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Ein Hauch von Hollywood

Netzeband Ein Hauch von Hollywood

Er hat sechs Jahre lang den Peer Gynt in Norwegen gespielt. Am Sonntag war der Hollywoodschauspieler Dennis Storhøi in Netzeband und plauderte mit Regisseur Andree Solvik und den 60 Gästen über die Figur Peer Gynt, seine Inszenierung in Norwegen und die, die am 29. Juli in Netzeband Premiere hat.

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Peer Gynt im Doppel: Hollywood-Schauspieler Dennis Storhøi (r.) mit dem Netzebander Peer-Gynt-Darsteller Tobias Fischer.

Quelle: Regine Buddeke

Netzeband. Wettergegerbt und stark, ein paar Fältchen um die Augen, helles Haar – mehr weiß als blond. So sieht also Peer Gynt aus, ein Mann, der auf der Suche nach dem Glück und nach sich selbst um die Welt reiste und am Ende beides nicht fand. Eine tragische Person, ein Gralssucher, ein Tagträumer, ein Spinner. Und ein begnadeter Geschichtenerzähler, der die Leute begeistern und mitreißen kann. Und sie im gleichen Atemzug auch bitter enttäuschen. Ein Held? Ein Antiheld? Warum hat Ibsen die Figur in seinem gleichnamigen Stück erschaffen – inspiriert durch Erzählungen aus dem Gudbrandsdalen Tal. 1867 schrieb Ibsen sein dramatisches Gedicht – es ist zum Nationalepos der Norweger geworden.

Dennis Storhøi hat den Peer Gynt gespielt, sechs Jahre lang. Vor grandioser Naturkulisse im norwegischen Örtchen Gålå, direkt am See. Am Sonntagabend ist Storhøi in Netzeband zu Gast, gibt gewissermaßen eine Einstimmung auf die Premiere des Netzebander „Peer Gynt“, der am 29. Juli Premiere haben wird. Und bringt gleich ein Stück Hollywood-Glanz ins Temnitzdörfchen, denn Dennis Storhøi hat unter anderem gemeinsam mit Omar Sharif und Antonio Banderas im Hollywood-Blockbuster „Der 13. Krieger“ vor der Kamera gestanden. Gemeinsam mit Regisseur Andree Solvik, der das Stück in Netzeband auf die Bühne bringt, spielt Storhøi für die 60 Zuschauer in den „Märkischen Höfen“ eine Szene nach – selbstredend zur Musik von Edvard Grieg, der den Stoff seinerzeit vertonte.

Dennis Storhøi in der Rolle des Peer Gynt

Dennis Storhøi in der Rolle des Peer Gynt.

Quelle: Filmverleih

Es ist schön und fremd zugleich, die Szene zwischen Peer Gynt und seiner sterbenden Mutter zu hören, in der Peer Gynt ihr flammend ausmalt, wie sie im Himmel empfangen würde. Storhøi und Solvik – auch der ein Norweger – deklamieren die Szene in ihrer Muttersprache, punktgenau auf die Musik. Man kann sich ganz auf Ausdruck, Emotion und die Stimmen konzentrieren. Die Schönheit der Sprache wird deutlich, ohne dass man die Worte versteht. Danach werden Fotos von der norwegischen Inszenierung auf die Leinwand gebeamt – Dennis Storhøi plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen. In Englisch, Solvik übersetzt.

„Es hat 70 Prozent der Zeit nur geregnet“, erzählt der Schauspieler. Einmal sei seine lange Baumwollunterhose so nass geworden, dass es ihm die Hosenträger fast zerrissen hätte. „Vier Kilo schwer“, sagt er. Er habe Mühe gehabt, zu verhindern, dass sie der Schwerkraft folgt – vor 2000 Zuschauern habe er seine Calvin-Kline-Boxer­shorts nicht unbedingt outen wollen. Alle Kinder im Dorf Gålå hätten den Text des Stückes gekannt, erzählt er weiter. Und es haben 100 Statisten an den grandiosen Szenen vor noch grandioserer Kulisse mitgewirkt – dazu 60 Orchestermusiker.

