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Ein Horst in luftiger Höhe

Adlerexperte hilft beim Nestbau Ein Horst in luftiger Höhe

Das Fischadlernest im Wald zwischen Wulkow und Herzberg bei Neuruppin, ist verwaist. Die Vögel sind gen Süden aufgebrochen. Adlerexperte Daniel Schmidt kümmert sich nun um den Horst und erneuert das Nest, in dem er einen Weidenkorb anbringt, in der Hoffnung, dass dort im kommenden Frühjahr wieder gebrütet wird.

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Adlerexperte Daniel Schmidt beginnt mit dem Aufstieg.

Quelle: Fotos (2): Cornelia Felsch (2)

Wulkow. Gedacht war der große runde Weidenkorb ursprünglich als Nisthilfe für Störche, doch auch Fischadler nehmen die Hilfe des Adlerexperten Daniel Schmidt gern in Anspruch. „Wir müssen den Adlern ein wenig unter die Flügel greifen, damit sie stabile Nester vorfinden“, sagt der promovierte Biologe, der das Vogelschutzzentrum in Mössingen (Baden-Württemberg) leitet und auch in Brandenburg gern gesehen ist, wenn es darum geht, hoch oben in den märkischen Kiefern Kunsthorste zu installieren.

Fischadler vererben ihre Nester von Generation zu Generation – 50 bis 60 Jahre alte Nester sind keine Seltenheit. Für den Bau ihrer Brutstätten bevorzugen sie in Brandenburg alte hohe Kiefern, die über den umliegenden Bestand deutlich hinaus ragen, so dass freier Ausflug und eine gute Sicht auf potenzielle Feinde gewährleistet sind.

Auf den abgeflachten, starken Kronen können die Adler ihre Nester gut bauen. Damit die Bäume die nötige Stabilität besitzen und nicht zu sehr im Wind schaukeln, sollten sie mindestens 100 Jahre alt sein. Kiefern werden von den Fischadlern bevorzugt ausgewählt, da sie eine abgeflachte Krone aufweisen, auf der die Adler ihre Nester gut bauen können. „Auf der gesamten Nordhalbkugel sind solche alten Exemplare mittlerweile aber Mangelware“, sagt Daniel Schmidt und schnallt sich die Steigeisen an. Nachdem alle Seile und Gurte am richtigen Platz sitzen, beginnt der Aufstieg. Routiniert erklimmt der 51-Jährige den 20 Meter hohen Baum. Oben angekommen räumt er erst einmal auf, um später auf das wagenradähnliche Metallgestell den Weidenkorb befestigen zu können.

Henry Lange, Horstbetreuer im Kreis Ostprignitz-Ruppin, begibt sich derweil am Boden auf Rindensuche. Er hat den Adlerhorst in den vergangenen Jahren beobachtet. 2005 haben dort erstmals Fischadler gebrütet, im darauffolgenden Jahr hat ihnen der Sturm das Nest vom Baum gefegt. 2007 haben die Greifvogelbetreuer die Metallstütze auf den Baum gesetzt. Erst in den vergangenen zwei Jahren brüteten dort wieder Fischadler – 2013 und 2014 kamen dort jeweils drei Junge zur Welt.

Im Frühjahr wartete Henry Lange vergeblich auf die Greifvögel, erst im Spätsommer sind sie eingeflogen, zu spät um noch zu brüten. Spätestens bis Mitte April sollten die Greifvögel damit beginnen, um die Jungen noch groß ziehen zu können. Bereits im September machen sie sich dann auf den Weg in den Süden. Der Greifvogelexperte ist dennoch optimistisch: „Wenn sie den Zug nach Afrika überleben, dann werden sie hoffentlich im kommenden Jahr hier brüten.“ Nachdem Daniel Schmidt den Korb am Seil hinaufgezogen hat, befestigt er ihn mit Drähten am Metallgestell und legt die Äste hinein. Mit Moos, Gras und Erde polstert er den Korb aus und stabilisiert das ganze schließlich am Rand mit den Rindenstücken – alles ist für das Brutgeschäft im Frühjahr vorbereitet.

Finanziert wird die Maßnahme vom Kreisverband des Naturschutzbundes. Brandenburg ist mit 350 Brutpaaren das Bundesland mit dem größten Fischadlerbestand Deutschlands. In Bayern gibt es zurzeit elf Brutpaare und in Schleswig-Holstein brütete nach 30 Jahren erstmals wieder ein Fischadlerpärchen im vergangenen Jahr. Noch im 19. Jahrhundert waren die Greifvögel in ganz Mitteleuropa als Brutvögel verbreitet. Als Nahrungskonkurrenten wurden sie jedoch stark bejagt und gnadenlos abgeschossen so dass sie Anfang des 20. Jahrhunderts auch in Deutschland nahezu ausgerottet waren. Durch intensive Schutzmaßnahmen in den vergangenen Jahrzehnten stieg die Population wieder an. „Fischadler sind sehr ortstreu und es ist schwierig, sie wieder anzusiedeln, wenn es in einem Gebiet keine Vorkommen mehr gibt“ , sagt Daniel Schmidt. „Deshalb hat Brandenburg eine große Verantwortung.“

Der Greifvogelexperte kümmert sich nicht nur um den Bestand in Deutschland. Er war auch an einem zehnjährigen Projekt beteiligt, bei dem Jungvögel in Brandenburg, Mecklenburg, Schottland und Finnland aus Nestern entnommen wurden und nach Spanien geflogen wurden. Dort ist der Fischadler 1982 ausgestorben. Im vergangenen Jahr wurde dieses Projekt erfolgreich beendet, 15 Paare haben sich mittlerweile gefunden. „Wir haben nun in Südspanien einen neuen Brutbestand aufgebaut, der Erfolg hat sich eingestellt“, sagt Daniel Schmidt.

Von Cornelia Felsch

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