen. Das Organisationsteam steht den Jugendlichen zwar mit Rat und Tat zur Seite. Aber die meisten im Team haben selbst noch keine Erfahrung, was es bedeutet, ein so großes Zeltlager zu leiten.

Im „Orgateam“ machen viele Studenten mit, so wie Anni. Sie kommt aus Hofheim und studiert gerade Psychologie. Das mit der Pressearbeit „hab ich so auch noch nicht gemacht“, sagt sie und lacht. Das Zeltlager ist wie eine riesige Abenteuerschule: Alle lernen die ganze Zeit über dazu. Genau darum geht es bei den Pfadfindern.

Mitmachen kann jeder – egal ob christlich oder nicht

Der VCP ist bei Weitem nicht der einzige Pfadfinderverband in Deutschland, aber der größte evangelische. Das Wort „christlich“ im Namen „ist schon wichtig“, sagt Kilian Hähn aus Friedberg. Auch er gehört zu den Organisatoren, die sich seit zwei Jahren den Kopf zerbrochen haben, ob auch ja alles klappt mit so vielen Jugendlichen so weit weg von zu Hause.

Regelmäßige Andachten gehören zum Programm auf dem Platz. „Aber niemand wird gezwungen mitzumachen“, sagt Kilian Hähn. Wer beim Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder mitmachen will, muss nicht unbedingt christlich sein. Die Jugendlichen gehören allen möglichen Konfessionen an, manche gar keiner. Mitmachen kann jeder.

Auch ihr Holz mach die Jugendlichen selbst – ohne Holz kein Feuer

Auch ihr Holz mach die Jugendlichen selbst – ohne Holz kein Feuer.

Quelle: Peter Geisler

Das Lager in Großzerlang hat sich ein Motto gegeben. Diesmal geht es um die Hanse. Die Jugendlichen wollen die Geschichte des historischen Handelsverbundes erkunden. Es geht um Handel, Wirtschaft, Aufschwung und um Piraten. Der ideale Stoff für Abenteuer.

In 18 Gruppen kochen die Jugendlichen jeden Tag selbst. 550 Pfadfinder verputzen Unmengen an Lebensmitteln. „Wir haben allein 1,5 Tonnen Brot bestellt“, sagt Jonas Höchst, einer der drei Verpflegungswarte des Lagers. Kartoffeln, Gemüse und Kräuter ernten die Pfadfinder bei Frank Rumpe aus Altglobsow selbst. Alle zwei Tage fahren 15 Jugendliche mit zwei Autos dorthin und holen Nachschub. „Da sehen sie gleich, dass es Gemüse nicht nur im Regal im Supermarkt gibt“, sagt Kilian Hähn. Vom Imker Oliver Borchert aus Großwoltersdorf lernen die Kinder, wie man Honig macht; er hat seine Bienen extra auf den Platz geholt. Auch Honig wächst eben nicht im Glas.

„Rent a Scout“: Pfadfinder arbeiten für Familien mit weniger Geld

Die zehn Tage Abenteuerurlaub kosten 290 Euro. Die erwachsenen Organisatoren zahlen so viel wie die Kinder. Keiner ist angestellt, alle arbeiten ehrenamtlich. Für Familien mit weniger Geld haben Pfadfindergruppen aus ganz Hessen seit Monaten Geld gesammelt. „Rent a Scout“, heißt das Programm, erklärt Tobias Klonk, einer der beiden Chefs auf dem Platz in Großzerlang. Pfadfinder haben gearbeitet und ihren Verdienst in einen großen Topf eingezahlt. Wer nicht genügend Geld fürs Lager hatte, konnte einen Zuschuss bekommen. Die Idee kam gut an – so wie das gesamte Landeslager.

Die Oase ist das Herz des Lagers

Die Oase ist das Herz des Lagers. Wer will, findet dort Getränke und Snacks für zwischendurch, Postkarten und natürlich die Lagerzeitung „Seemannsgarn“. Die Zelte sind der Form eines Wales nachempfunden.

Quelle: Peter Geisler

Selbst die größte Entbehrung habe die Jugendlichen gut verkraftet: Handys und andere elektronische Geräte sind in Großzerlang tabu. „Wir waren erst skeptisch, ob das klappt“, gibt Tobias Klonk zu. Doch die Kids scheinen die Smartphones gar nicht zu vermissen.

Es sei denn, sie wollen eine Postkarte nach Hause schreiben und wissen die Postleitzahl gerade nicht. Ein echtes Problem, bei dem selbst Annika Schulte nicht helfen kann. Auch sie hat kein Gerät. mit dem sie mal schnell ins Internet könnte. Im Zeltlager sind eben alle gleich.

Von Reyk Grunow

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