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Ein Käfig voller Paradiesvögel

Travestie-Show in Neuruppin Ein Käfig voller Paradiesvögel

Beste Unterhaltung gab es am Freitagabend im Neuruppiner Stadtgarten: Die Travestie-Show mit wunderbar bunten Kostümen und viel Gesang lockte rund 300 Gäste. Donna La Belle rockte die Bühne als Bette-Midler-Double, und Marcel Bijou sorgte für Lachanfälle und stehende Ovationen.

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Mit dem überbordenen Kopfschmuck fast vier Meter groß: Cio La Cabana.

Quelle: Regine Buddeke

Neuruppin. "Wann ist ein Mann ein Mann?", stoßseufzt Herbert Grönemeyer und spricht damit Millionen Männern in der Neuerfindungskrise aus der Seele. Stark soll er weiterhin sein, aber bitteschön - so wünscht Frau es - auch mal die gefühlvolle weibliche Seite rauslassen. Manche haben damit ein Problem, anderen ist nichts lieber als das.

"Girls, Girls, Girls" tönt es aus den Boxen, fünf bonbonbunte Paradiesvögel rauschen mit Pomp auf die Bühne: tennisballgroße Ohrgehänge, Wimpern, an denen man Wäsche aufhängen möchte, stelzenhohe Highheels und Glitzerroben, die die Augen blenden. "Und keiner weiß es so ganz genau, was ist hier Mann, und was ist Fra-hau?", trällert Marcel Bijou und schwört die knapp 300 Gäste im Stadtgarten auf einen Freitagabend ein, der bis auf diesen einen Punkt keine Fragen offen lässt. Die Drag-Queen plaudert frei von der Leber weg - derb und sehr direkt platziert sie ihre Pointen, gespickt mit sexuellen Zweideutigkeiten. Aber wer zur Travestie-Show geht, will genau das - feinsinniger Humor wäre hier fehl am Platze. Entsprechend zeigt sich das Publikum entzückt: die zahlreichen Frauen juchzen lautstark, die etwas karger vertretenen Männer versuchen mit einem gerüttelt Maß Selbstironie, den zahlreichen Seitenhieben auf ihr Geschlecht eine komische Seite abzugewinnen. "Sex im Alter?" Das sei für Frau wie der Aufbau eines Ikea-Schranks: "Bangen und hoffen, wie lange er steht", fasst Marcel Bijou gutgelaunt zusammen und verrät, dass dabei meist der Schrank gewinnt.

Donna La Belle rockt die Bühne als Bette-Midler-Double. Sie lässt es ordentlich schütteln - bei einem augenzwinkernden Hüllenverlieren des nicht mehr ganz taufrischen Körpers. Egal, Mann ist so jung, wie Frau sich fühlt und in Punkto Lebensfreude sind die fünf Königinnen noch ganz junge Dinger. Eine Augenweide sind die Revue-Kostüme von Cio La Cabana. Mit Kopfputz erreicht sie eine Gesamthöhe von fast vier Metern: das rauscht und wippt und glitzert und würde beim Karneval in Rio jeder Trägerin zur Ehre gereichen.

Publikumsliebling ist die "Tante aus Alicante", Denisse Zambrana. Als strenge Zuchtmeisterin hat sie ihr Publikum gut im Griff. "Komm her, Muschi!", donnert sie einen weiblichen Gast an. Die Zuschauer beiderlei Geschlechts lassen sich - halb peinlich berührt, halb geschmeichelt - auf die Bühne bitten und machen redlich mit, wenn die Walküre mit Schwert in der Hand und aus dem Kostüm ausgesparten blankem Hintern eine Schlacht nachahmt.

Neben den wunderbaren Kostümen ist ein großer Pluspunkt der Show, dass viel live gesungen wird. Ob Donna la Belles Udo-Jürgens-Medley oder Marcel Bijous "Ich liebe das Leben", die Drag-Queens geben alles, was die Stimmbänder hergeben. Nach dem abschließenden Chor "My way - so ist mein Leben" reißt es die Gäste denn auch von den Sitzen. Unter stehenden, noch immer von Lachanfällen geschüttelten, Ovationen gibt Marcel Bijou das Versprechen: "Wir kommen im nächsten Jahr wieder."

Von Regine Buddeke

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