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Ein Meilenstein nach Preußenmaß

In Linum soll Obelisk an die alte Poststraße erinnern Ein Meilenstein nach Preußenmaß

Die Preußen waren schon immer sparsam. Davon zeugen auch die Meilensteine, die der Generalpostmeister vor zwei Jahrhunderten an der Poststraße zwischen Berlin und Hamburg aufstellen ließ. Mitglieder einer Forschungsgruppe wollen jetzt einen neuen aufstellen lassen - für 8.000 Euro.

Linum. Die Sandstein-Obelisken, die alle paar Kilometer an der Strecke standen, waren schlicht gestaltet. Kein Schnörkel, keine Verzierung, keine eingravierten Schriften - dieser Schnickschnack, der an anderen Poststraßen üblich war, hätte die Baukosten für den preußischen Hof nur in die Höhe getrieben.

Die Relikte der Vergangenheit sind heute fast überall verschwunden. Die brandenburgische Forschungsgruppe Meilensteine ist den Monumenten der alten Zeit aber seit drei Jahrzehnten auf der Spur: Sie hat die damaligen Standorte aufgespürt und Reste der 200 Jahre alten Obelisken restaurieren lassen. Auch in Linum soll nun wieder ein Meilenstein errichtet werden. Er stand einst einen Kilometer außerhalb des Ortes Richtung Flatow.

Von dem Linumer Meilenstein ist nur noch ein Mittelstück erhalten geblieben, das seit gestern von einem Steinmetz restauriert wird. Der ursprünglich fast 3,30 Meter hohe Pfeiler wurde - wie viele andere Obelisken - irgendwann im 19. Jahrhundert abgerissen. Die Alte Hamburger Poststraße verlor nämlich ab 1830 mit dem Bau der Neuen Hamburger Chaussee, der heutigen B5, an Bedeutung. Da sind die Sandstein-Quader kurzerhand verkauft oder illegal abmontiert worden. "Es war nicht anders als heute: Auch damals wurde schon geklaut", sagt der Meilenstein-Forscher Olaf Grell.

In Linum ging vor 150 Jahren offensichtlich alles mit rechten Dingen zu: Dort hatte man dem Schmied den Meilenstein überlassen. Teile des Obelisken sollen für das Hofpflaster genutzt worden sein. Und das würfelförmige Mittelstück diente dem Schmied über viele Jahre als Werkstück zum Bearbeiten von Radbeschlägen. Das haben die Mitglieder der Forschungsgruppe herausgefunden, die den Stein jetzt wieder aufstellen wollen. Das 8.000 Euro teure Vorhaben wird über Spenden finanziert. Der fehlende Sockel und der Schaft sind bereits originalgetreu nachgebaut worden und liegen seit zwei Wochen auf dem Hof der Linumer Mosterei.

Ortsvorsteherin Wilma Nickel hofft, dass der Meilenstein noch im November aufgestellt wird, damit er beim Adventseinläuten am 1. Dezember übergeben werden kann. Er soll einen Platz an der Backsteinkirche bekommen. "Der Meilenstein ist eine gute Komponente, die das historische Ensemble ergänzt", sagt Wilma Nickel. Mit der Kirche von 1868, der Jahrhunderteiche, dem Kriegerdenkmal und dem Meilenstein habe Linum dann eine geschichtsträchtige Ortsmitte.

Die Poststraße führte ab 1654 von Berlin über Hennigsdorf, dem Krämer Forst, Flatow, Linum, Tarmow, Fehrbellin, Walchow, Wusterhausen, Kyritz und Perleberg bis nach Hamburg. Sie hat ihren Ursprung im Pilgerweg von Berlin nach Bad Wilsnack, sagt Olaf Grell. Wer im späten 18. Jahrhundert mit der Postkutsche reisen wollte, musste ein Entgelt entrichten, das sich nach den zurückgelegten Meilen berechnete. Damit die Reisenden die Entfernungen und Gebühren nachvollziehen konnten, wurden die Postkurse um 1800 genau vermessen und Meilensteine gesetzt. Eine Meile entsprach etwa 7,5 Kilometer. Je nach Länge eines Abschnittes dienten Viertel-, Halb- oder Ganzmeilensteine der Orientierung. Der Tarmower Obelisk soll früher rund 500 Meter südöstlich des Dorfes an der Straße nach Hakenberg gestanden haben ‒ und zwar bis in die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein. Was danach mit ihm passiert ist, ist unklar. Der Walchower Viertelmeilenstein wurde vor drei Jahren bei Bauarbeiten in Dammkrug wiedergefunden.

Vom Ganzmeilenstein in Linum aus waren es damals noch sechs Meilen bis Berlin. An der Stelle des Gasthauses "Storchenblick" gegenüber der Kirche war früher das Eingangsportal einer Poststation.

Von Katharina Kastner

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