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Ein Niedersachse gab Wittstock seine Hymne

Heimatlied kam wieder zum Vorschein Ein Niedersachse gab Wittstock seine Hymne

Es war schon fast vergessen, da entdeckte der Wittstocker Uhrmacher das Heimatlied der Dossestadt in einem alten Heft wieder. Gedichtet wurde es vor fast 90 Jahren vom damaligen Gymnasialdirektor Wilhelm Schlechtweg. Während der Stadthistoriker Wolfgang Dost den Text für „ganz brauchbar“ hält, ist er von der Melodie jedoch weniger angetan.

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Wilhelm Schlechtweg leitete bis 1935 das Wittstocker Gymnasium.

Wittstock. Um wen es sich bei dem unbekannten Heimatfreund handelte, der anlässlich des Wittstocker Heimatfestes 1927 einen Liedtext auf die Dossestadt verfasst hatte, wurde erst drei Jahre später bekannt: Dr. Wilhelm Schlechtweg, 1884 im niedersächsischen Wilhelmshaven geboren, ließ das Lied erstmals 1930 unter seinem Namen drucken. Der Pädagoge war in den 1920er Jahren zunächst Direktor des städtischen Lyzeums und von 1931 bis 1935 des Gymnasiums. Und scheinbar hatte er mit dem aufkeimenden Nationalsozialismus wenig am Hut.

Nach Jahrzehnten wieder zu Gehörchen

Nach Jahrzehnten wieder zu Gehörchen: Der Wittstocker Heimatchor trug das Lied während des Neujahrsempfangs vor.

Quelle: Bark

„Fakt ist, dass Schlechtweg Mitte der 30er Jahre das Gymnasium verlassen musste“, berichtet Wittstocks Stadthistoriker Wolfgang Dost. Danach verliere sich seine Spur, womöglich habe der Heimatfreund Wittstock aber auch in diesem Zusammenhang den Rücken gekehrt.

In seinem Buch über das Wittstocker Gymnasium hatte Dost vor zwölf Jahren schon einmal den Liedtext abgedruckt. Darin verweist der Historiker auf die ehemaligen Wittstocker als Adressaten der Schlechtwegschen Dichtung. „In Berlin gab es in den 20er Jahren eine große Kolonie an Exilwittstockern“, erklärt Dost. Die hätten damals dort Heimatfeste organisiert und diese Euphorie sei dann nach und nach auch zurück in die Prignitz geflossen. Auch Dost hatte, wie er zugibt, das Lied schon fast vergessen. Doch ein Zufall wollte es so, dass man sich der Zeilen nach Jahren wieder erinnerte.

Ende vergangenen Jahres hatte der Wittstocker Uhrmacher Detlef Beuß die Unterlagen für die Organisation des traditionsreichen Handwerkerballs übernommen. Darunter auch eine Publikation des hiesigen Handwerksvereins vom 10. November 1929. „Beim Durchblättern entdeckte ich das Wittstock-Lied“, erinnert sich Beuß. Vermutlich sei es damals auf den Handwerkerbällen gesungen worden. In dem Heft befand sich ganz nebenbei auch die Melodie des Liedes, wie Historiker Dost bemerkt. Das Puzzle passte also wieder zusammen.

Beim Stadtfest wird die überarbeitete Fassung zu hören sein

„Der Text ist ganz brauchbar, aber die Melodie könnte noch verfeinert werden“, beurteilt Dost das Heimatlied. Einprägsam sei besonders der Refrain „Hoch Wittstock mein im Prignitzland, hoch Wittstock mein am Dossestrand“.

Auch der Leiter des Städtischen Männerchores 1836 Wittstock, Peter-Michael Kipcke, beschreibt die Melodie als sehr schlicht. „Aber es ist einstimmig gut zu singen“, bemerkt er. Als Heimatlied sei es schon in Ordnung, es stamme nun mal nicht aus der Feder eines Mozart oder Beethoven. Vielleicht entwickle sich das Lied auch bald zum festen Bestandteil im Repertoire der Sänger. Beim erstmaligen Vortrag anlässlich des Neujahrsempfangs im Januar sei er gut beim Publikum angekommen, wie sich der Chorleiter erinnert.

„Der Bürgermeister war an uns herangetreten und wollte unbedingt, dass wir das Lied vortragen“, sagt Kipcke. Womöglich werde es demnächst auch beim Stadtfest im Juni oder anderen Veranstaltungen zu Gehör gebracht.

Ein nächster Termin könnte am 19. März auf dem 157. Handwerkerball sein. Wenn es nach den Vorstellungen von Organisator Detlef Beuß geht, könne die Tradition gerne wieder aufleben.

Das Heimatlied der Wittstocker von 1927

Das wär’ bei Gott ein schlechter Mann. Der nicht mit Stolz die Heimat ehrt, Und der die Stadt vergessen kann, Die ihm der Jugend Glück beschert, Ob einer lobt sein Neuruppin,

Sein Potsdam, Prenzlau, sein Berlin,

Wir preisen unser Wittstock laut,

Das unsre Väter uns erbaut:

Hoch Wittstock mein im Prignitzland,

Hoch Wittstock mein am Dossestrand!

Hier zeuget noch fast jeder Stein

Von unsrer Väter stolzer Zeit,

hier ruhet aus manch bleich Gebein

Von dreißigjährigen Krieges Streit,

Hier steht die Pappel des Banér,

Der sich erkämpfte Sieg und Ehr’.

Solange die Geschichte spricht,

Sie auch von Wittstock gibt Bericht,

Vom Wittstock ein im Prignitzland,

Vom Wittstock mein am Dossestrand!

Der Amtshof in Verschwiegenheit,

Der alte Amtsturm hoch und hehr,

Der schatt’ge Wall im Sommerkleid,

Die Sankt Marien, der Mauer Wehr,

Der reiche Forst im Tannenduft

Und über allem Heimatluft:

Nichts Schönres gibt es weit und breit,

Was ich könnt’ lieben alle Zeit,

Als Wittstock ein im Prignitzland,

Als Wittstock mein am Dossestrand!

Von Christian Bark

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