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Ein Haus für die Stadtgeschichte

Fehrbellin Ein Haus für die Stadtgeschichte

Für die Heimatgeschichte Fehrbellins gibt es nach Jahren der Provisorien einen festen Platz. Im Stadtmuseum in der Fehrbelliner Rhinstraße haben die ehrenamtlichen Heimatforscher nun genug Platz, die Geschichte des Rhinstädtchens Besuchern zu zeigen. Es kommen auch immer wieder neue, spannende Ausstellungsstücke hinzu.

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Ortschronist und Vereinsvorsitzender Kurt Müller im Fehrbelliner Heimatmuseum.

Quelle: Peter Geisler

Fehrbellin. Endlich am Ziel angekommen. Mehr als glücklich ist Kurt Müller, dass die Heimatgeschichte Fehrbellins seit drei Jahren ihren endgültigen Platz gefunden hat. Damals zog der Verein „Stadtgeschichte Fehrbellin“, dessen Vorsitzender Kurt Müller ist, ins eigene Domizil an der Rhinstraße. Bis es soweit war, musste sich das Heimatmuseum mit Provisorien begnügen, zunächst in der Grundschule, dann im Rathaus.

Viel mehr Besucher im neuen Haus

In den 1980er Jahren wurde das Museum aufgelöst. Die damalige Arbeitsgruppe Stadtgeschichte, die sich erst 2011 als Verein gründete, bewahrte ihre Schätze zunächst im Keller des Rathauses auf, 2007 eröffnete sie im Dachgeschoss das Heimatmuseum. Etwa 60  Besucher im Jahr besichtigten die liebevoll zusammen getragene Ausstellung. Im neuen Gebäude sind es bis zu 700 jährlich, so Kurt Müller.

Das alles lag und stand einst in Fehrbelliner Haushalten

Das alles lag und stand einst in Fehrbelliner Haushalten.

Quelle: Peter Geisler

„Ich bin Bürgermeisterin Ute Behnicke fast um den Hals gefallen, als sie den Vorschlag für einen Neubau machte“, erinnert sich Fehrbellins Ortsvorsteher Jürgen Sternbeck. Das Haus steht am Ortseingang, da, wo jahrelang Bewohnern und Besuchern eine Ruine ins Auge stach. Jetzt ist es ein Blickfang. Der Hingucker ist ein alter Leiterwagen.

Mehr Platz als im Rathaus, wo er 85 Quadtarmeter zur Verfügung hatte, hat der Verein zwar nicht. Dafür können sie aber auch das Stallgebäude auf dem Hof gegenüber nutzen. Dort sind Exponate zu Landwirtschaft und Handwerk sowie Werkstatt und Lager untergebracht. Die Hobby-Heimatforscher teilen sich das Gebäude mit den Kleintierzüchtern, dem Schützen- und dem Karnevalsverein.

Altes Apotheker-Zubehör, hier Gewichte und Feinwaage aus der Zeit, als Pillen und Pulver vom Apotheker noch selbst hergestellt worden sind

Altes Apotheker-Zubehör, hier Gewichte und Feinwaage aus der Zeit, als Pillen und Pulver vom Apotheker noch selbst hergestellt worden sind.

Quelle: Peter Geisler

Im eigentlichen Heimatmuseum ist das Leben in Fehrbellin in früheren Zeiten zu sehen. Wissenswertes über den Torfabbau findet sich dort genauso wie alles über die Stadtgeschichte, das Schulwesen und das alltägliche Leben. Und es kommt immer wieder Neues dazu, sagt Kurt Müller.

Es begann mit alten Chronikblättern der „Märkischen Volksstimme“

Von einem ehemaligen Fehrbelliner, der in Berlin lebt, hat das Museum 14 Bananenkisten voll mit Material über die Schlacht bei Fehrbellin bekommen. Das muss erst einmal gesichtet werden.

„Früher war ich Alleinkämpfer. jetzt habe ich fleißige Mitstreiter“, sagt Kurt Müller. Er lebt seit 1977 in Fehrbellin. Damals gab es in der „Märkischen Volksstimme“ Chronikblätter. Die hat Müller gesammelt und in seinem Keller gehortet, bis der aus allen Nähten platzte. Dann verlagerte Müller die Sammlung in den Rathauskeller und fand Gleichgesinnte. Wie Axel Steinbrunn, den heutigen stellvertretenden Vorsitzenden. Der gebürtige Fehrbelliner wohnt mittlerweile in Rheinsberg. „Meine Wurzeln sind in Fehrbellin. Ich kann und will mich nicht trennen.“ Er ist zudem Mitglied im Schützenverein und deshalb häufig in Fehrbellin. So sieht er im Museum nach dem Rechten.

Miniatur einer alten Postkutsche – von den Kindern des Vereins nachgebaut

Miniatur einer alten Postkutsche – von den Kindern des Vereins nachgebaut.

Quelle: Peter Geisler

Das macht Kurt Müller jeden Tag. Morgens um sieben Uhr macht er einen ersten Rundgang durchs Museum, guckt nach der Post und checkt E-Mails. Um 8.30 Uhr schließt er die Türen zu und geht hinüber ins Rathaus, um dort nach Post zu sehen. Offiziell ist das Museum jeden Donnerstag von 16 bis 18 Uhr geöffnet – und nach Vereinbarung. „Das wird viel genutzt“, sagt Müller. Schulklassen kommen zu Besuch. Bei Familienfeiern wird eine Führung zwischen Mittagstisch und Kaffeetafel gern angenommen.

Auch Kinder engagieren sich im Verein

Der Verein hat 25 Mitglieder, von denen 14 aktiv sind, darunter vier Kinder im Alter von neun bis 14 Jahren. Die sind mit Feuer und Flamme dabei. Gerade haben sie den ehemaligen Postplatz akribisch im Kleinformat nachgebaut.

Die Erwachsenen sind in anderen Bereichen tätig. Sie haben die ganze Fehrbelliner Zeitung von 1925 bis 1941  aufgearbeitet und digitalisiert. „Damit konnten wir vielen örtlichen Vereinen helfen“, sagt Müller. Aber auch so manchem, der etwas über die eigene Familiengeschichte wissen will, konnten sie mit alten Unterlagen unterstützen. Derzeit erstellen sie die Chronik der Fehrbelliner Schützengilde.

Doch der Verein beschäftigt sich nicht nur mit der Vergangenheit, er stellt sich auch den Aufgaben der Gegenwart. So führen die Mitglieder einmal im Jahr eine Verkehrszählung durch, beteiligen sich am Bibliotheksfest und sind beim Frühjahrs- und Herbstputz dabei, alles für die Stadt, der sie sich verbunden fühlen. Sie würden sich über neue Mitglieder, die sich genauso für die Luchstadt und ihre Geschichte interessieren, freuen.

Von Dagmar Simons

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