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Ostprignitz-Ruppin Ein Fall für Zwei
Lokales Ostprignitz-Ruppin Ein Fall für Zwei
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00:29 29.10.2015
Gunther Emmerlich (r.) und Gitarrist Frank Fröhlich begeisterten am Sonnabend die Besucher in Heiligengrabe. Quelle: Björn Wagener
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Heiligengrabe

Die Lacher sind manchmal laut, öfter leise. Für ein Schmunzeln ist fast immer gesorgt. Nur einmal wird es nachdenklich – als sich Gunther Emmerlich an die Leiden seiner früh verstorbenen Mutter erinnert. Es ist Samstagabend. Der Opernsänger, Entertainer, Moderator, Schauspieler und Autor sitzt im Alten Zisterzienserinnenkloster in Heiligengrabe. Die sehenswerten Wandmalereien von 1903 und das Tonnengewölbe verschwinden im Dunkeln. Nur die Bühne liegt im Licht.

Opernsänger, Entertainer, Moderator, Schauspieler und Autor Gunther Emmerlich in Heiligengrabe. Quelle: Björn Wagener

Seine sonore Stimme dringt aus den Lautsprechern. Sie beschreibt im Plauderton amüsante Episoden aus seinen Büchern „Ich wollte mich mal ausreden lassen“ (2007), und „Zugabe“ (2010) sowie ein paar Kostproben aus seinem neuen Werk, das im nächsten Frühjahr erscheint. Zeitweise tritt Emmerlichs Gestalt jedoch ins Halbdunkel. Dann greift Frank Fröhlich zur Gitarre und scheint förmlich mit dem Instrument zu verschmelzen. Er zupft und schlägt nicht nur die Saiten an, sondern bearbeitet den Korpus des Instrumentes mit vollem Körpereinsatz – klopft, wischt, trommelt und agiert so virtuos, dass die Begeisterung für diesen Könner im Saitenbereich im Publikum mit fortschreitender Zeit ansteigt. Auch Emmerlich greift zwischendurch immer mal wieder zur Gitarre. Bei Lee Marvin’s Bass-Klassiker „I was born under a wandering star“ ersetzt er am Schluss „wandering“ durch „soviet star“. Auch „Old Man River“ oder „When the Saints“ singt er. Bei „King Creole“ rockt es sogar richtig – nicht nur auf der Bühne. Die beiden Männer verschmelzen zu einem musikalisch-unterhaltsamen Team wie aus einem Guss. „Die Akustik ist aber auch gut hier“, bemerkt Emmerlich nebenbei.

Eine kleine Sause zum 100. Geburtstag mit Joopi Heesters

Aber es sind natürlich in erster Linie die Geschichten, mit denen er sich die Gunst der Zuhörer erarbeitet – mal sind es Erlebnisse, in denen sich womöglich jeder lebenserfahrene Mensch wiedererkennen kann, mal sind es Einblicke hinter die Kulissen eines Prominenten, wie sie eben nur Gunther Emmerlich zu bieten hat. Wie etwa die kleine Sause mit Joopi Heesters nach dessen Fete zu seinem 100. Geburtstag, als der Jubilar nicht etwa gleich ins Bett verschwand, sondern lieber noch nach einem guten Wein verlangte, die Vorzüge einer Mini-Bar genoss und Tabak zu schätzen wusste. „Nun kann man ja einem 100-Jährigen schlecht sagen, dass er das im Alter bereuen werde“, meinte Emmerlich.

Ein anderes Mal erzählte er, wie es kam, dass er sich zum letzten Konzert der Saison in einem Smoking von einem weitaus fülligeren Kollegen wiederfand – „sechs Nummern zu groß“. Mit Wäscheklammern und Nadeln wurde der Stoff hinten notdürftig zusammengehalten. Der ernsten Musik habe das eine „durchaus heitere Note“ verliehen, vor allem, als sich die ein oder andere Klammer zu lösen begann.

Der Abend in Heiligengrabe war voller kleiner augenzwinkernder Erkenntnisse für die Besucher – etwa, dass der Entertainer im zarten Alter von sieben Jahren erkannte, „dass sich Emmerlich auf jämmerlich reimt“, er früher zeitweise den Spitznamen „Emma“ trug, seine Musiklehrerin ihn allerdings „Caruso“ nannte. Jetzt ist der Star, der im thüringischen Eisenberg geboren wurde, Großvater von sieben Enkelinnen.

Gunther Emmerlich signierte seine Bücher. Quelle: Björn Wagener

Die Lesung innerhalb des Literarischen Bilderbogens endete mit stehenden Ovationen und begeistertem Applaus. Karin Kloke vom Medienzentrum Ostprignitz-Ruppin überreichte den beiden Protagonisten jeweils ein Wein-Präsent. Um den Abend für die Gäste abzurunden, hatte Elisabeth Hackstein vom Kloster Stift den Gästen nach der Begrüßung durch Bürgermeister Holger Kippenhahn den Auftrittsort mit dem Heiligen Grab in der Mitte etwas näher gebracht und beschrieben. Denn manche Besucher, so hieß es, hätten den kleinen eingezäunten Bereich mitunter für eine Heizung gehalten.

Wer wollte, konnte am Schluss der Veranstaltung auch Bücher und CD’s kaufen und sie sich signieren lassen. Emmerlichs Kommentar dazu: „Sie müssen natürlich nichts kaufen, wobei, wenn Sie es nicht tun, hätten wir dafür kein Verständnis.“

Von Björn Wagener

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