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Ostprignitz-Ruppin Ein Polizist zum Anfassen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Ein Polizist zum Anfassen
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00:19 10.12.2017
Enkeltrick, Vorfahrtsregeln oder Spurensicherung – die Sprechstunde mit dem Polizeihauptmeister hält viele interessante Themen bereit. Quelle: Christian Bark
Wittstock

Die Atmosphäre ist gemütlich, die Stimmung ausgelassen. Wenn Polizeihauptmeister Lutz Strissel im Wittstocker Wohngebietsclub der Röbeler Vorstadt in der Clara-Zetkin-Straße seine Sprechstunde abhält, findet er regelmäßig interessierte Zuhörer.

Diesmal geht es ums Radfahren. „Unerlaubtes Fahren auf dem Gehweg kann eine Geldbuße von 15 Euro nach sich ziehen“, erklärt Lutz Strissel den Anwohnern. „Wenn man dabei erwischt wird“, fügt er hinzu. Lediglich Kinder bis zu einem Alter von zehn Jahren dürften mit dem Rad auf dem Gehweg fahren und dabei von einem Elternteil begleitet werden. Kinder bis acht Jahre müssen sogar auf dem Gehweg fahren und dürfen sich dabei von einem erwachsenen Radler über 16  Jahren begleiten lassen. Teuer werde es für diejenigen, die trotz geschlossener Bahnschranke die Gleise überqueren. „Das kann bis zu 350 Euro kosten“, informiert Lutz Strissel.

Schon seit über 20 Jahren hält Lutz Strissel Bürgersprechstunden ab. Quelle: Christian Bark

Dann reicht der Polizist eine Broschüre herum. „Das sind Sicherheitstipps für Senioren“, sagt er. Die würden unter anderem Informationen zum Umgang mit dem sogenannten Enkeltrick geben. „Sowas hatten wir auch schon hier im Viertel“, blickt Lutz Strissel zurück. Die Betrüger hätten von einer älteren Dame 20 000 Euro ergaunern wollen. Weil sie zuvor in einer seiner Sprechstunden von der Masche gehört hätte, sei sie sofort zur Polizei gegangen. „Wir haben uns dann vor dem Haus auf die Lauer gelegt. Die Gauner sind aber nicht erschienen“, berichtet der Polizeihauptmeister.

Nähe zwischen Bürger und Polizei

Die Sprechstunden im Wohngebietsclub, der seit 2016 von der Volkssolidarität betrieben wird, besucht auch Anwohnerin Bärbel Franke regelmäßig. „Die Nähe zwischen Bürger und Polizei finde ich gut“, sagt sie. Das vermittle auch ein Gefühl von Sicherheit in Zeiten von Personalknappheit bei der Polizei.

„Ich bin quasi ein Polizist zum Anfassen“, sagt Lutz Strissel. Der 52-Jährige hält seine Bürgersprechstunde schon seit über 20 Jahren im Quartiersclub ab. Damals war dieser noch ein Seniorentreff der Arbeiterwohlfahrt. „Da waren die Sprechstunden aber mehr auf Zuruf zustande gekommen“, blickt er zurück. Im Quartiersclub ist der Polizeihauptmeister nun jeden letzten Donnerstag im Monat zu Gast. „Das fällt unter die Rubrik Präventionsarbeit“, erklärt er. Nicht nur die Leute könnten dabei ihre Sorgen und Fragen loswerden, auch er erhalte manchmal wichtige Informationen. „Eine Frau hatte beim Pilzesuchen eine Leiche gefunden und mich dann persönlich verständigt“, berichtet Lutz Strissel.

Persönliche Nähe ist Lutz Strissel wichtig. Tatsächlich duzen viele der Anwohner ihren Polizisten, der für den gesamten Bereich der Kernstadt Wittstock zuständig ist. Immerhin tut der gebürtige Wittstocker schon seit 30 Jahren in der Dossestadt seinen Dienst.

Lutz Strissel versteht sich blendend mit Clubbetreuerin Wilma Risse. Quelle: Christian Bark

Eigentlich ist Lutz Strissel gelernter Maler, hatte einige Zeit im Obertrikotagenwerk in Wittstock (OTB) gearbeitet, bis ihn die Polizei „abgeworben“ hat. 1989 bis 1990 absolvierte er sein Studium zum Abschnittsbevollmächtigten (ABV). Seiner Heimatstadt ist er aber immer treu geblieben. „Manchmal rufen die Schulkinder auf der Straße schon, wenn sie mich sehen: Hallo Onkel Strissel“, berichtet der Polizist mit strahlenden Augen. Das seien mit die schönsten Momente in seinem Beruf. Häufig führe er auf Streife Gespräche mit den Anwohnern, ein Späßchen sei immer mal drin. „Spaß ist Spaß, aber wenn es sein muss, kann ich auch hart durchgreifen“, betont der Polizeihauptmeister. Trotzdem liege es auch im Ermessen des Beamten, mal nur ein „du-du“ auszusprechen.

Schießen musste Lutz Strissel in seinen 30 Dienstjahren noch nie auf einen Menschen, sagt er. Er ist auch noch nie angeschossen oder auf andere Art im Dienst verletzt worden. „Ein Kollege hatte sich mit seiner eigenen Dienstwaffe umgebracht“, sagt der 52-Jährige. Das hätte ihn damals ganz schön mitgenommen. Aufregend sei vor vielen Jahren ein Überfall auf einen Supermarkt in Neuruppin. „Die Kollegen und ich haben draußen bei Katerbow die Straße abgesperrt“, erinnert er sich. Das habe etliche Stunden gedauert. „Da fragt keiner, ob du eigentlich schon Feierabend hast“, bemerkt der Polizist.

Dass Lutz Strissel für sie und die Bewohner da ist, rechnet Quartiersclubbetreuerin Wilma Risse dem 52-Jährigen hoch an. „Die Gespräche sind immer sehr interessant“, sagt sie. So habe der Polizist schon über das Thema Spurensicherung und andere Kriminalfälle berichtet. Die Sprechstunden werden 2018 fortgesetzt. Die letzte Sprechstunde 2017 mit Lutz Strissel findet Donnerstag, 14. Dezember, statt

Von Christian Bark

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