Die Peer-Gynt-Darsteller mit dem Regisseur Andree Solvik (Mitte)

Die Peer-Gynt-Darsteller mit dem Regisseur Andree Solvik (Mitte).

Quelle: Regine Buddeke

Das Himmelsschauspiel, das jeden Tag anders war und die Kulisse immer neu erscheinen ließ, habe manches Mal dazu geführt, dass die Schauspieler in andächtigem Staunen ihren Text vergessen hätten. Einmal habe sogar ein Blitz in den See eingeschlagen. „Die Spannung habe ich gespürt“, so Storhøi. „Seitdem gilt er als Heiler“, witzelt Solvik.

Die Zuhörer haben viele Fragen. Etwa, ob es schwer gewesen sei, in die Rolle des Peer Gynt zu schlüpfen, und was Storhøi mit ihm gemeinsam habe. Es sei schwer gewesen, den Zugang zur Figur zu finden, bekennt Storhøi. Noch schwerer, das eigene Egoschwein herauszulassen. „Das Problem mit Peer Gynt ist, dass er so egozentrisch ist.“ Und dass er mit solch unglaublicher Konsequenz gelebt habe. Ein Schlüsselsatz Peer Gynts lautet: Sei dir selbst genug. „Wenn du versuchst, im Privatleben so zu leben, kann das böse ausgehen.“ Auch seine Hollywood-Erfahrungen beschreibt Storhøi – die verrückte Parallelwelt, in der er etwa neun Tage lang gemeinsam mit Omar Sharif in einem Sushi-Restaurant gesessen und die Texte einstudiert habe.

Wie er zur Schauspielerei gekommen ist? „Mit sechs Jahren habe ich mich in Grace Kelly verliebt“, sagt er. Er wollte Frank Sinatra und Bing Crosby ausstechen. Weil er gern Geschichten erzählt – eigentlich wollte er Journalist werden – habe seine Mutter ihn zur Schauspielschule geschickt. Sie fand ihn wohl ähnlich verrückt, wie Mutter Åse ihren Peer Gynt.

Das Publikum folgte den Plaudereien des Gastes mit großem Interesse

Das Publikum folgte den Plaudereien des Gastes mit großem Interesse.

Quelle: Regine Buddeke

Mit Andree Solvik habe er auch schon bei Peer Gynt-Aufführungen zusammengearbeitet. „Er als Gynt, ich in den verschiedensten Rollen“, sagt Solvik, der auch Schauspieler ist. Was er denn von der Netzebander Inszenierung halte, fragt eine Frau. Die kenne er noch nicht, bekennt Dennis Storhøi, immerhin liefen ja die Proben noch. Aber die Idee, mit Masken zu spielen, sei schon sehr spannend. Außerdem habe ihm imponiert, dass Andre Solvik seinen Peer Gynt nicht in Norwegen ansiedelt. „Mich interessiert es nicht, Norwegen nach Netzeband zu kolportieren“, erklärt der Regisseur. „Ich wollte einen brandenburgischen Peer Gynt.“ Es sei spannend gewesen, wie viele Brandenburger nach der Wende ihr Land verlassen hätten – um wie Peer Gynt ihr Glück und eine neue Identität im Westen zu finden. „Viele kommen jetzt zurück“, sagt er. Vielleicht, weil sie ihr Glück anderswo auch nicht gefunden hätten. Oder sich, wie Peer Gynt, auf der Reise selbst verloren hätten.

Hinweis: Premiere des „Peer Gynt“ ist am 29. Juli um 20.30 im Netzebander Gutspark. Karten können bis dahin unter Tel. 033931/3 49 40 bestellt werden.

Von Regine Buddeke

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