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Ein Dorf für „Freiträumer“

Bantikow Ein Dorf für „Freiträumer“

Drei richtig große Abenteuer hat der Weltenbummler Mario Goldstein, der sich vielmehr „Freiträumer“ nennt, erlebt. Für seine vierte große Reise trainierte der Sachse jetzt rund um den Kyritzer Untersee bei Bantikow. In dem Dorf ist er schon längst kein Unbekannter mehr – und er wird auch schon bald wieder dorthin zurückkehren.

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Unvergesslich: Mario Goldstein beim Dalai Lama.

Quelle: Privat

Bantikow. „Genial, einfach super“, sagt der Langhaarige. So einige Tropfen fallen von seinem klitschnassen Haupt auf das bis eben noch trockene T-Shirt. „Herrlich, einfach herrlich“, sagt der Bantikower Ralf Kaiser. Er entsprang an diesem frühen Morgen soeben dem Untersee, atmet jetzt noch mal tief durch und setzt sich. Frühstück. Der Tisch ist schon gedeckt. Kaiser hat Besuch. Ähnlich kerniger Typ, aber viel grauer, mit Bart und noch kräftiger. Es ist der 46-jährige Mario Goldstein. Ein Weltenbummler, Abenteurer – besser, wie er selbst sagt: Freiträumer.

Goldstein organisiert für März 2017 bereits sein drittes „Freiträumer-Festival“ in der Festhalle im sächsischen Plauen. Neun Live-Reportagen der Spitzenklasse von bundesweit ähnlich bekannten Abenteurern stehen auf dem Programm. Zuvor gibt es im November erstmals einen Freiträumer-Tag. Mit dabei: der namhafte Moderator Markus Lanz. Dessen Vortragsthema lautet „Grönland. Meine Reise ans Ende der Welt.“

Es sind regelrechte Events, sogenannte Multivision-Shows. Genau das, was sich Ralf Kaiser auch für Bantikow wünscht. „Das wäre was“, sagt er. Das Interesse danach gebe es in der weiteren Region schließlich. Klein wurde ja bereits angefangen: Kaiser holte seinen Freund Goldstein im Januar 2015 für einen ersten Reisebericht in das Dorf am Kyritzer Untersee, und zwar ins Bantikower Restaurant mit dem so passenden Namen „Villa Me(e)hr“. Der Vortragstitel: „Fünf Jahre, fünf Meere.“ Eine war eine Reise mit dem Segelboot.

Am Untersee in Bantikow trainiert der Abenteurer für seine Wanderung auf dem ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifen

Am Untersee in Bantikow trainiert der Abenteurer für seine Wanderung auf dem ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifen.

Quelle: Matthias Anke

„Meine Reise zum Dalai Lama“ hieß der Vortrag dann im Januar dieses Jahres. Goldstein machte sich in einem von der Polizei ausrangierten Wasserwerfer und mit einer Friedensbotschaft im Gepäck auf den Weg zu dem weltweit berühmtesten Buddhisten.

Im kommenden Herbst, am 25. September, berichtet Goldstein ab 15 Uhr erneut in Bantikow von seiner Meeresreise, weil die so stark nachgefragt war, und im Januar 2017 dann von der „Sehnsucht Wildnis“. Dieser Bericht handelt dann von Goldsteins drittem großen Abenteuer, bei dem es per Floß durch Kanada und Alaska ging.

Wanderung entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze

Zuvor aber – und genau deshalb weilte Goldstein in den zurückliegenden zwei Wochen in Bantikow, ohne einen Vortrag zu halten – steht erst noch ein viertes großes Abenteuer an. „Dieses Mal zu Fuß, das ist für mich auf dieser langen Strecke ungewohnt“, erzählt Goldstein, der daher rund um Bantikow dafür trainierte, mit Rucksack bepackt und vom Hund begleitet. Auch seine Frau ist streckenweise bei den Abenteuern dabei.

Los geht es nun in den kommenden Tagen. Es wird eine 764 Kilometer lange Wanderung entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Ein Kamerateam ist teils dabei, und ohnehin dürfte dieser Aktion bundesweite Aufmerksamkeit gewiss sein. Denn das Projekt dahinter ist ein ebenso großes wie der Weg an sich: Auf Initiative der Naturschutzorganisation BUND soll der Grenzverlauf, an dem vier Jahrzehnte lang Natur so unberührt wie nirgends blieb und sich ein Biotopverbund als „grünes Band“ entwickelte, zum ersten nationalen Naturmonument erklärt werden. „Vom Todesstreifen zur Lebenslinie“ wurde zum geflügelten Satz.

Während seiner Reisen hat der 46-Jährige viele interessante Dinge erlebt und ist mit Einheimischen auch auf Fischfang gegangen

Während seiner Reisen hat der 46-Jährige viele interessante Dinge erlebt und ist mit Einheimischen auch auf Fischfang gegangen.

Quelle: Privat

Mario Goldsteins erste große Reise war eigentlich eine ganz andere – und es schließt sich ein Kreis mit Blick auf sein neues „Abenteuer Deutschland“. Denn diese Reise führte ihn von Prag nach Berlin – in Begleitung von Sicherheitskräften. Der gelernte Baufacharbeiter war 1987 beim Fluchtversuch von der Tschechoslowakei nach Österreich gefasst worden, musste zwei Jahre ins Gefängnis.

„Bereits in der DDR wurde es mir zu eng und mit 18 Jahren ergriff ich die Flucht. Nach Umwegen landete ich schließlich im Westen Deutschlands. Jahrelang strebte ich als Unternehmer nach Erfolg und suchte meine Bestätigung im Anhäufen von materiellen Dingen. Irgendwann begriff ich, dass diese Art des Glückes nicht von Dauer sein kann. 2001 holte ich dann zum Befreiungsschlag aus, verkaufte alles, was ich in Deutschland besaß und segelte aufs Meer hinaus“, schreibt Goldstein auf seiner Internetseite. Die richtigen Reisen begannen. Und die nächste wartet also schon. Goldstein, der viel innere Ruhe ausstrahlt, mehr lächelt als zweifelt, ist voller Vorfreude. Er schmiert sich ein Brot. Es kann losgehen.

Von Matthias Anke

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