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Ein Museum für die Kyritzer

Diskussionsrunde suchte Konzepte Ein Museum für die Kyritzer

Dass der Stadt Kyritz ein eigenes Museum gut zu Gesicht stünde, darin waren sich die meisten Teilnehmer einer Diskussionsrunde am Mittwochabend im Rathaus einig. Es sollte eine Einrichtung vor allem für die Kyritzer werden, nicht zuletzt für die jungen, lautet ein erstes Fazit.

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Susanne Köstering vom Museumsverband moderierte die Runde und sammelte Zettel mit Ideen.

Quelle: Alexander Beckmann

Kyritz. Braucht Kyritz ein Museum? Und falls ja, was für eines? Diese Fragen waren Gegenstand einer öffentlichen Diskussionsrunde am Mittwochabend im Kyritzer Rathaus. Neben Vertretern von Politik und Stadtverwaltung waren vor allem viele Bürger mit dabei – und dazu ausgewiesene Experten wie die Geschäftsführerin des Museumsverbandes des Landes Brandenburg, Susanne Köstering.

Eines stellte sie gleich zu Beginn klar: „Wir sind nicht dazu da, Ihnen irgendwelche Museumsvorstellungen zu verkaufen, die wir mitbringen.“ Anliegen ihres Verbandes sei es vor allem, dafür zu sorgen, dass die Museen von der Bevölkerung mitgetragen werden. Kyritz stehe dabei ganz am Anfang: „Wir sind immer noch in der Phase zu definieren: Welche Art Museum wollen wir?“

Dass der Stadt ein eigenes Museum gut zu Gesicht stünde, das stand für die meisten Teilnehmer der Veranstaltung fest. Aber es gab auch Zweifel. „Wir müssten enorm viel Geld in die Hand nehmen“, prophezeite der CDU-Stadtverordnete Georg Salditt. Heike Grüttner, sachkundige Einwohnerin im Wirtschaftsausschuss, warnte vor den Folgekosten. So ein Museum bleibe auf jeden Fall ein Zuschussgeschäft. Peter Ackermann warnte vor dem Aufwand, der nötig sei, Stadtgeschichte publikumswirksam darzustellen: „Meine Angst ist, dass wir den Spagat nicht hinbekommen.“

Die Stadt sollte auf ihre Wurzeln hinweisen

Auf der anderen Seite äußerten viele die Auffassung, dass die Stadt einiges zu bieten habe, das ein Museum sinnvoll macht. „Die Geschichte von Kyritz ist doch ganz interessant“, fand Heinz Drewin, und Manfred Haßfeld, ebenfalls von der Bürgerinitiative „Rettet den Klostergarten“, sah das genauso: „Jede Stadt mit einem historischen Hintergrund sollte an irgendeiner Stelle auf ihre Wurzeln hinweisen.“ Haßfeld stellte auch die Bildungsfunktion heraus: „Wenn ich sehe, wie gering die Bindung der Jugend an ihre Heimat ist, halte ich es für dringend notwendig, sie mit einzubeziehen.“

„Ein Museum muss vielseitig sein“, forderte Werner John und verwies auf die interessante technische Entwicklung der Stadt mit Stärkefabrik, Kleinbahn Pollo und ähnlichem. „In Kyritz war mal eine Motorradfabrik – wer weiß das schon!“

Weitere Themenvorschläge ließen nicht lange auf sich warten. Die Kunst müsse unbedingt Raum erhalten – zum Beispiel das Theaterspiel. Manfred Teske aus Wus­terhausen verwies auf die Hanse, den einstigen Kyritzer Hafen und natürlich die Geschichte des Klosters. „Kyritz hat so viel Exklusives in der Geschichte, dass es keine Frage ist: Die Stadt braucht ein Museum.“ Teske lobte die Arbeit des Heimatvereins mit der Heimatstube: „Die haben die Grundlage für ein Kyritzer Stadtmuseum gelegt. Das sind Leute, die sind fähig und bereit mitzuhelfen. Die gehören dazu.“ Ganz wichtig sei es auch, dass so ein Museum immer wieder Neues bietet, betonte Tino Kornführer.

Wofür das Herz brennt

Nach etwa anderthalb Stunden wagte Moderatorin Susanne Köstering eine erste Zusammenfassung. Es sei nicht nötig, zwanghaft nach einem speziellen, exklusiven Thema für ein Museum zu suchen.„Jede Stadtgeschichte ist einzigartig.“ Ein Kyritzer Museum sollte möglichst viele Aspekte der Stadtgeschichte aufgreifen – das Kloster sei gewiss einer davon. „Sie wollen ein Museum, in dem die Menschen aktiv sind.“ An der Gestaltung sollten sich die Vereine ebenso beteiligen wie die Jugend – vor allem die. „Es geht darum, neue, junge Heimatfreunde zu gewinnen. Die alten Heimatfreunde können dabei helfen, aber sie können nicht im Mittelpunkt stehen“, empfahl die Museumsexpertin. „Sie wollen ein Museum, das sich immer weiterentwickelt. Das halte ich für eine ganz wichtige Erkenntnis.“ Man dürfe nicht erwarten, „dass da eine fertige Ausstellung hinkommt und gut“. Wichtig sei zudem die Kooperation im Kleeblatt – bei Finanzierung, Personal und Fundus. Entscheidend für die Gestaltung hält Susanne Köstering aber: „Was Sie selbst wirklich spannend finden, wofür Ihr Herz wirklich brennt, das findet auch der Rest der Welt spannend.“

Bürgermeisterin Nora Görke betonte: „Für uns ist natürlich interessant: Sind Sie alle bereit, in der Zukunft weiter mitzumachen?“ Etwa alle vier Wochen wolle man sich treffen, um weiter an dem Museumskonzept zu arbeiten. Der 16. Februar soll der nächste Termin sein. Über den Treffpunkt wolle man noch informieren.

Im Jugendmuseum Berlin wollen sich die Kyritzer umsehen

Im Jugendmuseum Berlin wollen sich die Kyritzer umsehen. Dort gibt es regelmäßig Kinder-Workshops zur Stadtgeschichte.

Quelle: Jugendmuseum

Verwiesen wurde auf zwei externe Veranstaltungen: Am Montag, dem 8. Februar, ab 9.30 Uhr befasst sich der Museumsverband in Kleinmachnow mit der Frage „Museum – wenn ja, wozu und wie?“ Das Kyritzer Rathaus bietet für Interessenten eine Mitfahrgelegenheit an. Außerdem will man demnächst das Jugendmuseum in Berlin Schöneberg besuchen, um Ideen für Ausstellung und Museumspädagogik zu sammeln. Auch dazu sind Mitfahrer willkommen.

Kontakt: Anfragen und Anmeldungen bitte umgehend an die Kulturverantwortliche des Kyritzer Rathauses Manuela Bismark: bismark@kyritz.de.

Von Alexander Beckmann

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